Mannheim.
Harold Kreis konnte seiner Mannschaft wenig vorwerfen. Der Einsatz stimmte, die Leistung war besser als bei der Schlappe gegen die Krefeld Pinguine oder beim schmeichelhaften Sieg in Hannover. Doch um das Spitzenspiel in Köln zu gewinnen, hätte der Tabellenzweite seine Überlegenheit im ersten Drittel in Tore ummünzen müssen - stattdessen führten die Haie nach dem ersten Abschnitt mit 1:0. Nathan Robinsons Tor (17.) stellte das Spiel auf den Kopf. Da auch der zweite Nackenschlag (Rok Ticar/22.) in die Kategorie unglücklich fiel, haderte Mannheims Coach ein wenig mit dem Schicksal: "In so einer engen Kiste entscheiden Zentimeter. Die haben dieses Mal für die Haie gesprochen." Sein Gegenüber wollte dem gar nicht widersprechen.
Uwe Krupp sah ein Duell auf Augenhöhe. Eigentlich wollte der ehemalige Bundestrainer niemanden aus seinem Team herausheben, er tat es aber doch. "Youri Ziffzer hat seine Sache gut gemacht", lobte Krupp die etatmäßige Nummer zwei, die wegen Danny aus den Birkens Verletzung zwischen die Pfosten gerückt war. Kreis konnte sich da ein Lächeln nicht verkneifen: Ziffzer, der nur Marcel Gocs Schuss passieren lassen musste (43.), ist mit Kreis' Tochter Victoria verbandelt, beide haben ihm schon ein Enkelkind geschenkt.
Geschenkt bekommt bei den Adlern Florian Kettemer derzeit nichts. Am vergangenen Dienstag durfte er beim 5:4-Sieg in der European Trophy gegen den EV Zug mal wieder ran - es war eine seltene Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Bereits gegen Köln musste der 26-Jährige, der es bislang auf gerade einmal einen DEL-Einsatz in dieser Saison bringt, auf der Tribüne Platz nehmen. Obwohl mit Denis Reul (leichte Gehirnerschütterung) derzeit ein Abwehrspieler ausfällt, bleibt Kettemer nur die Zuschauerrolle. Senkrechtstarter Dominik Bittner hat ihm den Rang abgelaufen. "Jeder kann sich vorstellen, dass das für mich eine schwierige Situation ist", sagt Kettemer und ergänzt fast trotzig: "Ich werde jeden Tag, in jedem Training hart arbeiten. Ich lasse den Kopf bestimmt nicht hängen."
Der Mann mit der Rückennummer 69 betont zwar, dass er die Flinte so schnell nicht ins Korn werfen will. Es ist ihm aber anzumerken, dass es in ihm rumort. "Die Trainer haben gesagt, dass ich nicht in ihr System passe. Ich bin Profi genug, richtig damit umzugehen", erklärt "Kette". Verstehen kann er diese Aussage nicht: "Ich denke, dass ich immer stabil stand, wenn ich gespielt habe - so zum Beispiel, als Chris Lee in den Play-offs 2012 ausgefallen ist", sagt Kettemer: "Ich bin mental sehr stabil. Ich weiß, was ich kann."
Von seinem Potenzial waren die Adler auch überzeugt, sonst hätten sie den Verteidiger 2011 kaum aus Augsburg geholt. Damals hatte Kettemer einen Fuß in der Tür zur Nationalmannschaft, Ex-Nationalcoach Krupp gab ihm einige Bewährungschancen - und jetzt spielt er nicht einmal mehr regelmäßig in der DEL. "Natürlich höre ich mich nach Alternativen um", bestätigt Kettemer. Bei seinem Ex-Klub Augsburger Panther hat das Verletzungspech beispielsweise gnadenlos zugeschlagen. Vielleicht wäre dort noch ein Platz für ihn frei? "Ich breche nichts übers Knie. Ein Schnellschuss wäre die falsche Reaktion."
Eventuell könnte sich in Mannheim aber wieder eine Tür für Kettemer öffnen - dann, wenn der Lockout in der NHL zu Ende geht und Dennis Seidenberg wieder für die Boston Bruins aufläuft. Große Hoffnungen macht Kreis dem 26-Jährigen allerdings nicht: "Im Moment hat Dominik Bittner einen Vorteil, weil mit seiner Stabilität in der Defensive besser zu uns passt." So wird Kettemer wohl auch heute (16.30 Uhr) im Heimspiel gegen Wolfsburg seinen Schläger im Schrank lassen.