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Fußball: Nach der 0:1-Niederlage in Hannover wird die Lage von 1899 Hoffenheim immer brenzliger / Torhüter Gomes nicht schuldlos

Traurige Wirklichkeit

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Fürst

Handarbeit: "96"-Stürmer Didier Ya Konan (l.) und Hoffenheims Eugen Polanski.

© dpa

Hannover. Hoffenheims Protagonisten waren sich nach dem 0:1 bei Hannover 96 nicht einig: "Ein Punkt war drin, es bestand auch die Möglichkeit zu gewinnen", sagte Manager Andreas Müller. Dagegen empfand Coach Marco Kurz: "Unterm Strich war es zu wenig, um zu punkten." Neuzugang Eugen Polanski sprang dem Manager bei: "Wir hätten hier etwas mitnehmen können". Kapitän Andreas Beck vertrat hingegen die Ansicht des Trainers: "Mit dieser Leistung haben wir keine Punkte verdient."

Schwang in den Aussagen Müllers und Polanskis wohl mehr der Wunschgedanke mit, so drückten Kurz und Beck die ebenso harte wie traurige Wirklichkeit aus: Nach der Niederlage bei Hannover 96 ist die Lage der darbenden Hoffenheimer schwieriger als je zuvor: acht Punkte Rückstand auf den rettenden Platz 15 und nur noch 13 Spiele. Zur Winterpause waren es noch sieben Zähler und 17 Partien. Dabei las sich die TSG-Statistik in Hannover wie die eines Siegers: 17:8 Torschüsse, 55:45 Prozent Ballbesitz, 10:5 Ecken. Aber: 0:1 Tore. "Das ist bitter", konstatierte Polanski, der direkt nach der Partie frustriert die eigene Offensiv-Abteilung attackierte: "Ich bin fast sprachlos und verstehe nicht, warum wir in unserer Situation nicht einfachen, ehrlichen Fußball spielen. Da müssen wir schnell ansetzen."

Die Wirklichkeit hat die Hoffenheimer nicht nur in Hannover eingeholt. Kurz sagte bei seinem Amtsantritt, dass man noch "einen vorne dran schnappen wolle". Beck gab nach der achten Auswärtsniederlage der Saison indes zu: "Wir haben alle die Relegation im Hinterkopf." Ist der direkte Klassenerhalt bereits aufgegeben? Vier Punkte in vier Rückrundenspielen. Das ist zu wenig für eine Aufholjagd, vielmehr die Bilanz eines Absteigers. Okay, Kurz hat zumindest einen Wunsch in die Realität transportieren können: Hoffenheim strahlt deutlich mehr Sicherheit in der Defensive aus, spielt kompakter. Allerdings wird auch diese Steigerung von der Wirklichkeit in der Offensive weggewischt: Im Angriff agierten die Hoffenheimer in Hannover mal wieder zu harmlos.

Polanski attackiert Teamkollegen

Chancen zu einem Treffer waren vor allem im ersten Durchgang da, gewiss. Doch so richtig zwingend war das alles nicht, was die TSG vor dem 96-Tor anbot. "Uns fehlte die Zielstrebigkeit", erkannte Müller. Erst drei Tore hat die TSG in der Rückserie erzielt - allesamt von Kevin Volland. Igor de Camargo blieb erneut den Nachweis schuldig, im Abstiegskampf sofort helfen zu können. Der Winterneuzugang bemängelte für sich, dass die "letzten Bälle" nicht kämen. Polanski sah es etwas anders: "Wir hätten uns besser anbieten müssen."

Und dann ist da ist da noch der hehre Hoffenheimer Wunsch nach einem Rückhalt im Tor. Nach dem ganzen Wiese-Tamtam ist nun auch Heurelho Gomes in der Wirklichkeit der Bundesliga angelangt. Beim Siegtreffer der Niedersachsen sah der Brasilianer nicht gut aus, kam gegen Mame Diouf zu spät (8.). Kurz sprach seine neue Nummer eins zwar nicht gänzlich frei von Schuld, wollte aber verstanden wissen: "Diesen Gegentreffer können wir in allen Bereichen besser verteidigen." Der Begriff "Torwartproblem" machte trotzdem die Runde.

Am Sonntag (17.30 Uhr), im Prestige-Duell gegen den VfB Stuttgart, ist ein Heimsieg nun Pflicht.

© Mannheimer Morgen, Montag, 11.02.2013
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