DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Sonntag, 01.02.2015

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Fußball: Kreisliga-Spieler muss nach brutalem Foul 50 000 Euro Schmerzensgeld zahlen / DFB-Vize Rothmund fürchtet Auswirkungen

„Richtungsweisendes Urteil“

Fußballspieler müssen bei rücksichtslosen Fouls für dabei entstehende Verletzungen haften.

© dpa

Duisburg/Düsseldorf. Grobe Fouls im Fußball können nach einem richtungweisenden Urteil drastische finanzielle Konsequenzen für die Übeltäter haben. "Das hat Auswirkungen für den ganzen Fußball, aber es betrifft natürlich besonders den Amateurbereich und die Schiedsrichter", kommentierte DFB-Vizepräsident Karl Rothmund den bemerkenswerten Spruch des Oberlandesgerichts Hamm: 50 000 Euro Schmerzensgeld muss ein Kreisliga-Fußballer zahlen, weil er seinen Gegenspieler so schwer verletzt hatte, dass dieser seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Sportanwalt Christoph Schickhardt sieht in dem Urteil hingegen keine Auswirkungen auf den Profifußball. "Da gibt es keine Prozessflut", sagte er. "Diese Rechtsprechung, die bereits vom Bundesgerichtshof in den 80er Jahren entwickelt worden ist, ist völlig anerkannt und unbestritten." Sie gelte für alle sogenannte "Kampfsportarten". Das jetzige Urteil sei "gar nix Neues", meinte Schickhardt.

"Relativ selten Erfolg"

Im Profibereich würden mitunter Krankenkassen, die die Gehälter von verletzten Spielern weiterbezahlen, Ansprüche an den Verursacher von schweren Verletzungen geltend machen - "in Zeiten klammer Kassen immer öfter". Es sei jedoch relativ selten, dass dies mit Erfolg geschehe.

Auch Rainer Koch, der für Rechts- und Satzungsfragen zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), findet zunächst "keinen neuen Aspekt", sagte aber auch: "Angesichts der Höhe des zugesprochenen Schmerzensgeldes wird man das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm genau analysieren müssen."

Die Fußballergewerkschaft VdV heißt das Urteil jedenfalls gut. "Das ist in Ordnung, wenngleich 50 000 Euro eine Menge Holz für den Betroffenen sind", meinte VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. "Aber in der Tat ist der Fußballplatz kein rechtsfreier Raum", ergänzte er. Rothmund sagte: "Die besonders brutalen Fouls passieren nach unserer Erfahrung oft in den unteren Spielklassen." Weil es in diesen Ligen oft sehr große Beweisschwierigkeiten gebe, käme es da "immer mal wieder zu Prozessen wie jetzt in Hamm", meinte Schickhardt.

Es gibt ein Grundproblem, speziell bei zivilrechtlichen Verfahren: Wie soll bei groben Fouls mit schweren Verletzungsfolgen für den Gefoulten der Vorsatz des Foulenden bewiesen werden? Der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner sagt, ein Schiedsrichterpfiff entscheide nicht über einen Rechtsanspruch. Klar ist für Lehner eines: "Die sogenannte Blutgrätsche im Fußball ist vorsätzliche Körperverletzung." Der Jurist sagte, es "könnte" eine Zahlung vom Verursacher des Regelverstoßes fällig werden.

Bei rücksichtslosen Fouls, die schwere Verletzungen nach sich zögen, müssten Fußballer mit solchen Urteilen rechnen, meinte VdV-Justiziar Frank Rybak. Er schränkte aber grundsätzlich ein, dass Fußballer bereits beim Betreten des Platzes mit Verletzungen rechnen müssten.

Das Gericht hatte dem klagenden Fußballer 50 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Er war bei einem Kreisligaspiel von seinem Konkurrenten so schwer am Knie verletzt worden, dass er seinen Beruf als Maler und Lackierer auch gut zweieinhalb Jahre nach dem Foul nicht mehr ausüben kann. dpa

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 28.11.2012
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Facebook Fans des Mannheimer Morgen

Newsletter

Die "Morgenweb"-Redaktion hält Sie auf dem Laufenden - am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Urlaub. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein:

Weitere Newsletter

Jungfernfahrt

«Aufregender Moment» für Silberpfeil-Crew

Es wird wieder gefahren. Die Testrunden der Formel 1 haben begonnen. Unmittelbar zuvor stellte Mercedes fix noch seinen neuen Silberpfeil vor allem mit veränderter Nase vor. Als erster auf die Strecke fuhr aber ein anderer. [mehr]

Eishockey (mit Video)

Adler gehen auf Bärenjagd

Tabellenführer Mannheim tritt am Freitagabend bei den Iserlohn Roosters an. Die Sauerländer hatten zuletzt von sich reden gemacht, als sie der 4:9-Niederlage gegen Hamburg einen 9:1-Sieg über Krefeld folgen ließen. [mehr]

Handball

Löwen hoffen auf Ende des Vize-Fluchs

Die Dänen Niklas Landin und Mads Mensah Larsen von den Rhein-Neckar Löwen wollen bei der Handball-WM in Katar endlich Gold holen – aber der Start ging daneben. [mehr]

Hörbar

Sport allgemein

Ecclestone will lautere Formel-1-Motoren

Die teilweise sinkenden Zuschauerzahlen sorgen Bernie Ecclestone. Also müssen wieder Veränderungen in der Formel 1 her. Mit den Teams will er in der kommenden Woche sprechen. Das Ziel: Mehr Spektakel, weniger Ausgaben. [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR