Brühl

Ortsgeschichte Zick-Zack-Ofen von Merkel war eine große Innovation / 25 Millionen Backsteine wurden jährlich im Ort gefertigt

Ziegeleien sorgten für Wachstum

Brühl.Vor 90 Jahren wurde in der Ziegelei Merkel kräftig gefeiert. Der Zick-Zack- oder Z-Ofen wurde eingeweiht. Damit hatte dieses Unternehmen die zu seiner Zeit modernsten Brennkammern, um aus dem Lehm der Rheinebene die Ziegelsteine zu brennen.

Das gewaltige Ofengebäude der Ziegelei Merkel hatte neben Trockenböden zwölf Seiten- und zwei Stirnkammern. Die Anlage war zu ihrer Zeit eine wesentliche Verbesserung zum bis dahin üblichen Ringofen, weil bei doppelter Brennkanallänge ein geringerer Energieverbrauch erreicht wurde. Allerdings waren die Temperaturen in der Be- und Entladezone ungünstiger für die Arbeiter, die den Ofen beschickten.

Modernste Technik im Einsatz

Doch nicht nur mit diesem Ofen zeigte die Familie Merkel 1927, dass sie ein florierendes Industrieunternehmen leiteten. Als die Merkels 1838 die Feldbrandbrennerei von Georg Hier übernahmen, hatte der seine Backsteine noch in einfachster Technik in schlichten Meilern hergestellt. Doch Merkel modernisierte die Anlage auf dem Gewann hinter dem Dorf Stück für Stück. So legte er 1868 den Grundstein für die Ziegelei in der Kirchenstraße, die sich auf einem großen Areal ausbreitete. Rechts und links der heutigen Straße Merkelgrund reichten am Ende die Firmengebäude von der Kirchen- bis zur Friedensstraße.

Sieben Unternehmen

Heinrich Merkel übernahm 1877 mit seinem Bruder Eduard das Geschäft. Sie hatten 1882 den ersten Ringofen gebaut, der immerhin schon 80 000 Backsteine fassen konnte. Aber die Modernisierung ging weiter: Eine Dampfmaschine, die eine Backsteinpresse antrieb, verbesserte die Tageskapazität auf bis zu 10 000 Steine. Als dann 1903 noch ein zweiter Ofen und eine weitere Presse in Betrieb genommen wurden, konnten der Betrieb Merkel im Jahr rund sechs Millionen Ziegel produzieren.

Und das war nur eine der insgesamt sieben Ziegeleien der Hufeisengemeinde. Gemeinsam mit Merkel stellten die Ziegeleien J. Vorlaufer bei den heutigen Rohrhof Anglerseen, Josef Eder, später Johann Baptist Eder, am heutigen Lindenplatz, Jakob Eder, später Gebrüder Eder, dann Badische Ziegelwerke AG beim heutigen Brühler Messplatz, Josef Triebskorn beim heutigen Wohnblock in der Ketscher Straße, Gebrüder Meixner ebenfalls in der Ketscher Straße und Michael Schäfer am Weidweg jährlich 25 Millionen Steine her. Damit wurden der Ort beim Wechsel vom 19. ins 20. Jahrhundert zum bedeutenden Standort der Tonwarenindustrie. Das sorgte für ein wirtschaftliches Wachstum in der Gemeinde.

Der Grundstoff für die Ziegelherstellung - Lehm - war üppig vorhanden. Er wurde in den Auen und auf den Wiesen rund um den Ort abgebaut und per Loren, die eine Dampflokomotive, von den Einheimischen "Erdkotz" genannt, zu den angeschlossenen Ziegeleien gezogen.

Großbrand sorgt für das Aus

Doch durch die modernen Werkstoffe wurden die Backsteine als Baumaterial immer mehr verdrängt. So begann in den 1920er Jahren der Niedergang der kleinen Ziegeleien. Am Ende arbeiteten nur noch die Ziegeleien Merkel und Eder. Beide ereilte schließlich das selbe Schicksal. Am 6. Mai 1968 brannte die Ziegelei Merkel in der Kirchenstraße ab und wurde stillgelegt. Die Gebäude wurden nach und nach abgerissen und durch Wohnbebauung ersetzt. Schließlich fiel 2013 das Gebäude mit dem Zick-Zack-Brennofen von 1927 dem Bagger zum Opfer.

So gut wie keine Relikte

Zuletzt produziert nur noch die Ziegelei Eder, doch am 13. Dezember 1973 endete auch dort mit einem Großbrand das bedeutende Kapitel örtlicher Industriegeschichte - ein Parkplatz, Reihenhäuser und Wohnblocks wurden errichtet.

Gibt es also nichts mehr, was an die ehemals wichtige Industrie erinnert? Außer Straßennamen so gut wie nichts. Ein kleiner Schuppen beim Merkelgrund und Reste der "Erdkotz"-Schienen in der Auenlandschaft. Das war's.

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