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Biedensandschule: Positive Zwischenbilanz des Gewaltpräventionsprojekts „Faustlos“

Vom Umgang mit Ärger und Wut

Archiv-Artikel vom Freitag, den 01.06.2012

Von unserer Mitarbeiterin Bärbel Jakob

Lehrerin Sandra Schwarz mit einer dritten Klasse vor Plakaten des "Faustlos"-Projekts.

© Ja

Lampertheim. Beim Projekt "Faustlos" lernen die Teilnehmer nicht, wie sie bei Prügeleien die beiden Streithähne am besten trennen. Es ist vielmehr ein Präventionsprogramm, das verhindern soll, dass es überhaupt so weit kommt. Seit rund zehn Monaten ist es auch an der Lampertheimer Biedensandschule Bestandteil der pädagogischen Arbeit.

Projektleiter Tobias Tremper zog jetzt eine erste, durchaus positive Bilanz. Als Grundlage diente dazu das amerikanische Konzept Second Step, das Professor Dr. Manfred Cierpka vom Heidelberger Universitätsklinikum für deutsche Kindergärten und Grundschulen weiterentwickelt hatte.

Empathie empfinden

Rund 40 Biedensandschüler von der ersten bis zur fünften Klasse lernen dadurch nun Fähigkeiten wie Empathie, das Sichhineinfühlen in andere Menschen, Impulskontrolle sowie Umgang mit Ärger und Wut. Mit Hilfe von Fotos bestimmter Situationen werden die Kinder an ein Thema herangeführt. Gemeinsam wird mit ihnen erarbeitet, was da gerade passiert und was die Beteiligten wohl empfinden. Das Heidelberger Präventionszentrum begleitet das Projekt "Faustlos" auch wissenschaftlich und führt dazu Fortbildungen durch.

Neben der Gewaltprävention werden auch allgemeine soziale Verhaltensregeln erlernt, die heute in vielen Familien nicht mehr selbstverständlich praktiziert werden. Die Kinder erfahren etwa, wie sie eine Gesprächspause nutzen, um jemanden höflich zu unterbrechen, anstatt ihm einfach ins Wort zu fallen, erläutert Tremper. Weiter werde gezeigt, wie man Kritik als Ich-Botschaft netter und weniger verletzend formuliert. Auch das Miteinander-Teilen müsse oft erst erlernt werden. Durch eine bestimmte Körpersprache könne man jemandem zu verstehen geben kann, dass man jetzt nicht gestört werden wolle, etwa weil man gerade Hausaufgaben mache. Den Erfolg eines solchen Projektes könne man nicht anhand bestimmter Statistiken belegen, erklärt Tremper, sondern nur an einer allmählichen Änderung bestimmter Verhaltensmuster. Ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen könne. Doch er habe festgestellt, dass sich die Kinder jede Woche auf ihre Stunde "Faustlos" freuten.

Beim Fußballkicker, dessen Nutzung oft mit Streit einhergehe, weil jeder gleichzeitig damit spielen wolle, erkundigte sich kürzlich ein Junge in ruhigem Ton, ob er auch mitmachen dürfe. Und die anderen Kinder erklärten ihm ebenso höflich, dass es im Moment zwar nicht passe, er aber etwas später einsteigen könne. Für Projektleiter Tobias Tremper ein kleiner, aber dennoch denkwürdiger Fortschritt, wie er gestern erfreut berichtete.

© Südhessen Morgen, Freitag, 01.06.2012

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