Eishockey:
30-jähriger Kanadier trumpft beim 5:3-Erfolg gegen Hamburg mit einem Hattrick groß auf
Adler feiern Lehoux-Festspiele
Von unserem Redaktionsmitglied Christian Rotter
Yanick Lehoux stimmt die "Humba" an, auch Söhnchen Nathaniel greift zum Mikrofon: Nach Stotterstart durften die Adler gegen Hamburg noch feiern.
© Ice-Hockey-Picture 24
Mannheim.
Ein Mann, eine Mission. Es steht viel auf dem Spiel, es geht um die Tabellenspitze in der Deutschen Eishockey Liga. Doch so, wie sich die Mannheimer Adler gegen die Hamburg Freezers in den ersten 20 Minuten präsentieren, müssten sie ein Kellerkind sein. 0:3 - alles deutet auf eine Schmach hin.
Dann beginnen die Lehoux-Festspiele, die in einem nicht für möglich gehaltenen 5:3-Sieg enden. 1:3 nach feiner Kombination über Jaime Sifers und Frank Mauer (23.), 2:3 wie ein Schlitzohr (25.), 4:3 im Powerplay (41.) - der Kanadier macht mit seinem Hattrick fast im Alleingang aus der SAP Arena einen Freudentempel. "Wir haben Yanicks Offensivqualitäten dringend gebraucht", lobt Trainer Harold Kreis.
Über das, was er im ersten Drittel sehen muss, hängt der Coach nicht den Mantel des Schweigens. "Stellvertretend für unsere Fans hatte ich nach dieser Vorstellung ebenfalls einige Fragezeichen auf der Stirn. Ich habe meine Spieler in der Pause gefragt, was das soll und habe sie aufgefordert, den Respekt abzulegen."
Lehoux war ein guter Zuhörer. In jeder Aktion ist ihm der Wille anzusehen, etwas zu reißen. Er feuert aus allen Lagen - und trifft. Der 30-Jährige macht auch dann weiter, als ihm die Schiedsrichter Stephan Bauer und Florian Zehetleitner das vermeintliche 4:3 in der 39. Minute erst zusprechen und dann nach Studium der Videobilder wieder aberkennen.
"Natürlich war das im ersten Moment frustrierend für mich", sagt Lehoux. "Es ist kein schönes Gefühl, einer Entscheidung hilflos ausgeliefert zu sein." Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken oder die beleidigte Leberwurst zu spielen, erhöht er die Schlagzahl noch einmal. In Überzahl netzt er zum 4:3 ein - nicht erst jetzt erntet er von den Rängen "Yanick Lehoux"-Sprechchöre, die begeisterten Fans singen: "Wir sind stolz auf uns're Acht." Diese Ziffer trägt der Kanadier auf dem Rücken, den Adler aber im Herzen. "Ich bin in meiner Karriere noch nie so gefeiert worden - außer einmal in meiner Juniorenzeit", sagt der Mittelstürmer, der in den bisherigen 19 Saisonspielen sieben Tore erzielte und 17 vorbereitete. Auf die Nachfrage, ob seine Eltern ihn damals haben hochleben lassen, antwortet er lachend: "Nein, nein, es waren schon Fans."
Mannheim die sportliche Heimat
Bevor Lehoux vor der vergangenen Spielzeit in Mannheim landete, fristete er ein Nomadendasein. Nirgendwo hielt er es länger aus. Bei den Adlern ist er heimisch geworden. Zurzeit liefert er viele Gründe, um Manager Teal Fowler davon zu überzeugen, ihn über diese Saison an den Verein zu binden. Der feine Techniker mit der guten Spielübersicht würde sich jedenfalls freuen - vor allem, weil er die Anhänger der Blau-Weiß-Roten nicht missen möchte, auf die er das Hohelied singt: "Wir haben es schon oft gesagt, aber ich muss es noch einmal betonen: Wir haben die besten Fans der Liga! Sie sind immer für uns da."
Marcus Kink, der gegen Hamburg das 3:3 erzielt (30.), kann das nur bestätigen. Nach der Partie schnappt er sich vor der Nordwestkurve das Stadionmikrofon und ruft den Treuen zu: "Im Namen der Mannschaft danke ich euch für eure fantastische Unterstützung. Ihr habt uns im zweiten Drittel nach vorne gepeitscht, das haben wir bei jedem Wechsel gemerkt." Die "Humba" überlässt der Kapitän aber dem Matchwinner.
Also steht Lehoux da, seinen einjährigen Sohnemann Nathaniel auf dem Arm, und spielt den Entertainer. "Im vergangenen Jahr habe ich die ,Humba' auf Deutsch versucht und mich prompt verhaspelt, deswegen habe ich es diesmal auf Englisch gemacht", sagt der Angreifer. Den Schlussakkord setzt Nathaniel. "Mike Glumacs Sohn Elija muss sich aber keine Sorgen machen. Das bleibt sein Job, ich muss mit meinem Sohn noch üben", betont Lehoux und ergänzt strahlend: "Das war ein Spaß!" Heute (19.30 Uhr) in Düsseldorf hätte der neue Tabellenführer nichts dagegen, wenn es hieße: "Lehoux' Mission Impossible, Teil 2".