Speyer

Jazz Die Band Underkarl stellt heute neue CD bei Konzert vor

Kreativer Blick zurück nach vorn

Ein ungewöhnliches Ensemble feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem unkonventionellen Album. Die Kölner Gruppe Underkarl beleuchtet auf der Jubiläumsplatte "Timetunnel 25" (rent-a-dog/Alive) die Jazz-Tradition - aus heutiger Perspektive. Das Quintett nutzt berühmte Improvisationen als Vorlagen für Neuinterpretationen. Soli, etwa von Miles Davis ("Freddie Freeloader"), Charlie Parker ("Donna Lee") oder Stan Getz ("East Of The Sun"), haben die fünf Musiker transkribiert und arrangiert. Sie bilden das Tonmaterial für eigene Variationen, Ableitungen, Abstraktionen, Fragmentierungen.

Traditionelles neu bearbeitet

Rudi Mahall (Bassklarinette), Frank Wingold (Gitarre), Sebastian Gramss (Bass) Dirk-Peter Kölsch (Schlagzeug) sowie der Speyerer Saxofonist und Klarinettist Lömsch Lehmann bieten eine faszinierende Auseinandersetzung mit der Jazzgeschichte. Die 14 Stücke sind musikalische Reflexionen auf einer Meta-Ebene - werden die Swing-, Cool- und Bebop-Klassiker doch mit den Freiheiten und Ausdrucksmitteln des aktuellen Jazz interpretiert.

Manchmal prallen die Stilistiken spannungsvoll aufeinander, wie in Sonny Stitts komplexen Improvisationslinien über "All Of Me ", die mit metallisch brausenden Rock-Gitarren-Einsprengseln konfrontiert werden. Dann wieder fließen die verschieden Stil- und Zeitebenen nahtlos ineinander. Das geschieht in Duke Ellingtons "Caravan": Dessen Melodie intonieren Underkarl (wie so oft auf dieser Platte) erst gar nicht, sondern spielen eine Klarinettenimprovisation von Jimmy Hamilton - die allerdings wird von Lehmann mit einem Solo eingeleitet, bei dem er Spieltechniken des Free Jazz, mehrdeutige Spaltklänge etwa, integriert.

"Wir wollten die Energie dieser Improvisationen in die Jetztzeit übertragen", erklärt der Speyerer im Gespräch mit dieser Zeitung. "Die Soli nur nachzuspielen, wäre langweilig. Wir nutzen sie für neue Texturen." Jede Vorlage werde auch nicht auf dem Originalinstrument gespielt. So erklingt ein Werk des Tenorsaxofon-Giganten Coleman Hawkins in einem dreistimmigen Satz mit Klarinette, Bassklarinette und E-Gitarre. "Die Soli sind ja wie spontan kreierte Kompositionen", sagt Lehmann.

Underkarl bieten mit ihrem Projekt grandiose Hörabenteuer. Und sie vermitteln Einsichten in den kreativen Gehalt einer Improvisation. Zu erleben, wie melodisch etwa Chet Baker und Ornette Coleman - auf ganz unterschiedliche Weise - agierten, ist die reine Freude. gespi

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel