Speyer

Im Interview Dr. Bernd Rückwarth mobilisiert Menschen, um für die EU zu werben

"Leidenschaft für Europa liegt mir im Blut"

Speyer.Die vor wenigen Monaten von zwei Frankfurter Rechtsanwälten ins Leben gerufene pro-europäische Bürgerbewegung "Pulse of Europe" ist inzwischen mit Initiativen in über 100 Städten aus 13 EU-Mitgliedsstaaten vertreten. In Speyer hat Dr. Bernd Rückwarth (Bild) die Idee aufgegriffen. Vor dem ersten Wahlgang zur französischen Präsidentschaftswahl am morgigen Sonntag haben wir mit dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Speyer der Europa-Union Rheinland-Pfalz und früheren Medienreferenten der Landeszentrale für politische Bildung in Rheinland-Pfalz über seine Beweggründe und Ziele gesprochen.

Herr Rückwarth, was ist der Grund für Ihr Europa-Engagement?

Dr. Bernd Rückwarth: Die Leidenschaft für Europa liegt mir im Blut. Bereits in meiner Funktion als Medienreferent war ich für die Integration von Migranten, aber auch für die Bekämpfung von Rechtsextremismus zuständig. Frühe Bezüge zu Europa gab es ferner während meiner 14-jährigen Tätigkeit als Forschungsreferent an der damaligen Hochschule und heutigen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer.

Was hat Sie bewogen, sich der Initiative "Pulse of Europe" anzuschließen?

Rückwarth: Die Idee hat mich von Anfang an fasziniert. Ich habe mich über Inhalte und Ziele informiert, mir aus Frankfurt die Leitlinien schicken lassen und mich mit meinen persönlichen Daten beim zuständigen Redaktionsteam in der Mainmetropole akkreditieren lassen.

Wie ging es dann weiter?

Rückwarth: Zunächst galt es, die Genehmigung für öffentliche Auftritte bei der Stadtverwaltung Speyer einzuholen. Dem Antrag wurde auf der Grundlage des Demonstrationsrechtes stattgegeben.

Wann hatte die Initiative ihren ersten Auftritt und wie war die Resonanz?

Rückwarth: Die erste Demo am 19. März beim Altpörtel bestritt ich noch als "Einzelkämpfer". Meine Requisiten waren zwei Stühle, ein Klapptisch und ein Sonnenschirm. Als der Leiter des Offenen Kanals Speyer mich jedoch interviewte, erregte das die Aufmerksamkeit der Passanten. Dies hatte zur Folge, dass ich mit einer knapp 40 Personen umfassenden Reisegruppe aus Italien die von Schiller getextete und von Beethoven vertonte "Ode an die Freude" anstimmen konnte. Ein emotionaler Augenblick, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Löste das einen weiteren Motivationsschub aus?

Rückwarth: Zweifellos! Spätestens nach diesem Erlebnis war klar, dass wir jeden Sonntag von 14 bis 15 Uhr am Altpörtel für unser Anliegen eintreten wollen. Inzwischen hatten sich mir zahlreiche Gleichgesinnte angeschlossen und am 2. April waren wir mit einem Informationsstand und Europafahnen erneut vor Ort. Circa 90 Sympathisanten, darunter viele junge Leute, erklärten sich mit uns solidarisch. Wir haben sie gebeten, mit Hilfe eines Megafons etwas über Europa zu sagen, was sich in sehr positiven Beiträgen niederschlug.

Gab es nach dieser publikumswirksamen Demo noch eine Steigerung?

Rückwarth: Oh ja! Das war nur eine Woche später, als beim Marsch über die Maximilianstraße einige hundert Bürger im wahrsten Sinne des Wortes für Europa auf die Straße gingen.

Was haben Sie und Ihre Mitstreiter am morgigen Sonntag vor?

Rückwarth: Ebenso wie bei der Stichwahl am 7. Mai werden wir zwischen 14 und 15 Uhr, vielleicht auch länger, am Altpörtel präsent sein. Anlässlich der Wahl in Frankreich versuchen wir, mit dem Freundeskreis in Chartres telefonische Kontakt herzustellen, um uns mit unseren Freunden auszutauschen.

Wer ist Ihr Favorit bei der Präsidentenwahl?

Rückwarth: Auf jeden Fall ein Demokrat, der für ein geeintes Europa steht. Mit einer Präsidentin Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National würde die Achse zwischen Deutschland und Frankreich als wichtiger Träger der europäischen Wertegemeinschaft zerbrechen. Gewinnen Nationalstaaten die Oberhand, ist die Europäische Union am Ende.

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