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Ausbildung: David Arnold ist angehender Erzieher / Sein Anerkennungsjahr absolviert er in der Schülerbetreuung Bärenhöhle in Bürstadt

„Ich mach’ das, was mir Spaß macht“

Archiv-Artikel vom Samstag, den 22.09.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Sarah Weik

Hat seinen Beruf gefunden: der angehende Erzieher David Arnold auf dem Pausenhof der Schillerschule in Bürstadt.

© swk

Bürstadt. Der Pausenhof der Schillerschule ist eine Arena. Für ein Fußballspiel, ein Racer-Wettrennen, eine Verfolgungsjagd auf Rollern. Alles gleichzeitig. Der Lärmpegel ist hoch, die Energie der Kinder unerschöpflich. Dabei ist die Schule längst vorbei. Hier toben die Kinder der Schülerbetreuung Bärenhöhle. Mittendrin: David Arnold. Seit dem 1. August verstärkt der 22-Jährige das Betreuerteam, er absolviert sein Anerkennungsjahr in der Bärenhöhle. David ist angehender Erzieher.

"Ich mach' das, was mir Spaß macht", sagt er. Außergewöhnlich findet er seine Berufswahl deshalb überhaupt nicht. Auch wenn er natürlich weiß, dass er als Erzieher ein Exot ist. David kam über Umwege zu seinem Beruf. Nach der mittleren Reife fing er zunächst eine Ausbildung zum Restaurantfachmann an. "Doch das war nichts." Danach beschloss er, sich Zeit zu lassen. Er machte Praktika, probierte sich als Augenoptiker, als Groß-und Einzelhandelskaufmann, als Krankenpfleger. Und er schnupperte in eine Kindertagesstätte und eine Schülerbetreuung. Danach stand für ihn fest: "Das wird mein Beruf."

Eine Entscheidung, die außer ihm nur wenige Männer treffen. Nach Angaben des Hessischen Sozialministeriums waren im vergangenen Jahr gerade einmal 3,5 Prozent der Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen männlich. Ihr Anteil steigt zwar leicht, doch geht es nach Politikern, nach Wohlfahrtsverbänden, nach Fachleuten, sind es bei weitem nicht genug. Weil Kinder männliche und weibliche Bezugspersonen haben sollten.

"Jungs wollen sich auspowern, Fußball spielen, bis sie nicht mehr können", sagt David. Er und sein Kollege Sascha Stockmann sind dann mit Begeisterung dabei. "Männer machen nun mal andere Sachen mit den Kindern als Frauen", sagt Sandra Beilstein, Leiterin der Bärenhöhle. "Und es gibt eben auch Dinge, die ein heranwachsender junger Mann nicht mit einer Frau besprechen will." Sie lacht. Beilstein freut sich darüber, gleich zwei Männer im Team zu haben - sie hat sich dafür eingesetzt. "Ich finde das großartig, wenn sich Männer für diesen Beruf entscheiden."

Ungestört reden - für David fast unmöglich. Im Minutentakt rennen Kinder auf ihn zu. Shalin erzählt ihm stolz, dass sie schon all ihre Hausaufgaben erledigt hat, Tim überreicht ihm ein Bild, auf dem er mit brauner Farbe Blätter abgepaust hat. Und Ronja will ihn eigentlich überhaupt nicht mehr loslassen und hält seinen rechten Arm fest umklammert.

Kontakt mit Menschen, nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, Abwechslung - das waren Davids Anforderungen an seinen späteren Beruf. Und auf den Beruf des Erziehers, sagt er, treffe all das zu. "Man kann eigene Ideen auch gleich umsetzen - wenn man Lust hat, ein Fußball-Turnier zu veranstalten, dann macht man es eben einfach." Geld und Karriere - für David hat das bei seiner Entscheidung keine Rolle gespielt. "Das bringt ja auch nichts, wenn mir der Beruf dann keinen Spaß macht."

Doch Beilstein glaubt, dass es für viele Männer eben doch eine Rolle spielt. "Und die Klischees", fügt sie hinzu. "Ich denke, dass viele immer noch der Meinung sind, dass Erziehung eben Frauensache ist." Viele junge Männer hätten den Beruf nach dem Schulabschluss auch gar nicht auf dem Schirm. Beilstein hofft allerdings, dass sich das mit der Zeit ändert. "Dadurch, dass Herr Stockmann schon sechs Jahre bei uns arbeitet, ist es für unsere Schüler eigentlich völlig normal, dass Männer auch Erzieher sind." Und Stockmann will mit seinen tätowierten Armen auch dem Softie-Image, das Erziehern oft anhängt, so gar nicht entsprechen.

Seine Berufswahl hat für David einen enormen Vorteil: Er wird keine Probleme haben, später einen Job zu finden. Erzieher - vor allem männliche - werden händeringend gesucht. "Bisher hat es immer gereicht, eine Bewerbung loszuschicken", sagt David. "Es hat immer gleich geklappt."

© Südhessen Morgen, Samstag, 22.09.2012

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