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Ausbildung:

Nachwuchs verzweifelt gesucht

Die Bäckerei Schmidt in Lampertheim sucht einen Auszubildenden – bisher erfolglos / Fachkräftemangel

Von unserem Redaktionsmitglied Sarah Weik

Süßes zum Schluss. Nach sieben Stunden in der Backstube – gegen 10 Uhr – widmet sich Jakob Schmidt den Kuchen und Torten. Im Regal gleich rechts warten Haselnusstorten und russische Apfelkuchen darauf, dass ihre Schoko-Glasur trocken wird. Schmidt verpasst einer Geburtstagstorte einen Creme-Anstrich. Es riecht nach Nüssen, nach Schokolade, nach frischem Brot. Und in Gedanken ist der Finger längst in die samtige Creme getaucht, die Geselle Thorsten Brühl gerade mit geschmolzener Konfitüre hellbraun einfärbt.

Leckerer Beruf: Bäcker Jakob Schmidt bereitet eine Geburtstagstorte vor.

© MM Weik Sarah

Lampertheim. Es ist sein Traumberuf, sagt Brühl. Vor zehn Jahren hat der 30-Jährige als Auszubildender bei Schmidt angefangen. "Ich wollte immer mit Lebensmitteln arbeiten - Koch wäre noch eine Alternative gewesen." Er hat sich für den Beruf des Bäckers entschieden - und seine Entscheidung nie bereut.

Eigentlich sollten sie zu dritt in der Backstube der Bäckerei in der Wormserstraße in Lampertheim stehen. Schon seit einiger Zeit. Zum 1. August wollte Schmidt einen neuen Auszubildenden einstellen. Daraus wurde nichts. "Einer hat mal eine Woche lange Probe gearbeitet und dann gesagt, dass es nichts für ihn ist", berichtet Schmidt. Eine weitere Bewerberin, aus Mannheim, hat am dritten Tag angerufen, dass Sie ihren Zug nicht bekommen hat. "Dabei ist es dann geblieben." Schmidt zieht die Schultern hoch.

"Es ist sehr schwierig zurzeit", sagt Siegfried Gebhardt aus Bürstadt, Obermeister der Bäckerinnung des Kreises Bergstraße. "Das Bäckerhandwerk war bei jungen Menschen ja noch nie so richtig beliebt, aber momentan ist es ganz schlecht." 2005 gab es in Deutschland nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks noch 34 753 Bäckerlehrlinge. Im vergangenen Jahr waren es noch 29 808. Das hat natürlich auch mit dem Sterben der Bäckereien zu tun. Aber nicht nur. Mit voller Wucht hat der Fachkräftemangel das Lebensmittelhandwerk erreicht. Auch den Metzgern gehen die Lehrlinge aus. "Es gibt mittlerweile sogar Überlegungen, Jugendliche aus Spanien anzuwerben", erzählt Gebhardt.

Das große Problem der Branche sind die Arbeitszeiten - da sind sich Schmidt und Gebhardt einig. Der Lampertheimer steht normalerweise um 2.30 Uhr nachts auf. Um 3 Uhr kommt Geselle Thorsten Brühl. "Das ist für viele Jugendliche schon abschreckend", weiß Schmidt. Hinzu kommt, dass viele Bäckereien auch sonntags geöffnet haben. Schmidt selbst wehrt sich jedoch dagegen. "Wir brauchen ja auch unsere Ruhetage." Schließlich sei der Beruf durchaus auch körperlich anstrengend. "Aber man ist immer im Warmen!", betont Gebhardt und lacht. Aber zu warm werde es nie, fügt er noch hinzu. " "Wenn es im Sommer mittags so richtig heiß ist, hat man ja schon Feierabend und kann sich an den See legen, während die anderen noch arbeiten."

Befriedigende Handarbeit

Die Arbeitszeiten haben eben auch ihre Vorteile. Aber natürlich nicht nur deshalb liebt Gebhardt seinen Beruf. "Man sieht am Ende des Arbeitstages genau, was man geschafft hat und kann sein Produkt anfassen." Überhaupt sei es sehr befriedigend, mit den Händen zu arbeiten, sagt der Bäcker, und den Prozess von den einzelnen Zutaten bis zum Brötchen oder zum Kuchen zu begleiten. Und auch Kreativität ist gefragt. Für Geburtstags- oder Hochzeitstorten. Abwechslung bringen auch die Jahreszeiten. Gebäck an Weihnachten, "Quetsche"-Kuchen im Herbst. "Es ist nie dasselbe - jeder Tag ist anders", sagt Schmidt. Und schließlich gibt es kaum einen Beruf, bei dem es während der Arbeit so verführerisch riecht.

Montag, 22.10.2012

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