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Donnerstag, 24.05.2012

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Lesung: Die „Titanic Boygroup“ begeistert in der Alten Feuerwache

Seit Jahren bissig und kein bisschen leise

Von unserem Mitarbeiter Denis Baranski

Meister des giftigen Humors: die Drei von der „Titanic Boygroup“.

Meister des giftigen Humors: die Drei von der "Titanic Boygroup".

© hf

"Zu alt, zu dick, zu unmodern", lautet nach 15 Jahren Bühnenerfahrung knapp die vernichtende Selbstdiagnose der "Titanic Boygroup". Da wird es Zeit für ihre erste und freilich endgültige Abschiedstournee, die Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella natürlich auch in die Alte Feuerwache nach Mannheim führte - denn schließlich sei das Abschiednehmen hier "Lebenskonzept", poltert Oberunke Schmitt in gewohnt unverblümter Manier sogleich launig drauf los. Sein bissiger Humor sollte durch den rund dreistündigen Abend und die vergangenen dreißig Jahre des Satiremagazins "Titanic" führen.

Selbstironischer Rückblick

Unsummen an Schmerzensgeld, zahlreiche indizierte Ausgaben und diverse Unterlassungsklagen haben eben ihre Spuren hinterlassen und gelten dem frühverrenteten Triumvirat gleichsam als Beleg und Beweis erfolgreichen Schaffens, auf das man gerne und mit Stolz verweist. Selbstironisch feiert man in einem Titelseiten-Dia-Vortrag das Wiedersehen mit Helmut "Birne" Kohl, Björn "Badewanne" Engholm oder Kurt "Bestie" Beck, schwelgt in Erinnerungen an Empörung und Rechtsstreitigkeiten und freut sich über Beschwerden beim Deutschen Presserat. Doch das ist erst die Spitze des Satire-Eisbergs, in dessen Untiefen ein scheinbar unerschöpflicher Bestand an urkomischen Preziosen vorborgen liegt.

Ohne Rücksicht auf Verluste dichtet Gsella der europäischen Nachbarschaft im Kreuzreim Ressentiments an, richten die ehemaligen "Titanic"-Chefredakteure mit verlesenen Glanzstücken aus der Rubrik "Briefe an die Leser" einen schmerzhaft-scharfen Blick auf mediale Fehltritte oder erinnert ein herrlich trockener Martin Sonneborn an seine furchtlosen Außeneinsätze in Politik und Wirtschaft - manch vielversprechende Karriere fiel ihm zum Opfer. Zwischen gehässiger Polemik und sanft lächelnden Plattitüden entspinnt das Trio einen bitterbösen Pointenreigen und hinterlässt sein hellauf begeistertes Publikum im Glück wie "Zonen-Gaby".

© Mannheimer Morgen, Samstag, 14.01.2012

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