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Ausbildungsserie: Steffen Metzner macht eine Lehre zum Fachangestellten für Bäderbetriebe / Zuvor zwei Jahre lang keinen Lehrling gefunden

Ein echter Glücksfall für die Bäder

Archiv-Artikel vom Freitag, den 28.12.2012

Von unserer Mitarbeiterin Sarah Weik

Schuftet, wo andere ihren Spaß haben: Steffen Metzner, Azubi bei den Biedensand-Bädern.

© swk

Lampertheim. Als die Frist abgelaufen war, lagen genau zwei Bewerbungen auf dem Tisch von Jens Klingler. Gerade einmal zwei junge Männer wollten sich in Lampertheim zum Fachangestellten für Bäderbetriebe ausbilden lassen. Und der Bewerber, der schließlich die Zusage bekam, sagte dann auch noch ab. "Er hatte eine andere Ausbildungsstelle gefunden", sagt der Bäder-Chef und zieht die Schultern nach oben. Wieder standen die Lampertheimer Bäder ohne Auszubildenden da. Wie 2010, wie 2011.

Dann, einige Wochen später, trudelte doch noch eine Bewerbung ein. Von Steffen Metzner. Die Klingler als "Glücksfall" bezeichnet. Nicht nur, weil der 20-Jährige aus Lampertheim kommt und schon einige Mitarbeiter der Biedensand-Bäder kennt. Sondern vor allem, weil er bereits eine Ausbildung in der Tasche hat. Metzner ist gelernter Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Und natürlich ist der junge Lampertheimer vor allem auch deshalb ein "Glücksfall", weil er Lust hat auf den Beruf.

"Ich merkte schon während der Ausbildung, dass Anlagemechaniker nicht ganz mein Fall ist", sagt der 20-Jährige. "Ich wollte lieber nochmal was anderes anfangen - was mir mehr Spaß macht. Und nicht in 20 Jahren bereuen, dass ich's damals nicht gemacht hab'."

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Nach zweijähriger Berufserfahrung besteht die Möglichkeit, sich zum Meister für Bäderbetriebe (früher: Schwimmmeister) weiter zu bilden.

Voraussetzung für die Ausbildung ist der Hauptschulabschluss. Bezahlt wird nach Tarif.

Der Fachangestellte für Bäderbetriebe ist einer von elf verschiedenen Ausbildungsberufen der Stadt. Weitere sind: Bauzeichner, Erzieher im Anerkennungsjahr, Forstwirt, Diplom-Verwaltungswirt, Betriebswirt öffentliche Wirtschaft (Duale Hochschule), Kraftfahrzeugmechaniker, Maler, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, Verwaltungsfachangestellter, Landschaftsgärtner.

Insgesamt arbeiten derzeit 14 Auszubildende bei der Stadt.

Regelmäßig ist die Stadt bei Jobbörsen vertreten, sie bietet auch Praktika in fast allen Bereichen an. "2012 hatten wir bisher 89 Schülerpraktikanten", sagt Stephan. "Und die tauchen auch immer mal wieder als Bewerber auf." swk

Da die Lehrstelle noch ausgeschrieben war, bewarb er sich, wurde eingeladen, machte ein einwöchiges Praktikum und seit Anfang Dezember ist er nun Azubi in den Biedensand-Bädern.

"Bei der Suche nach Auszubildenden waren die Bäder schon immer ein schwieriger Bereich", sagt Klingler. Denn über Bewerbermangel kann sich die Stadt Lampertheim als Arbeitgeber eigentlich nicht beklagen. "Bei den Verwaltungsfachangestellten kommen 70 Bewerbungen auf eine Stelle, bei den Landschaftsgärtnern sind es 13", berichtet Kai Stephan von der Personalentwicklung. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge lasse die Zahl der Bewerber zwar insgesamt etwas nach, doch die Auswahl sei nach wie vor sehr gut. Außer bei den Bädern.

Auch an Feiertagen im Dienst

"Es sind die Arbeitszeiten", ist Klingler überzeugt. Arbeiten am Wochenende, im Sommer, in der Ferienzeit und immer wieder im Schichtbetrieb. "Da geht es morgens schon mal um 6.30 Uhr los und abends kann es auch mal 22.30 Uhr werden." Und arbeiten, während vor der Nase die Freunde ihren Spaß haben, ist eben auch nicht jedermanns Sache.

Metzner stören die Arbeitszeiten nicht. Er freut sich, dass er nun direkten Kontakt mit Menschen hat und viel draußen arbeitet. "Im Sommer wird man so wenigstens schön braun." Er lacht. Und auch die technische Seite seiner Arbeit schreckt ihn nicht ab. "Da kann ich die Kenntnisse aus meiner ersten Ausbildung gut einbringen."

Die Punkte Chemiekenntnisse und technisches Verständnis kann Metzner also schon mal abhaken. Klingler zählt auf, was ein Fachangestellter für Bäderbetriebe sonst noch mitbringen sollte: "Erste Hilfe und Lebensrettung sollten einem keine Angst machen. Und man muss mit Menschen umgehen können. In jeder Lebenslage, in jedem Alter." Da wäre etwa die Rentnerin, die in der Sommerhitze umkippt, oder das Kind, das die Mutter nicht mehr finden kann. "Man sollte auch nicht völlig unsportlich sein", fügt Klingler noch hinzu. Schließlich ist auch Schwimmunterricht Teil der Ausbildung. "Richtig gut", findet das Metzner. Der 20-Jährige ist sportbegeistert, spielt Fußball beim TV Lampertheim und trainiert eine Jugendmannschaft. Für ihn hat sein neuer Beruf eigentlich alles zu bieten, was er sich wünscht.

Und die Chancen auf eine Übernahme sind gut. "Alle, die derzeit bei den Bädern arbeiten, haben auch ihre Ausbildung dort gemacht", sagt Klingler.

© Südhessen Morgen, Freitag, 28.12.2012

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