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Menschen in Viernheim: Dr. Stephan Schmidt arbeitet für internationales Ärzte-Netzwerk Ocularis und operiert Patienten in Mosambik

Augenarzt bietet Grauem Star die Stirn

Von unserem Mitarbeiter Bernd Karl

Das Operationsteam während (links oben) und nach der Arbeit (unten). Dr. Stephan Schmidt (rechts) untersucht einen Patienten.

©  oh

VIERNHEIM. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara gibt es sechs Millionen blinde Menschen. 3,6 Millionen von ihnen sind durch den Grauen Star erblindet, der in weiter entwickelten Ländern schon lange geheilt werden kann. Alleine in Mosambik sind 150 000 Menschen von Blindheit gezeichnet. Eine weitere halbe Million leidet dort an Augenkrankheiten, die in den Industrieländern heilbar sind.

Das internationale Ärztenetzwerk Ocularis hat sich zum Ziel gesetzt, den medizinischen Standard der Augenheilkunde in Mosambik in Form eines langjährigen Projektes zu verbessern. Der in Viernheim praktizierende Augenarzt Dr. Stephan Schmidt war vor kurzem mit einem Ocularis-Team für zwei Wochen vor Ort, um dringende Operationen durchzuführen und einheimische Ärzte weiterzubilden.

Die politische Lage im Land hat sich seit dem Ende des verheerenden Bürgerkriegs vor 20 Jahren stabilisiert, wobei die demokratischen Verhältnisse und Verwirklichung der Menschenrechte noch zu wünschen lassen. Letzteres gilt auch für die medizinische Versorgung: Auf zwei Millionen Einwohner kommt ein Augenarzt. Deshalb arbeitet die Regierung gerne mit der gemeinnützigen Organisation Ocularis zusammen, die ihren Sitz in Barcelona hat.

In der Praxis sieht die Hilfe so aus, dass zehnmal im Jahr ein Ärzteteam für jeweils zwei Wochen in die Hauptstadt Maputo reist. Diese Teams bestehen aus Fachärzten, Krankenschwestern und Augenoptikern. Die Ärzte haben sich auf die Behandlung von Grauem und Grünem Star, Netzhauterkrankungen, plastische Chirurgie am Auge sowie Augenheilkunde für Kinder spezialisiert. Die Teams werden so zusammengestellt, dass bei jedem 14-tägigen Aufenthalt eine bestimmte Fachrichtung abgedeckt ist.

Ein erfahrener Augenarzt leitet die Gruppe, ihm stehen je nach Bedarf ein weiterer Facharzt oder eine OP-Schwester und ein Augenoptiker zur Seite. Dr. Schmidt nahm jetzt erstmals an einem Aufenthalt am Zentralhospital in Maputo teil. Er traf dort auf den Ocularis-Präsidenten Dr. Joan Prat Bartomeu, der das Team der plastischen und rekonstruktiven Lidchirurgie leitete.

Bartomeu ist Direktor am Institut für Augenheilkunde der Provinz Barcelona und engagiert sich seit über acht Jahren bei Ocularis. Mit ihm kamen dieses Mal ein weiterer Facharzt als Spezialist für die Behandlung von Kindern sowie eine OP-Schwester und eine Augenoptikerin aus Katalonien. Während ihres zweiwöchigen Aufenthalts konnten die Mediziner aus Spanien und Deutschland 30 Patienten operieren. Bevor es allerdings soweit war, mussten viel mehr Patienten zunächst untersucht und eine Reihenfolge der Operationen festgelegt werden.

Vorrang für Schmerzpatienten

Anschließend wurden pro Tag vier Operationen durchgeführt, wobei Kinder und Patienten mit akuten Schmerzen Vorrang hatten. Leider konnten nicht alle Fälle behandelt werden, ein Teil der Patienten musste bis zur Ankunft des nächsten Ärzteteams aus Europa warten. Deshalb gilt bei Ocularis auch das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe": Bei allen Untersuchungen, Behandlungen und Operationen assistieren zwei einheimische Ärzte, diesmal Dr. Tiago Arrruga und Dr. José Moises. Sie führten viele Eingriffe unter der Anleitung von Dr. Bartomeu und Dr. Schmidt eigenständig durch, damit sie die komplizierten Operationen langfristig selbst beherrschen. Die in Mosambik ausgebildeten Mediziner werden auf diese Weise über mehrere Jahre betreut, denn vorrangiges Ziel des Projektes von Ocularis ist die Nachhaltigkeit der Versorgung.

Bei den jetzt operierten Krankheiten handelte es sich um angeborene Fehlstellungen von Augenlidern oder vernarbte Lidfehlstellungen nach Entzündungen. Durch HIV-Infektionen verursachte Tumore und durch mangelhafte Hygiene hervorgerufene Hornhautentzündungen wurden ebenso behandelt. Dabei mussten die Ärzte auch in der Klinik unter schlechten hygienischen Bedingungen arbeiten, obwohl das Zentralkrankenhaus in Maputo die größte medizinische Einrichtung des Landes mit allen Fachrichtungen ist. Das Ocularis-Team hatte sich jedoch aus Erfahrung auf diese Zustände vorbereitet und brachte sowohl OP-Instrumente als auch Verbrauchsmaterial mit.

Extreme Herausforderungen

Stephan Schmidt betrachtet diese besonderen Herausforderungen positiv für beide Seiten: Während die afrikanischen Kollegen vom Know-how der europäischen Spezialisten profitieren, wird das Ocularis-Team regelmäßig mit zum Teil extremen medizinischen Herausforderungen konfrontiert.

Hierdurch werden im Gegenzug die chirurgischen Kompetenzen des Ärzteteams bereichert. Der Aufenthalt bedeutete für Dr. Schmidt in vielfacher Hinsicht einen persönlichen und medizinischen Gewinn, so dass er sein Engagement in Zukunft jedes Jahr mit einem Aufenthalt in Mosambik fortsetzen möchte.

© Südhessen Morgen, Freitag, 04.01.2013

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