Als Lucien Favre im vergangenen Februar Borussia Mönchengladbach übernahm, war der Verein klinisch tot. Sieben Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, tiefe Depression im Umfeld und eine Abwehr, über die die Liga lachte: Das waren die unschönen Vorgaben für den Schweizer. Viele sahen seine Verpflichtung schon als Vorgriff auf die neue Saison - für den Neuaufbau in der Zweiten Liga.
Was seitdem am Niederrhein passiert ist, grenzt an eine Sensation. Favres Team schaffte mit einem phänomenalen Endspurt über den Umweg Relegation nicht nur den fast für unmöglich gehaltenen Klassenerhalt, sondern macht in der neuen Saison einfach genauso weiter. Gladbach ist bisher d i e Überraschung dieser Spielzeit.
Favre hat innerhalb weniger Monate aus der einstigen Wackelabwehr ein Bollwerk gemacht und der Mannschaft mitten im Abstiegskampf sein System beigebracht. In der Offensive kann er sich auf die Extraklasse von Marco Reus verlassen. Selbst ein längst Abgeschriebener wie Mike Hanke blüht in diesem funktionierenden Kollektiv wieder auf.
Die Fans träumen schon vom Europapokal und ziehen - übertriebene - Vergleiche mit der legendären "Fohlen"-Elf. Auch wenn Favre deshalb gut daran tut, die Euphorie beim Traditionsklub zu bremsen: Es ist durchaus möglich, dass die Borussia die Nachfolge von Mainz oder Hannover antritt - und als Überraschungsmannschaft ins internationale Geschäft einzieht.
Leser-Kommentare
Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen