Hockenheim

Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Uraufführung des Musicals "Atlantis" von Conny Conrad / Tolles Bühnenbild und fetzige Musik verzaubern das Publikum

Magische Welt voller Abenteuer

"Come to Atlantis!" - "Komm nach Atlantis!". Dieser Einladung aus dem Titellied waren viele gefolgt. Die zur Unterwasserwelt verwandelte Aula des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums war voll besetzter Schauplatz der Uraufführung von "Atlantis", einem Musical des Komponisten Conny Conrad. Der war als Ehrengast natürlich anwesend und lauschte seinem Werk in erster Reihe.

Die Schüler der Musikklasse 7 b entführten die Besucher in eine magische Welt voller Abenteuer und Gefahren tief unten im Meer: Der junge Mann Thor ist fasziniert von Atlantis. Als er hört, dass im Bermuda-Dreieck Überreste des versunkenen Kontinents gefunden wurden, macht er sich auf Entdeckungsreise. Auf seiner stürmischen Fahrt durch das mythenumwobene Seegebiet gerät er in einen grünen Nebel, der sich als Dimensionstor entpuppt.

Als Thor wieder erwacht, findet er sich in Atlantis wieder. Er trifft auf Gooby, ein seltsam anmutendes Wesen, das ihn mit in die Hauptstadt Poseidia nimmt. Die Königstochter Thora ist ebenso von dem Fremden fasziniert, wie dieser sich für Atlantis begeistert. Gooby bringt Thor zu Thora, damit sie mehr voneinander erfahren können, und die beiden verlieben sich ineinander. Prinzessin Thora steckt aber noch mitten in ihrer Ausbildung und wird vom mysteriösen Seher "Master of Time" auf den Planeten Phaeton geschickt, um dort zu studieren. Thor darf derweil in der großen Bibliothek von Poseidia seinen Wissendurst nach dem versunkenen Kontinent stillen.

Poseidia liegt in Trümmern

Doch der Frieden währt nicht lange. Im Untergrund intrigieren die "Sons of Belial" unter ihrem Anführer Mortan gegen den König und seine Regierung. Sie zetteln auf Phaeton eine Revolte an und Thor bricht auf, um seine geliebte Thora zu retten. Zurück auf Atlantis müssen sie jedoch feststellen, dass Mortan auch hier bereits gewütet hat und Poseidia in Schutt und Asche liegt. Nicht enden wollende Flüchtlingsströme aus Poseidia ziehen über die verwüstete Erde und auch die Atlanter müssen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat in Europa machen.

Um das Wissen und die Kultur von Atlantis zu bewahren, kehr Thor ein letztes Mal zurück und fällt dabei dem bösen Mortan zum Opfer. Er erwacht am Strand der Bahamas, es ist der nächste Tag. Seine abenteuerliche Geschichte will ihm aber keiner so recht glauben.

Mit sichtlichem Vergnügen spielten, sangen und tanzten die Schüler der Klasse 7 b am Premierenabend über die Bühne. Atmosphärische Soundeffekte und eine bisweilen magische Lichtstimmung erweckten das einfache und doch sehr gelungene Bühnenbild vollends zum Leben. Ob an dem in warmes Abendrot getauchten Strand, in den grünlich umwaberten Kammern der "Masters of Time" oder in der bedrohlich glühenden Vulkan-Hölle kurz vor dem Finale, der Zuschauer war stets gleich mittendrin.

Obwohl der Geschichte von "Atlantis" stark anzumerken ist, dass sie aus der Feder eines Komponisten stammt, überzeugten die Darsteller mit ihrem Spiel - etwa wenn Thor (Jakob Roth) verzweifelt nach seiner fernen Liebe rief oder wenn der König (Vincent Eckert) ihm das Geheimnis seiner atlantischen Abstammung offenbarte.

Auch musikalisch wusste die Aufführung zu überzeugen. Charlotte Fischer legte als vom Liebeskummer verzehrte Thora alle Emotion in den Titel "Feel the Fire", wie auch Jakob Roth, der gleich zu Beginn des Musicals nach einem flammenden Bekenntnis die Geheimnisse Atlantis' endgültig ergründen zu wollen, eine ebenso leidenschaftliche Rock-Hymne - inklusive Luftgitarrensolo - hinterherschmetterte. Conny Conrads mal basslastig wummernde, mal einfühlsam balladeske Kompositionen im Retro-Synthesizer-Kleid ließen verstehen, warum der Komponist kürzlich den Deutschen Rock- und Pop-Preis gewann. Und auch die immer wieder eingestreuten Tanz-Choreographien mit fließenden, wellenartigen Bewegungen und grazilen Pirouetten fügten sich ins Gesamtbild ein.

Aktuelle Themen verarbeitet

Die Musik zu seinem Atlantis-Musical hatte Conrad bereits in den 1990ern komponiert. Für die Aufführung am Gauß ergänzte er später die Texte, die ganz aktuelle Themen widerspiegeln. Etwa wenn die "Sons of Belial" Terroranschläge begehen, um sie Ausländern in die Schuhe schieben, oder Krieg und Naturkatastrophen für große Fluchtbewegungen sorgen.

Die Erarbeitung des Musicals war Thema des diesjährigen Portfolioprojekts des Musikklasse 7 b. Unter der Anleitung der Lehrer Anja Kaiser und Matthias Mayer sowie Katharina Franke (Choreographie) und Beate Wild (Bühnenbild) konzeptionierten die Schüler - aufgeteilt in sechs Gruppen - die gesamte Aufführung und studierten das Stück ein. Gelernt wurde auf diese Art fächerübergreifend - nicht nur Musik, auch Fähigkeiten in Geschichte und Kunst oder Deutsch und Englisch wurden geschult.

Die Fortschritte dokumentierten die Schüler in ihrem Portfolio. Bühnenbild, Maske, Kostüme und Regie - alles hatte die 7 b selbst gemacht. Eine Gruppe erarbeitete die geschichtlichen Hintergründe, eine weitere übernahm die Öffentlichkeitsarbeit und rührte kräftig die Werbetrommel.

Um die Aufführung in das rechte Licht zu rücken, waren die Beleuchtungskünstler Raimund Becker und Guido Schmidt von Pendeloque angetreten. Die Gruppe setzt sich aus ehemaligen Abiturienten des Gymnasiums zusammen und passt so prima ins Konzept "Alles selbstgemacht". Unterstützt wurden sie von der Technik-AG unter Leitung von Sascha Birkenstock, die sich um Ton und Video-Aufzeichnung kümmerten.

Die durchweg professionell gestaltete Aufführung machte sichtlich Eindruck beim Publikum, das die Akteure mit stehenden Ovationen bedachte und nicht ohne Zugabe von der Bühne ließ.

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