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Lessing-Gymnasium: 125 Schüler bestehen das Abitur

„Wir leben in attraktivem Umfeld“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 29.05.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke

Lampertheim. Versteinerte Mienen hier, lachende Gesichter dort. Eine Schülerin drückt ihrer Freundin eine Armbanduhr in die Hand und lacht: "Danke! Das war die erste Prüfung, bei der ich eine Uhr dabei hatte," ruft sie. Weiße Zettel, auf denen die Abiturnoten eingetragen sind, wechseln die Hände. Staunen und Raunen. Umarmungen, Jubelschreie, auch Schulterzucken.

Für den einen eine Höllenqual, für den anderen ein Kinderspiel: In den vergangenen Tagen standen für die Lessing-Schüler in Lampertheim die mündlichen Abiturprüfungen auf dem Stundenplan. Für 125 von 128 Schülern ist das Abitur erfolgreich zu Ende gegangen. Für 31 von ihnen sogar mit einem Notendurchschnitt besser als 2,0.

Durchatmen und Feiern

Jetzt also ist bei ihnen Durchatmen angesagt. Partys stehen an: im privaten Umfeld, im Jahrgangsstufenverbund, in der Schule - etwa beim Abisturm oder bei der feierlichen Übergabe der Zeugnisse am kommenden Donnerstag. Ihre Mitschüler, die es in diesem Jahr nicht geschafft haben, können das Schuljahr wiederholen oder ein einjähriges Praktikum machen und damit das Fachabitur erlangen. Insgesamt ist Schulleiter Jürgen Haist sehr zufrieden: "Das ist eine sehr gute Quote, wirklich schön", sagte er gestern.

Nach dem Abitur steht den jungen Leuten die Welt offen - aber gleichzeitig haben sie die Qual der Wahl: Studium? Duales Studium? Uni? Hochschule? Ausbildung? Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr? Praktika, Auslandserfahrung oder einfach mal Pause? Wir haben uns mal auf dem Schulhof des Lampertheimer Lessing-Gymnasiums umgehört.

Erst in dieser Woche hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden veröffentlicht, dass junge Leute in Deutschland ihr Elternhaus früher verlassen als in den meisten EU-Ländern. Aber einige der gerade 18-, 19- und 20-jährigen Lessing-Schüler haben keine Zweifel daran, dass sie - zumindest erstmal - zu Hause bleiben.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier in einem attraktiven Umfeld leben", betont Schulleiter Haist. Gerade Mannheim werde immer beliebter, auch in Hinblick auf das Duale Studium. "Es ist nicht weit nach Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt oder Mainz", ergänzt er. Alles sei von hier aus erreichbar. Für die Absolventen ist es "günstig und bequem" und es sei letztendlich auch eine Frage der Ökonomie. "Das Studentenleben ist ja nicht ganz billig." Aus ökonomischer Sicht sei es verständlich und nachvollziehbar, wenn junge Leute, die in der Region studierten, zu Hause wohnen bleiben. Persönlich, so Haist, finde er es schon sinnvoll, wenn "sie irgendwann aus dem Nest raugeschubst werden". Er weiß aber auch, dass frühere Schüler bei Ehemaligentreffen "aus allen Herren Ländern" nach Lampertheim kommen.

Für den Schulleiter und sein Team ist nun ebenfalls Durchatmen angesagt - aber nur kurz, denn auf das LGL-Kollegium wartet eine große Herausforderung: Im kommenden Jahr machen - wegen der Verkürzung der Schulzeit - 250 Schüler Abitur. "Wir schwitzen jetzt schon", sagt Haist ob dieser logistischen "Herkulesaufgabe".

© Südhessen Morgen, Dienstag, 29.05.2012

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