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Fußball: Zweitligist reagiert mit drastischer Maßnahme auf Randale von Kaiserslautern und reist ohne Fans zu den nächsten drei Auswärtsspielen

Dresden sperrt den eigenen Anhang aus

Leere Ränge beim Geisterspiel Dresden gegen Ingolstadt: Dynamo verzichtet zunächst auf die Unterstützung von Auswärtsfans.

© dpa

Dresden. Dynamo Dresden will mit dem Ausschluss der eigenen Fans ein Zeichen setzen. Nach den schweren Ausschreitungen durch sogenannte Anhänger beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern will der stark abstiegsbedrohte Fußball-Zweitligist in den Partien bei Erzgebirge Aue (10. März), Eintracht Braunschweig (28. März) und Union Berlin (12. - 15. April) auf die eigenen Anhänger verzichten. "Wir bewegen uns als Verein auf ganz dünnem Eis und wir können nur gemeinsam den Karren aus dem Dreck ziehen", sagte Präsident Andreas Ritter.

Die Entscheidung durch die Dynamo-Gremien fiel am späten Dienstagabend, vier Tage nach der Randale vom Betzenberg. "Wir haben die Thematik ausführlich analysiert. Wir haben bei Auswärtsspielen immer wieder Vorfälle mit Fans, die wir nicht beeinflussen können und die auch größtenteils dem Dresdner Umfeld nicht zuzurechnen sind", erklärte Ritter.

Auf dem Betzenberg hatten sogenannte Anhänger der Sachsen während der 0:3-Niederlage massiv Pyrotechnik abgebrannt. Zudem hatten sie versucht, einen benachbarten Block zu stürmen. Nach dem Spiel waren Dresdner Fangruppen auf Polizisten auf dem Messeplatz losgegangen und hatten vier Busse mit Lauterer Anhängern sowie Einsatzfahrzeuge der Polizei beschädigt.

Auf "Spiegel Online" schilderte ein Dresdner Fan in dramatischen Worten die Ausschreitungen: "Was jetzt passiert, habe ich in zehn Jahren auswärts noch nie erlebt. Von links und rechts laufen Vermummte auf die Fahrbahn und stoppen unseren Bus. (. . .) Wir haben Todesangst. Und damit sind wir nicht allein. Neben uns zersplittern die ersten Scheiben. Menschen schreien in Panik, als die Vermummten versuchen, Einzelne aus dem Bus zu ziehen. Dabei ist denen völlig egal, ob es Frauen, Kinder oder Ältere trifft. Ich glaube, dass die Leute in unserem Bus den Schock ihres Lebens erleiden. Am Ende rettet uns nicht die Polizei - sondern der Busfahrer. Denn der macht genau das Richtige: Er gibt Gas und überfährt die Barrikaden der Gewalttäter."

Nun griff Dynamo im verzweifelten Kampf gegen die Randalierer erneut durch. Schon am 27. November 2011 beim FC St. Pauli waren die Sachsen ohne eigene Fans angetreten. Damals als Konsequenz auf die Vorfälle beim Pokalspiel bei Borussia Dortmund. "Auch in der Auswärtsfanszene wurden die Vorkommnisse in Kaiserslautern ganz stark kritisiert. Augenzeugen haben berichtet, dass in Kaiserslautern Fangruppierungen gesehen wurden, die in Dresden schon seit Jahren nicht mehr im Stadion waren", erklärte Ritter.

In den nächsten Tagen will der Verein mit seinen Anhängern in den Dialog treten und die weitere Vorgehensweise beraten. Es soll eine Charta für den Selbstregulierungsprozess erarbeitet und die Fanabteilung personell aufgestockt werden, um die angestrebten Maßnahmen umsetzen zu können. Zudem wird der Klub die aktive Strafverfolgung in die Wege leiten und dazu einen Rechtsanwalt sowie die Staatsanwaltschaft Dresden mit einbeziehen. dpa

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013
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