Menschen in Viernheim:
Philipp Winkenbach ist mit 21 Jahren jüngstes Vorstandsmitglied des Männergesangvereins Liederkranz
Junger Sänger begeistert alte Hasen
Von unserem Redaktionsmitglied Corina Merkel
Jugendliche für den Gesang begeistern: Das hat sich Philipp Winkenbach vorgenommen.
© Kreutzer
Viernheim.
Einfach mitgeschleppt haben sie ihn, seine Arbeitskollegen. In die Singstunde des Männergesangvereins Liederkranz. Hier zählen die aktiven Mitglieder mit 45 Jahren noch zur Jugend. Philipp Winkenbach ist 21 Jahre alt - und bereits Leiter der Jugendabteilung. Er zuckt mit den Schultern: "Ich mach das einfach, weil's mir Spaß macht."
Dass es außer ihm nur einen Sänger gibt, der etwa in seinem Alter ist, das ist dem 21-Jährigen egal. Vielmehr ist Philipp Winkenbach stolz darauf, dass er erst seit drei Jahren im Verein ist und schon die Jugendabteilung leitet.
900 Mitglieder hat der Liederkranz, davon sind gerade einmal 60 aktive Sänger, etwa zehn davon gehören zur Jugendabteilung. Wie viele andere Männergesangvereine sucht auch der Liederkranz dringend Nachwuchs.
"Viele Jugendliche haben heute einfach andere Interessen, als in einem Verein zu singen", sagt Winkenbach. Handball oder Fußball spielen etwa, Schwimmen oder Basketball, Karate oder Tennis. Singen sei da einfach nicht so angesagt. "Und bei der großen Auswahl an Vereinen in Viernheim entscheidet sich kaum jemand für einen Männergesangverein."
Und warum ist Philipp Winkenbach mit gerade einmal 18 Jahren in den Verein eingetreten? "Die Gemeinschaft im Gesangverein ist einfach toll, hier trifft man viele Freunde, kann erzählen, und das Singen macht auch Spaß."
2009 hat Winkenbach nach dem Realschulabschluss an der Alexander-von-Humboldt-Schule eine Ausbildung bei der Dreherei Kempf in Viernheim angefangen. Die hat er mittlerweile beendet, danach wurde er übernommen. Seit 2012 ist Winkenbach Jugendleiter beim Liederkranz. Viele seiner Wochenenden hat er für den Verein geopfert - freiwillig, wie er betont. "Der Philipp, ja, der macht bei uns schon sehr viel", lobt auch erster Vorsitzender Werner Sindermann den Jungsänger.
Denn Winkenbach organisiert nicht nur die Veranstaltungen für die jungen Sänger, sondern hilft auch bei Festen wie Tanz in den Mai, dem Oktoberfest oder der Straßenfastnacht fleißig mit. Auch den Fastnachtswagen hat er schon mit Hilfe einiger Vereinskollegen geschmückt, das Zeltlager für die Jugendabteilung ganz alleine auf die Beine gestellt. "Die Genehmigung geholt, Zelte und Garnituren organisiert, Essen und Trinken besorgt, das Geld eingesammelt", zählt er auf.
"Das bekomme ich schon hin"
Einige seiner Arbeitskollegen sind ebenfalls im Liederkranz aktive Sänger. Seitdem er seine Ausbildung beendet hat, hat Winkenbach andere Arbeitszeiten. Nun ist es schwieriger für ihn, Arbeit und Verein unter einen Hut zu bekommen. "Aber das kriege ich schon hin", ist sich der Jungsänger sicher. Bei seinen Arbeitskollegen funktioniere das ja immerhin auch.
Jeden Montag geht Winkenbach zur Singstunde in die TSV-Halle. Die Chordirektorin Edith Schmitt hat ihm die zweite Bassstimme zugewiesen. Während seiner ersten Singstunde habe er gleich mitsingen dürfen. Etwa zehn Auftritte bestreitet der Chor im Jahr - Freundschaftssingen und auch Wettsingen. "Wenn wir einen Auftritt hier in Viernheim haben, kommen meine Freunde fast immer vorbei und hören zu", sagt Winkenbach. Und das, obwohl die meisten seiner Kumpels eigentlich mit Singen nicht so viel am Hut haben.
Doch um genau diese Altersgruppe für den Männergesangverein zu begeistern, hat sich Winkenbach schon etwas einfallen lassen: Bei Veranstaltungen will er beispielsweise Flyer an junge Besucher verteilen. Außerdem plant er gemeinsam mit Chordirektorin Schmitt, eine junge Singgruppe zu etablieren. Die soll sich montags etwa eine halbe Stunde vor der regulären Singstunde in der TSV-Halle treffen. "Mal schauen, wie viele Jungsänger da mitmachen würden", sagt Winkenbach. Die neue Gruppe soll dann hauptsächlich modernere Lieder singen. Denn schließlich würden die meisten jungen Leute Volkslieder wie "Räuberlied" oder "Weinparadies" kaum noch kennen, sagt Winkenbach.
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