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Fußball: Mainz 05 zeigt beim 3:1 über Stuttgart erneut eine tolle taktische und spielerische Leistung

Mit Matchplan und Müller

Von unserem Redaktionsmitglied Marc Stevermüer

Mainzer Torschützen unter sich: Nicolai Müller (links) und Elkin Soto.

© dpa

mainz. Sie liefen und liefen und liefen. Mit Ball. Ohne Ball. Sie kreuzten und rochierten. Mit Ball. Ohne Ball. Sie waren überall, diese Mainzer. Die Männer in ihren roten Trikots machten mächtig Meter. Ganz so, als hätte Trainer Thomas Tuchel jeden einzelnen FSV-Profi zuerst wie eine Spieluhr aufgezogen und dazu höchstpersönlich mit Duracell-Batterien ausgestattet. Die sollen angeblich ja länger halten als andere.

Fest steht auf jeden Fall: Gegen den VfB Stuttgart gingen die Rheinhessen noch einmal weit über ihre Leidensgrenze hinaus. Der Lohn war ein 3:1 (0:0)-Erfolg über müde Schwaben, zu deren Stärken ebenfalls die Laufleistung zählt. Doch am Samstag war beim VfB der Akku leer. Dem kleinsten Kader der Liga sind die Europapokal-Belastung und Verletzungsprobleme deutlich anzumerken. Selbst eine 1:0-Führung durch ein Eigentor des Mainzer Torhüters Heinz Müller (48.) reichte nicht - weil die 05er sich auch nach dem Rückstand nicht beirren ließen und sich an Tuchels Matchplan hielten: laufen, laufen, laufen.

"Das war ganz schön anstrengend", pustete Nicolai Müller erst einmal kräftig durch und schnappte nach Luft. Er war ein ständiger Unruheherd, marschierte die Außenlinien rauf und runter, forderte immer den Ball - und sorgte mit zwei Treffern für die Wende (55. und 71.). Dreieinhalb Jahre ist es her, dass der Flügelflitzer zum letzten Mal doppelt traf. "Damals spielte ich noch für Sandhausen in der Dritten Liga und wir gewannen 3:0 in Offenbach", erinnerte sich Müller. Über die SpVgg Greuther Fürth kam er 2011 schließlich zum FSV.

Rauf und runter sei es gegen den VfB gegangen, meinte der 25-Jährige. In der ersten halben Stunde war es allerdings nur rauf gegangen. Genauer gesagt: Angriff auf Angriff rollte auf Stuttgarts Schlussmann Sven Ulreich zu. Phasenweise spielten die Rheinhessen den Europa-League-Teilnehmer an die Wand. "Das waren die besten 35 Minuten, die ich hier in Mainz bislang erlebt habe", staunte selbst Müller über den Angriffswirbel, "nur das Ding wollte nicht rein." Da er es nach der Pause besser machte als seine Kollegen Andreas Ivanschitz und Adam Szalai, stand am Ende ein 3:1-Sieg. Elkin Soto besorgte den Endstand in der Nachspielzeit, die Mainzer überwintern auf dem sechsten Tabellenplatz und dürfen von Europa träumen.

Schöner Augenblick

Müller mahnt indes zur Vorsicht und genießt nur den Augenblick. Dank der Winterpause wird sich das Tabellenbild mehrere Wochen nicht verändern, doch noch liegt alles recht eng beisammen. "Wir waren ja schon mal oben dran und dann nach einer Niederlage plötzlich wieder Elfter. Da wirst du verrückt. Deswegen ist es umso schöner, den Winter über in der oberen Tabellenhälfte zu stehen", freute sich der umjubelte Matchwinner, der aber die Beine noch nicht hochlegen darf.

Am Dienstag steht das DFB-Pokalspiel bei Schalke 04 an, auch da möchte Trainer Tuchel wieder Leidenschaft und Hingabe sehen: "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Läuferisch, spielerisch und taktisch hat sie in dieser Saison in jedem Heimspiel eine Topleistung abgerufen. Diese Lust auf Leistung ist außergewöhnlich."

Müller ist auf jeden Fall schon heiß auf das Pokalspiel: "Wir haben Kraft für 90 oder 120 Minuten." Der 25-Jährige sagt das mit einer derartigen Überzeugung, als wisse er genau, dass die Mainzer morgen wieder marschieren werden. Duracell-Batterien halten wohl nicht nur länger, sie laden auch schneller auf.

© Mannheimer Morgen, Montag, 17.12.2012
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