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Eishockey: Bei der Aufarbeitung des Qualifikationsdebakels rückt DEB-Präsident Uwe Harnos ins Zentrum der Kritik

„Da tut einem das Herz weh“

Von unserem Redaktionsmitglied Jan Kotulla und Agenturen

DEB-Boss Uwe Harnos mochte gar nicht mehr hinschauen, sein Vize Erich Kühnhackl (Mitte), Alois Schloder (links daneben) und Franz Reindl (hinten links) verfolgten das Aus in der Olympia-Qualifikation mit versteinerten Mienen.

© IHP 24
© ©vaf-foto/gerold-fotografie

Bietigheim/Mannheim. Nach dem "Córdoba" der Eishockey-Nationalmannschaft im Olympia-Qualifikationsturnier gegen Österreich wächst die Kritik an Uwe Harnos. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Adler-Gesellschafter Daniel Hopp (kleines Bild) war am Sonntag unter den 4517 Zuschauern, die mit ansehen mussten, wie die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) die Qualifikation für Olympia im kommenden Jahr verpasste. "Da tut einem das Herz weh", gestand Hopp, der auch Aufsichtsrat der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sowie Mitglied des Kompetenzteams ist: "Das war eine ganz schwarze Stunde für das deutsche Eishockey."

Von voreiligen Schuldzuweisungen hält der 32-Jährige nichts: "Jetzt die Messer zu wetzen und den einen zu suchen, der Schuld daran hat, dass wir nicht nach Sotschi fahren, ist nicht sinnvoll", sagte Hopp. "Es ist nicht korrekt und es bringt auch nichts, dem Präsidenten das alleine anzukreiden. Richtig ist aber auch, dass Fehler gemacht wurden. Das weiß der Betreffende aber selbst."

Harnos denkt nicht ans Aufhören

Ehemalige Nationalspieler wie Alois Schloder oder Uli Hiemer üben hingegen massive Kritik an Harnos. "Die Verantwortung für diese Misere hat ganz klar der Präsident", sagte Hiemer und forderte personelle Konsequenzen: "Es sind die falschen Leute am Ruder. Es muss ein Neuanfang her."

Der erste deutsche NHL-Profi steht mit seiner Kritik nicht alleine da. Auch Schloder, Kapitän der Bronze-Mannschaft von 1976, sieht den DEB-Boss in der Verantwortung. "Wenn er in den Spiegel schaut, muss er sich die Frage stellen, ob das alles so richtig ist, was er macht", sagte Schloder: "Es gibt keinen Sportpräsidenten, der von den Fans und dem Umfeld so angegriffen wird, da stimmt einiges nicht. Es sind eklatante Fehler gemacht worden." Walter Köberle, Manager der Düsseldorfer EG, schloss sich an: "Es kann nicht sein, dass wir uns jetzt weiter so durchwurschteln, es muss etwas in der Führung passieren."

Dem Juristen aus München werden vor allem Versäumnisse nach der Galavorstellung der Nationalmannschaft bei der WM 2010 im eigenen Land gemacht. Damals war das Team unter Bundestrainer Uwe Krupp bis ins Viertelfinale gelangt. Ein Jahr später schlug die Mannschaft erstmals in der WM-Geschichte Rekordweltmeister Russland und hatte das Sotschi-Ticket eigentlich in der Hand. Doch dann trennte sich der DEB von Krupp, weil er nicht in Doppelfunktion auch noch als Trainer der Kölner Haie arbeiten sollte. Zudem setzte Harnos Franz Reindl als Sportdirektor ab.

Den Ruf nach Rücktritt weist Harnos zurück: "Das ist der falsche Ansatzpunkt. Ich bin bis 2014 gewählt. Wer dann antritt, ist Spekulation. Ich werde jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und alles über den Haufen werfen, sondern weitermachen, was wir begonnen haben."

Das sieht man in Mannheim ähnlich. "Die Landesverbände müssen die Zusammenarbeit mit DEL und DEB forcieren", sagte Adler-Trainer Harold Kreis: "Man muss konstruktiv weiter zusammenarbeiten." Da konnte Hopp nur beipflichten. Er forderte alle Verantwortlichen auf, sich für die Zukunft des Eishockey zu engagieren: "Jetzt geht es darum, den Karren gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen. Die eigentliche Katastrophe ist nämlich, dass wir künftig Fördermittel nicht bekommen werden, die für die Nachwuchsarbeit enorm wichtig gewesen wären."

Streit der Verbände beilegen

Der Geschäftsführer der SAP Arena sieht hier den Hauptansatzpunkt, um aus dem Debakel etwas zu lernen. "Wir haben nicht verloren, weil wir immer noch keine Förderlizenzregelung haben, aber es ist ein Mosaiksteinchen." Seit Jahren streiten die Verbände darüber, ob und wie Talente sowohl in der DEL als auch in einer unterklassigen Liga spielberechtigt sein können. Hopp verwies darauf, "dass in den vergangenen Jahren zwar einiges Positives passiert ist, aber ohne eine Zusammenarbeit zwischen ESBG ("Eishockeyspielbetriebsgesellschaft", Anmerkung der Redaktion) und der DEL, wird es immer schwieriger werden, Talente zu motivieren, beim Eishockey zu bleiben." Der 32-Jährige sprach von einem " Haufen Baustellen". Die verpasste Olympia-Qualifikation sei quasi das "Sahnehäubchen" obendrauf gewesen.

"Während wir in der Liga gut aufgestellt sind, stehen wir mit dem Eishockey insgesamt an einer ganz schwierigen Kreuzung und müssen gemeinsam entscheiden, wo es hingeht", machte er die Dramatik der Situation klar. "Ich hatte noch vor dem Spiel gegen Österreich mit Uwe Harnos vereinbart, dass wir uns im Februar im Direktorat besprechen. Das wird angesichts der schlechten Situation um so wichtiger. Denn die WM im Mai wird mit Sicherheit nicht leicht werden", blickte Hopp auf die Titelkämpfe. Gruppengegner sind dort Russland, Finnland, Vizeweltmeister Slowakei, den USA, Lettland, Frankreich und Österreich.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 12.02.2013
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