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Sonntag, 26.10.2014

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Gemüse: Mervi Treiber und ihr Mann Albert bauen in der Friedrichsfelder „Tomatenlust“ alte, fast vergessene Sorten an

Die Tomatenflüstererin

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub

Tomatenlust pur: Mervi Treiber mit ihren gelben, roten und gestreiften Unikaten in all ihrer Formenvielfalt.

©  Rinderspacher

Mannheim. Sie heißen Zebra, Murmel, Honig oder Olympische Flamme. Manche sehen aus wie Paprika, Gurken oder Glühbirnchen, haben eine längliche, abgeflachte oder tief gefurchte Außenhaut, deren Farbe von Orange über Gelb-Grün-Gestreift bis zu Weiß und Schwarz reichen kann. Und doch haben sie zweierlei gemeinsam: Auch wenn es der erste Blick nicht gleich offenbart - es sind allesamt Tomaten. Alte, zum Teil fast vergessene Sorten, die Mervi Treiber mit ihrem Mann Albert in traditioneller Arbeitsweise kultivieren. Der Erhalt dieser Gemüseraritäten liegt der "Tomatenflüstererin" am Herzen: "Deshalb gibt es bei uns rot und rund nicht."

Tatsächlich sucht man solch ein Exemplar vergeblich in Mervis Sortiment. 75 verschiedene Sorten bauen die Treibers in ihrem Betrieb "Tomatenlust" an. Und jede hat ihre ganz eigene Form und charakteristischen Geschmack. Handtellergroße, gestreifte Ochsenherzen verströmen neben winzigen Wildtomaten ihr süßes Aroma, das Fruchtfleisch des gelb- und grün-geflammten Zebras erfrischt mit seiner zarten Säure, die kasachische Eiertomate glänzt schwarz neben goldgelben Birnchen und leuchtend orangefarbenen Ananastomaten, und die Weiße Schönheit macht nicht nur ihrem Namen alle Ehre, sondern schmeckt und riecht fast honigartig.

Frühe Liebe

Tomatenlust

Mervi und Albert Treiber,

Grenzhofer Weg 80, 68229 Mannheim

Telefon: 06203/2375, Mobil 0172/4992995 oder 0162/8688674

Mail: landwirtschaft-treiber@gmx.de

In sechs mit Folie bespannten Gewächshäusern gedeihen die üppig tragenden Pflanzen nach streng ökologischen Kriterien. Nur biologischer Pflanzenschutz ist erlaubt, Hybridsorten sind tabu. Der überdachte Anbau hält den Regen ab, geöffnet kann tagsüber die Luft gut zirkulieren, und nachts schließen die Erntehelfer den Folientunnel komplett. "So entsteht kein Tau", erklärt Albert Treiber: "Der fördert nämlich die Braunfäule - und die ist der Tod der Pflanze." Die Früchte dürfen bis zur vollen Reife am Stock bleiben und kommen dann sofort auf die Ladentheke oder den Marktstand: "Frische ist ganz wichtig", sagt Mervi Treiber, "denn Vitamine und Mineralstoffe nehmen durch die Lagerung ab."

Aus den Samen Pflanzen ziehen, die Setzlinge in die Tunnel verpflanzen, ihnen mit Strohschnüren Halt geben, sie bewässern, abernten, Kunden aus der gehobenen Gastronomie mit der druckempfindlichen, in Seidenpapier gewickelten Ware beliefern: Von Januar bis Oktober sind die Tage der Treibers lang. Und anstrengend für die Mutter mit zweibeinigem Nachwuchs im Alter von sieben und zehn Jahren. "Ja, aber ich habe eine Arbeit gefunden, die mir so viel Freude macht, dass es mir die Mühe wert ist, jeden Tag, ohne Wenn und Aber."

Im Kreislauf der Jahreszeiten

Die "Tomatenlust", die Leidenschaft für das Nachtschattengewächs, verspürte Mervi schon als kleines Mädchen. "Ich bin mit den Eltern viel gereist und war mir damals schon sicher, dass Tomaten in Italien einfach besser schmecken." Und als ihr Mann, seines Zeichens Agraringenieur und Landwirt, den Tabakanbau aufgab, zog Mervi mit ihren würzigen Früchtchen in die Tunnel, in denen früher die Blätter trockneten.

Das rote Andenhörnchen oder doch lieber eine kleine Orange-Cocktail? Welcher der Vitamin C- und Kalium-Spender ihr am meisten am Herzen liegt, kann sie gar nicht sagen. "Ich bin ständig auf der Suche nach neuen, alten Sorten, die es zu erhalten gilt. Der Weg ist für mich das Ziel. Ich bin eben eine Tomaten-Trüffelnase."

Doch bei aller Begeisterung für die auch Liebesapfel genannten Früchte: Was der Kurpfälzerin mit dem Händchen für ganz besonderes Gemüse am wichtigsten ist, sind ihre Kinder. "Und die Familie. Ohne meinen Mann und die Hilfe unserer Eltern hätte ich das alles niemals geschafft."

Apropos Erhalt von Kulturgütern und Tradition: Die wird bei den Treibers nicht nur beim Anbau groß geschrieben. Ganz bewusst wohnen sie alle zusammen in einem Mehrgenerationenhaus.

Und während Mervi sorgfältig ein Kundenkörbchen mit Unikaten füllt, Paprika-Aromen mit Würzigem mischt, erzählt sie noch ein bisschen über die Unternehmensphilosophie und den Spaß an ihrem Beruf: "Ich bin froh, dass ich in meinem Leben die Möglichkeit bekommen habe, im Kreislauf der Jahreszeiten arbeiten zu können, authentisch saisonal, wie es die Natur vorgibt, das ist das Spannende daran." Und die Vielfalt? "Die ist das i-Tüpfelchen" - weit ab von rot und rund.

Montag, 05.11.2012
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