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Donnerstag, 24.05.2012

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Software: Nach dem Rücktritt von Léo Apotheker übernehmen Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe:

SAP bekommt überraschend Doppelspitze

Michael Roth

Walldorf. Gestern Abend teilte SAP überraschend mit, dass der Vertrag von Léo Apotheker als Vorstandssprecher des Softwarekonzerns nicht verlängert wird, "einvernehmlich", wie es in einer Mitteilung heißt. Die neue SAP-Führung besteht jetzt aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. McDermott ist für den Vertrieb zuständig, Hagemann Snabe für die Produktentwicklung. Der gebürtige Däne Hagemann Snabe, der auch gut deutsch spricht, wurde bei SAP schon vor geraumer Zeit als möglicher Kandidat für die Konzernspitze genannt. Dass er nun allerdings so früh dorthin aufrückt, war bislang nicht zu erwarten. McDermott ist der entscheidende Mann für den für SAP so wichtigen amerikanischen Markt.

Plattners "starke Rolle"

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner wird "weiterhin eine starke Rolle spielen, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten", teilte SAP außerdem mit. Plattner hält bei SAP noch immer alle Fäden in der Hand. Über die Gründe für die Neubesetzung der Konzernspitze wurde noch nichts bekannt. Für Rückfragen war gestern Abend bei SAP niemand zu erreichen. Für heute ist eine Telefonkonferenz angekündigt.

"Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen", sagte Plattner laut Mitteilung. Die neue Führung werde die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie den Fokus auf profitables Wachstum beibehalten und weiter vorantreiben und mit Innovationen im Jahr 2010 die führende Position weiter ausbauen.

Der Umkehrschluss von Plattners Aussagen macht die Defizite von SAP deutlich. Vor allem die mit viel Vorschusslorbeer angekündigte neue Mittelstandssoftware "Business by Design" hatte enorme Startschwierigkeiten. Es sollte SAP, das bei Konzernen bereits sehr hohe Marktanteile hat, den Markt für kleinere und mittelgroße Unternehmen öffnen. Allerdings hakte es mächtig. Bis zu 70 Prozent der Software habe nach dem ersten Anlauf neu geschrieben werden müssen, wurde in Walldorf gemunkelt.

In die Kritik geriet dabei die Forschungs- und Entwicklungsstrategie des Konzerns. Die neue Software wurde von vielen Forschungszentren von SAP auf der ganzen Welt von Walldorf über Palo Alto in den USA bis ins indische Bangalore entwickelt. Die Koordination soll kaum beherrschbar gewesen sein. Die Lehre daraus: Neue Produkte sollen künftig nur von einer begrenzten Anzahl von Forschungsstandorten gemeinsam entwickelt werden, die in ähnlichen Zeitzonen liegen. Ein weiteres großes Problem von SAP: Mit einem neuen teueren Wartungsmodell zog sich der Konzern den Unmut der Kunden zu. Erst nach heftigen Protesten machte SAP einen Rückzieher.

Mächtig auf die Stimmung bei SAP dürften die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung geschlagen haben. Diese hatte ergeben, dass konzernweit nur noch jeder zweite Mitarbeiter Vertrauen in den Vorstand hat. In Deutschland war es sogar nur jeder Dritte. Vor allem in Deutschland und unter den für SAP so wichtigen Softwareentwicklern gab es die stärksten Rückgänge der Zufriedenheits-Messzahlen in der Umfrage. Ebenfalls schwach waren die Werte für die Ausrichtung des Unternehmens und die Strategie. "Viele Mitarbeiter sind schon länger unzufrieden", war erst dieser Tage aus Walldorf zu hören. Schuld seien der erhöhte Arbeitsdruck und die Sparmaßnahmen des vergangenen Jahres, unter anderem wurden 4000 Stellen abgebaut.

Der nun zurückgetretene Apotheker gilt als charmant im öffentlichen Auftreten, nach innen soll er aber auch Härte gezeigt haben. Vor allem bei den Softwareentwicklern war der stark gewinnorientierte Vertriebsmann nicht so beliebt.

© Mannheimer Morgen, Montag, 08.02.2010

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