» Startseite > Abo & Service > Archiv > Artikelseite
Literaturwissenschaft-ler Helmuth Kiesel und der Dichterfürst
Im 19. Jahrhundert war Schillers "Lied von der Glocke" in aller Munde: In den Schulen wurde es auswendig gelernt. Bei Zunft- und Bürgerfeiern wurde es in programmatischer Absicht rezitiert: "Arbeit ist des Bürgers Zierde / Segen ist der Mühe Preis / Ehrt den König seine Würde / Ehret uns der Hände Fleiß" - diese Verse machten das "Lied von der Glocke" einst zur Bürgerhymne. Im 20. Jahrhundert kehrte man sich davon ab: Als Hans Magnus Enzensberger 1966 im Insel-Verlag eine dreibändige Schiller-Ausgabe edierte, ließ er die "Glocke" einfach weg. Sie war ihm zu platt. Zudem zählte man die Tugenden, die in ihr gepriesen wurden, insbesondere die vielberufene "heilige Ordnung", nun zu jenen bürgerlich-faschistoiden "Sekundärtugenden", die - nach Oskar Lafontaines unvergesslicher Adresse an den Bundeskanzler Schmidt - für ein KZ gut sein mochten, aber nicht für eine demokratische Gesellschaft.
Diese Seite ist Abonnenten und Lesern des Mannheimer Morgen, Südhessen Morgen, Bergsträßer Anzeiger, Schwetzinger Zeitung, Hockenheimer Tageszeitung und der Fränkischen Nachrichten vorbehalten.
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/service/archiv/artikel/684619666.html