Thorsten Langscheid
Nein, das Werk eines wohltätigen Mäzens ist das Landesmuseum für Technik und Arbeit (LTA) nicht. Obwohl von einer Stiftung getragen, wird das Haus am Haupteingang der Quadratestadt weitgehend aus Steuergeldern bezahlt. "Wir sind eine öffentlich-rechtliche Stiftung", erklärt Museumsdirektor und Stiftungsvorstand Professor Dr. Hartwig Lüdtke (Bild). Das Geld, rund neun Millionen Euro im Jahr, kommt zu zwei Dritteln aus dem Landes- und zu einem Drittel aus dem städtischen Steuertopf.
Mäzene, Gönner und Förderer hat das ungewöhnliche Haus aber trotzdem eine ganze Menge. Als Vorsitzender des rührigen Fördervereins kümmert sich der Unternehmer Dr. Manfred Fuchs (Fuchs Petrolub) um das Wohl des Museums. Bisher akquirierte der Verein bereits Spendengelder in Millionenhöhe für die laufende Erweiterung der Sonderausstellungsflächen.
Ungewöhnlich ist das Haus in vieler Hinsicht: Zum einen das 1990 eröffnete, von der Berliner Architektin Ingeborg Kuhler geplante und bis heute nicht unumstrittene Museumsgebäude, das man sich quasi "umgekehrt", also von oben nach unten gehend, erschließen muss. Das LTA ist außerdem kein Museum, das sich auf die bloße Präsentation seiner Sammlungen beschränkt, sondern sieht sich in besonderem Maße der Museumspädagogik und der intensiven Lern-Arbeit für und mit seinen zumeist jugendlichen Besuchern verpflichtet. Dies führt zum Kern- und Gründungsgedanken des Mannheimer Landesmuseums: Die Geschichte der Technisierung und Industrialisierung des Südwestens, aber auch die Geschichte der sozialen Bedingungen der Arbeitswelt seither sind die zentralen Themen und Anliegen des Hauses.
So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem mittelständische Unternehmer einerseits und die Gewerkschaften andererseits das LTA als "ihre" Institution ansehen - eine Verbundenheit, die im Übrigen auch die Ingenieur-Verbände sowie zahlreiche Gruppierungen und Initiativen von Technikfreunden zum Landesmuseum pflegen.
Beispiel Museumsschiff: Eine Gruppe engagierter Macher um den im vergangenen Jahr verstorbenen Reeder und Binnenschiffer Helmut Kühnle war es, die das Schiff - es war seinerzeit eigentlich mehr ein Wrack - herrichtete und an der Kurpfalzbrücke vertäute. Heute ist es das größte Ausstellungsstück des Museums. Wer das Haus betritt, der findet - fast - immer Schüler- und Jugendgruppen vor, die entweder in einem der zahlreichen museumspädagogischen Workshops oder in der Elementa-Ausstellung auf Ebene A am Werkeln sind.
Das Landesmuseum ist eine Art Mitmach-Museum, ein großer Teil der Mitarbeiter kümmert sich um die Vermittlung des Themas. So kann man ganz praktisch - beispielsweise beim Papierschöpfen - erfahren, wie es früher wirklich zuging in den Manufakturen und Fabriken des beginnenden Industriezeitalters.
Zur Dauerausstellung kommt eine Vielzahl an kleineren und größeren Sonderschauen. Gunter von Hagens' "Körperwelten" waren eine davon, viele folgten, wie zuletzt die große Landesausstellung "Aufbruch ins Weltall" oder im Jahr des Stadtjubiläums 2007 die Mobilitätsschau "Mannheim auf Achse". Auf der neuen, vergrößerten Sonderausstellungsfläche will Direktor Lüdtke ab 2010 weitere Glanzlichter setzen.
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