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Verkehrserziehung: Schüler der Bürstädter EKS lernen Gefahren rund ums Busfahren kennen

Lange „Nase“ räumt Pylon ab

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 19.12.2012

Von unserer Mitarbeiterin Jutta Fellbaum

Großes "Aha" bei den Schülern: Wer vor dem weißen Strich gestanden hätte, wäre genauso umgefahren worden, wie der Pylon. Busfahrer Holger Ritschdorff erklärt, warum sein Gefährt so weit ausholen muss.

© Fell

Bürstadt. Auch richtiges Busfahren will gelernt sein. Was von außen so einfach aussieht - warten, einsteigen, hinsetzen und am Zielort wieder aussteigen - kann einige Gefahren bergen. Das erfuhren die Fünftklässler der Bürstädter Erich Kästner-Schule.

Die Kinder erhielten auf Einladung der Schule Besuch von Kraftverkehrsmeister Holger Ritschdorff, der täglich für das Busreiseunternehmen Müller hinter dem Steuer sitzt. Der kompetente Fachmann, der Busfahren als eine "tolle Sache" bezeichnete, klärte die Kids nicht nur theoretisch auf, sondern nahm sie auch mit an die Bushaltestelle vor dem Schulgelände. Hier wartete sein großer, silberner Reisebus. "Ihr müsst schon beim Warten gut aufpassen" erklärte der freundliche Experte. Und er führte sogleich vor, warum das so ist. Er steuerte das große Fahrzeug einmal rund um den Parkplatz und fuhr auf den Halteplatz zu. Vorsorglich hatte er an der dort weiß eingezeichneten Linie Pylonen aufgestellt. Mit sichtlichem Erstaunen registrierten die Schüler, wie die "Nase" des Busses weit in den Wartestreifen hineinragte. Ehe sie sich versahen, fielen auch schon zwei der Pylonen um. "Seht ihr, was geschieht?", lautete die Frage des Busfahrers. "Jeder Schüler, der sich in diesem Bereich aufhält, würde vom Bus unweigerlich erfasst."

Doch nicht nur diese Gefahr lauert auf die jungen Busnutzer. Mit dicken Jacken bekleidet, dem Schulranzen auf dem Rücken, durften sie in den Bus klettern. Schnatternd, lachend und auch mal dem Kumpel einen Schubs verpassend, dauerte das Hinsetzen. Langsam setzte sich der Bus in Bewegung. Doch ehe sich die Kinder richtig auf die Anfahrt einstellen konnten, trat Holger Ritschdorff unvermittelt auf die Bremse. Obwohl die Fahrgeschwindigkeit nur etwa 15 Stundenkilometer betrug, wurden die Passagiere nach vorn gedrückt. "Das Abbremsen bei einer Beschleunigung stellt den größten Energieabbau dar", erklärt Ritschdorff den erstaunten Schülern. Deshalb ist die wichtigste Regel: "Erst einmal sicheren Halt suchen." Denn nicht immer haben alle Schüler einen Sitzplatz.

"Man braucht gute Nerven für den Job", sagte der Mann aus der Praxis und lachte. So appellierte er auch an die Kinder, während der Fahrt wenig Lärm zu machen. Schließlich soll die Konzentration des Fahrers erhalten bleiben.

Die Busschulung ist ein Baustein des Projektes "Sichere Schule" und wird von Lehrerin Christine Weber betreut. Dazu gehört auch, dass Schüler ab der achten Klasse zu Schulweg-Begleitern ausgebildet werden.

Für Katie Hauptmann, der Pädagogischen Leiterin der EKS, sind diese Maßnahmen auch Garant dafür, dass "entspannt im Bus fahrende Kinder in einer entspannten und stressfreien Lernatmosphäre" viel besser lernen können.

Eines nahmen die Kinder mit: Wenn sie sich so verhalten wie sie es von Holger Ritschdorff gelernt haben, dann kommen sie auch immer sicher an.

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 19.12.2012

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