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Grünflächenmanagement: In der Vegetationszeit kann die Stadtgärtnerei die Arbeit nicht stemmen / Bürgermeister Haag will eine weitere Saisonkraft einstellen

Wenn Bürstadts Blüten blühen . . .

Archiv-Artikel vom Freitag, den 05.10.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Corina Merkel

Haben vor allem im Frühjahr und im Sommer viel zu tun: Ein Mitarbeiter der Stadtgärtnerei mäht den Rasen vor dem Bürstädter Rathaus.

© mek

Bürstadt. Die Stadt weiß um ihr Problem mit den grünen Flächen. Dass die Stadtgärtner an manchen Tagen mit der Pflege nicht mehr nachkommen. Dass es immer mehr Grünflächen in Bürstadt gibt, aber das Personal nicht aufgestockt wird. Deshalb will Bürgermeister Alfons Haag im nächsten Jahr 20 000 bis 30 000 Euro mehr Geld im Haushalt für Grünflächen bereitstellen. Und eine Saisonarbeitskraft mehr einstellen. "Ich hoffe, dass die Stadtverordneten mir in diesem Vorhaben folgen", sagte er im Gespräch mit dem "Südhessen Morgen".

Jürgen Rückert, Leiter der Stadtgärtnerei, freut sich: "Ich finde, dieses Vorhaben geht in die richtige Richtung." Dieses Jahr sei viel Arbeit angefallen. "Das liegt daran, dass die Wachstumsphase so lange ging", erklärt er. Weil das Wetter so schwül war, seien die Pflanzen über einen längeren Zeitraum stetig gewachsen. "Das bedeutet für uns mehr Arbeit." Hinzu kam, dass der Kindergarten Villa Kunterbunt eine neue Außenanlage bekommen hat. "Da waren drei bis vier Mitarbeiter drei Monate lang beschäftigt", sagt Rückert, "deshalb blieb die Arbeit dann an anderer Stelle liegen".

Im Jahr gebe es bestimmte "Spitzen", Momente, in denen sich die Arbeit häuft, erklärt Rückert. "Diese Spitzen haben wir versucht abzudecken, indem wir manche Aufgaben auch an externe Gärtnereibetriebe abgegeben haben", sagt Haag. So beispielsweise den Kreisel in Bobstadt, die Grünanlage Im Röschen und die Pflege der Grünflächen im Sonneneck. "Die Grundlast sollen schon die eigenen Leute tragen, aber was sie nicht schaffen, vergeben wir an Externe", sagt Haag.

Jost: "Alle Kräfte aktiviert"

Um die großflächigen Gebiete wie etwa das rund um die Glücksbaumallee, die Chausseeallee in Bobstadt, die Streuobstwiesen oder die Alte B 47 kümmern sich zum Teil auch die Landwirtschaftliche Pflegegemeinschaft, der Wasserverband Bürstadt und die Landwirte, sagt der Umweltbeauftragte Micha Jost. "Um die Flächen zu pflegen, haben wir bereits alle Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, aktiviert", sagt Jost.

"Beschwerden von Einwohnern gibt es schon immer, jedes Jahr", betont Rückert. An die eine oder andere Fläche kämen die Mitarbeiter eben seltener hin, ab und zu werde eine Wiese auch mal vergessen. "Aber wenn sich die Leute beschweren, steht die Fläche bei uns meist schon längst im Mähplan, und am nächsten Tag ist die Sache erledigt."

Doch eines ist Haag klar: "Wir haben ein Problem, und zwar ein strukturelles, keines, das nur in diesem Jahr besteht", betont er. "Denn die Arbeit wächst stetig, weil eben auch Bürstadt Jahr für Jahr wächst", sagt Rückert. Und schließlich sei es ja auch schön, dass es so viele Grünflächen in Bürstadt gibt. "Wir wollen doch auch keine Betonwüste sein." Wo die Einwohnerzahl stetig ansteige, es immer mehr Neubaugebiete gibt, sei die wachsende Anzahl an Grünflächen eben eine Begleiterscheinung, sagt Jost.

Doch auch, wenn dieser Faktor mir einkalkuliert wurde: Ganz planbar sei die Natur eben nicht. "Wenn tropische Temperaturen herrschen, dann explodiert das Grünzeug, da können Sie gar nichts machen", bestätigt auch Rückert. "Aber uns gefällt es ja auch nicht, wenn die Bürger schimpfen", sagt der Bürgermeister. Eine Lösung des Problems ist laut Jost, die Pflegeintensität zurückzufahren, also die grünen Flächen so zu bepflanzen, dass sie beispielsweise weniger Wasser, weniger Düngemittel brauchen.

Management eine gute Sache

Das Grünflächenmanagement, das CDU und FDP beantragt haben, halten Haag, Jost und Rückert grundsätzlich für eine gute Sache. "Aber wenn ich für die Pflege der Grünflächen-Software einen halben Mitarbeiter bereitstellen muss, dann nicht", Haag ein. "Wenn das Ergebnis des Grünflächenmanagements ist, dass die Stadt zu viele Flächen und zu wenig Gärtner hat, brauchen wir dieses Management nicht", sagt Jost.

Wenn aber die Pflege der Flächen durch ein verbessertes Management für die Mitarbeiter einfacher werden würde, sei auch er dafür. "So sehe ich das auch", sagt Rückert, "meine Leute dürfen mit dem Management nicht mehr Arbeit haben als vorher".

Eine weitere Möglichkeit, die Pflege der Grünflächen zu verbessern, sieht Bürgermeister Haag darin, das Engagement der Bürger zu wecken. "Jeder könnte das städtische Grün vor seiner Haustüre selbst pflegen, anstatt sich bei der Stadt zu beschweren." Und Umweltbeauftragter Jost fasst zusammen: "Hacke statt Hörer" - also lieber zur Hacke greifen anstatt zum Telefon, um sich zu beschweren.

© Südhessen Morgen, Freitag, 05.10.2012

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