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Mittwoch, 22.05.2013

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Grafschaftsmuseum: Walter Kurtz referierte über den alten Eisenhammer im Haselbachtal

Zeugnis historischer Schmiedekunst

Geschickt wurden schon vor über 200 Jahren mit der Kraft des Wassers und den schweren Hammern verschiedene Werkzeuge hergestellt.

© FN

Der historische Eisenhammer im Haselbachtal.

© FN

Walter Kurtz referierte über den alten Eisenhammer.

© Beate Tomczak

Wertheim. Jeder Fluss hat seinen Ursprung und jedes Gebäude seine Geschichte - Walter Kurtz, Gesellschafter der Kurtz Ersa Gruppe, referierte am Mittwochabend im Grafschaftsmuseum über den Haselbacher Eisenhammer und die Wasserkraft, mit deren Hilfe seit 1779 aus Metall Werkzeuge und andere nützliche Gegenstände geschlagen werden. Der Vortrag war Abschluss der Veranstaltungsreihe "Wertheim am Wasser. Irgendwo ist's immer nass!"

Walter Kurtz fing mit seinem Vortrag an einer Stelle an, an der weit und breit kein Wasserwerk und keine Schmiede zu sehen ist: Der Quelle des Haselbachs. "Es ist ein schönes und seltenes Naturdenkmal", beschrieb Kurtz die Lage des Bachs inmitten von zwei Teichen, in denen früher auch Forellen gehalten wurden.

Doch der Schein trügt. Vieles, was idyllisch und unberührt aussieht, hat der Mensch schon verändert. So ist der Haselbach seit dem Bau der Autobahn in den 1960er Jahren starken Pegelschwankungen unterworfen und liegt nicht mehr in seinem ehemaligen Bett, um das Gelände landwirtschaftlich auf größerer Fläche nutzbar zu machen. "Man denkt immer, es sei die schöne Natur. Aber der Mensch hat viel korrigiert", so Kurtz.

Doch wie vor über 200 Jahren kommt der Haselbach schließlich am Eisenhammer an, der zwischen Hasloch und Michelrieth gelegen ist. Mit reiner Wasserkraft wurden früher auf nur 15 Kilometern Strecke von verschiedenen Mühlenbesitzern insgesamt 16 Wasserräder betrieben. Im historischen Eisenhammer befinden sich vier Exemplare, die die Aufwerf- und Schwanzhammer sowie das Gebläse antreiben können.

Eher ein Denkmal

Heute ist der Eisenhammer mehr Denkmal als Produktionsstätte, doch hat er einst das Aufstreben des Unternehmens Kurtz ermöglicht. Mit einer Schlagkraft von bis zu 700 Kilogramm donnerten die Hammer auf das schwere Eisen. Heraus kamen Schaufeln, Pflugschare und Pickel. Besonders erfolgreich war zu Kriegszeiten die Produktion von Wagenachsen, die für leichtere Fahrzeuge benötigt wurden. Auch Glockenklöppel wurden in Massen produziert.

Kurtz versicherte den Besuchern im voll besetzten Modersohnsaal, bei Wunsch könne man gerne noch den ein oder anderen Klöppel bestellen.

Kurtz gehört dem Familienunternehmen in Hasloch an, das aus dem alten Eisenhammer entstanden ist und nun schon in der sechsten Generation besteht. Als die letzte Generation den Betrieb übernahm, waren die Geräte abgenutzt und nicht mehr zu gebrauchen. Zuerst dachte man daran, den Eisenhammer zu entfernen, doch der Denkmalschutz verhinderte dies.

Deswegen entschied man sich dazu, das historische Werk zu sanieren und auf Sparflamme weiter zu betreiben. Dadurch konnten einige technische Besonderheiten erhalten werden.

Seltener Aufwerfehammer

Einen Aufwerfehammer wie im Haslocher Betrieb, der mit unglaublicher Kraft auf das zu bearbeitende Metall schlagen kann, gibt es nur sehr selten. "Da kenne ich eigentlich nur unseren eigenen", gab Kurtz zu. Nun hoffe er, dass die Geräte noch einige Jahre funktionieren werden und dass man - für den Fall, dass der ein oder andere Balken und Stahlträger das Zeitliche segnet - jemanden findet, der sich noch mit der alten Technik auskennt und sie wieder instand setzen kann.

So ist der Eisenhammer heute nicht nur Betriebsstandort, sondern auch historisches Zeugnis alter Schmiedekunst. bt

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 15.02.2013
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