Auswanderer:
Lampertheimer Familie lebt seit 2008 in der Dominikanischen Republik / Rückkehr nach Deutschland kommt nicht infrage
Nie mehr Schneeschippen dank Haus in der Karibik
Von unserer Mitarbeiterin Bärbel Jakob
Lampertheim.
Bei dem derzeitigen Wetter wünscht sich so mancher, es den Zugvögeln nachmachen und zumindest den Winter in wärmeren Gebieten verbringen zu können. Die Lampertheimer Manfred und Andrea Kellermann haben sich diesen Traum im Januar 2008 erfüllt. Sie leben heute mit ihren Söhnen in der Dominikanischen Republik.
Im Gegensatz zu vielen anderen Auswanderern, die gescheitert zurückkehrten, haben die Kellermanns dort Fuß gefasst. Sie wohnen im 300-Seelen-Ort Loma de la Pina auf der Halbinsel Samaná. Die Anfänge waren jedoch nicht leicht: Zunächst lebte die Familie in einer Mietwohnung in Santa Barbara de Samaná, zwölf Kilometer von ihrem heutigen Zuhause entfernt. Kaum hatten sie ein Grundstück für ihre Ferienanlage gekauft, wollten es die Vorbesitzer wieder zurück. "Wir kannten uns mit dem Rechtssystem nicht richtig aus, konnten niemandem trauen, noch nicht einmal unserem Anwalt", erinnert sich Manfred Kellermann. Auch als ihre Geschäftsidee langsam Früchte zu tragen begann, habe man versucht, die Neuauswanderer mit "mafiaähnlichen Methoden" auszunehmen.
Baumeister verschwunden
In Lampertheim betrieb Manfred Kellermann einen Dienstleistungsservice. Seine handwerklichen Kenntnisse kamen ihm zugute, als der Baumeister, der ihr Haus errichten sollte, nach vier Monaten einfach nicht mehr kam. Zuvor hatte er eine Gehaltserhöhung verlangt, diese aber nicht bekommen. Den Rest der Arbeit vollendete die Familie daraufhin in Eigenregie.
An Aufgeben dachten sie nie, sagen sie. Der Zusammenhalt in der Familie, das gegenseitige Vertrauen, sagt Manfred Kellermann, habe ihnen Halt gegeben und sie daran gehindert, das Handtuch zu werfen.
Zwei Jahre lang kämpften alle vier hart für ihre neue Existenz - mit Erfolg: Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Die Kellermanns bewohnen nun ihr eigenes Haus mit Swimming-Pool und vermieten Appartements an Urlauber. Andrea kümmert sich um die Gäste. Der 14-jährige Jan und der sechsjährige Tim besuchen eine Privatschule, wachsen dreisprachig auf. Manfred Kellermann hat inzwischen in Samaná, wo er seine Tauchschule führt, ein Büro eröffnet und unternimmt Ausflüge mit den Besuchern. Besonders beliebt seien Tauchgänge zu einer versunkenen Fähre, an der es viele Fische gibt.
Einkäufe erledigen die Kellermanns in Santa Barbara de Samaná oder im 35 Kilometer entfernten Las Terrenas. Für einige Einkäufe aber fahren sie 180 Kilometer in die nächste Großstadt.
"Das Gesundheitssystem ist im Grunde recht gut", erzählt Manfred Kellermann, "wir haben hier internationale Privatkliniken und auch einen guten Zahnarzt." Privatversicherungen seien bei weitem nicht so teuer wie in Deutschland. Dennoch: "Die Hygiene wird teilweise sehr vernachlässigt", sagt er, "in manche Toiletten kann man echt nicht reingehen." Aids sei weit verbreitet, auch Denguefieber und Malaria treten bisweilen auf. In Haiti, dem westlichen Teil der Karibik-Insel Hispaniola, gab es Cholerafälle, vereinzelt auch in der Dominikanischen Republik. Hurricanes haben die Kellermanns zwar auch schon erlebt, ihr Haus blieb aber unversehrt.
Schneeschippen stehe bei ihm definitiv nicht mehr an, sagt Manfred Kellermann. Ganzjährig haben sie Wassertemperaturen über 25 Grad. Manches jedoch vermisst die Familie, etwa die Eisdiele Oberfeld und Café Schmerker in Lampertheim, ein griechisches Restaurant oder auch eine Dönerbude. Zurückkehren kommt für sie dennoch nicht infrage. Andrea und Manfred Kellermann wollen irgendwann ihren Lebensabend in der Dominikanischen Republik verbringen.
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