direkt zum Inhalt

Morgenweb Das Nachrichtenportal Rhein-Neckar
Morgenweb Das Nachrichtenportal RheinNeckar

Suche:

Sie sind hier:

» Startseite > Abo & Service > Archiv > Artikelseite

  • Artikel versenden Artikel versenden

Kunst:: Die ehemalige Profi-Eishockeyspielerin Maren Valenti malt in ihrem eigenen Atelier in F 4 farbenfrohe Popart-Bilder

"Ich leb' mit der Krankheit, nicht sie mit mir"

Von unserem Redaktionsmitglied Katrin Filthaus

Einen Teil des Traums hat sie sich erfüllt: 1990 nahm sie mit 13 Jahren als jüngste Spielerin an einer A-Weltmeisterschaft teil, im selben Jahr bekam sie einen Eintrag in die "Hockey Hall of Fame" in Toronto, Kanada. Und das war erst der Anfang: Sie stand 1998 als erste Frau bei den Eisbären Berlin im Kader für die Deutschen Eishockey Liga, spielte bei fünf Weltmeisterschaften, wurde viermal Deutscher Meister. 2002 erreichte die sympathische Frau den Traum jedes Spitzensportlers: Sie nahm an den Olympischen Spielen in Salt Lake City teil. Auch danach verfolgte sie ihr Ziel, mit ihrer Mannschaft Siege zu erringen, ehrgeizig weiter - bis 2006.

Immer öfter "Stolperattacken"

Damals hätten sich die "Stolperattacken", wie sie es nennt, gehäuft. "In dem Jahr habe ich mit Kornwestheim noch im Halbfinale gespielt, dabei bin ich zweimal ohne Grund gestürzt." Sie habe schon länger gewusst, dass etwas nicht stimme, aber kein Arzt konnte sagen, was ihr fehlt. Bis endlich die Diagnose und damit die Gewissheit kam: Maren Valenti leidet an Multipler Sklerose (MS), einer unheilbaren Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Doch wer denkt, dass nun der Zusammenbruch folgte, der irrt. "Ich war erleichtert. Aber ich wusste auch, dass ich mein Leben jetzt ändern muss." Und so machte Valenti ihr Hobby zum Beruf: "Ich habe schon als Kind gerne gemalt, in meinen Schulheften waren mehr Zeichnungen als Notizen", erzählt Valenti mit einem Lächeln. Auch während ihrer aktiven Zeit malte sie für ihre Familie und Freunde, "ich hätte aber nie daran gedacht, Bilder zu verkaufen".

Nun brauchte sie ein neues Ziel, das sie ebenso ehrgeizig verfolgen konnte wie ihre Sportkarriere: "Ich habe meine Bilder 2008 auf dem Maimarkt ausgestellt. Die Leute haben sich in den Hallen vorbei geschoben, aber wenn sie bei mir vorbeikamen, trat ein Leuchten auf ihr Gesicht." Damals habe sie gewusst, dass das der richtige Weg sei.

Doch das alleine reichte natürlich nicht. Valenti malte ihre Bilder bei sich zu Hause und stellte sie bei verschiedenen Veranstaltungen aus, aber zur professionellen Arbeit fehlte vor allem eines: ein eigenes Atelier. So wandte sich die Rekordschützin der deutschen Nationalmannschaft an den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und die Deutsche Sporthilfe und schilderte ihre Situation. Beide wurden aktiv, organisierten Ausstellungen und sorgen nach wie vor dafür, dass die Spielerin nicht in Vergessenheit gerät. Von Freunden und ihrer Familie wird sie unterstützt - und auch die Adler-Fans sammelten für Valenti und halfen ihr so dabei, ihr Ziel zu erreichen: das Atelier, das sie im Oktober in F 4,12 eröffnete. Hier kann die junge Frau arbeiten und Kunden empfangen. Denn die gelernte Mediengestalterin malt nicht nur, wonach ihr der Sinn steht, sondern sie übernimmt auch deutschlandweit Auftragsarbeiten. Dabei versucht sie, sich in die Rolle ihrer Auftraggeber zu versetzen, um deren Geschmack zu treffen - und ist damit ein bisschen die Schauspielerin, die sie als Kind werden wollte.

Doch sie setzt nicht allein auf ihre Bilder, sondern will künftig auch mit Taschen, T-Shirts und anderen Artikeln Farbtupfer in den oft grauen Alltag bringen. Bei der Eishockey-WM in Mannheim sollen ihre Arbeiten in der Fan-Meile ausgestellt werden, "womit wir wieder bei Sport wären", lacht Valenti. Der hat sie - obwohl sie drei Jahre pausierte - nie ganz losgelassen: Seit diesem Jahr trainiert sie die Kurpfalz Ladys, und wenn es die Zeit erlaubt, steht sie bei Spielen ihres Neffen in den Rängen. In einem Regal in ihrem Atelier stehen Erinnerungen an ihre aktive Zeit, über Kartons liegen Trikots, an der Wand lehnen Eishockeyschläger und Schlittschuhe. "Ich trauere diesem Leben nicht nach, ich habe mich mit der MS auseinandergesetzt", erklärt sie. "Ich leb? mit meiner Krankheit, nicht sie mit mir. Wenn das geschieht, dann hast Du verloren", meint Valenti. Und verlieren, das wollte sie schon damals auf dem Eis nicht.

08. Januar 2010

» Seitenanfang

Anzeige:

Werden Sie Fan des morgenweb!

Anzeigensonderveröffentlichung

allesvorort_gr

Fachgeschäfte und Spezialisten aus Mannheim stellen sich Ihnen vor.

Forum

Diskutieren Sie mit anderen Lesern über aktuelle Themen aus Mannheim, Sport, Kultur und Politik. » mehr

Newsletter

Die "Morgenweb"-Redaktion hält Sie auf dem Laufenden – am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Urlaub. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein:

 
Anzeige:

Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/service/archiv/xml/mannheim/20100108_Maren_Valenti.html