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Handball: Der ehemalige Weltklasse-Torwart Henning Fritz glaubt an die Qualitäten der DHB-Auswahl und traut ihr den WM-Titel in Frankreich zu

„Ich sehe Deutschland vorne“

Von unserem Redaktionsmitglied Marc Stevermüer

Karrierehöhepunkt: Henning Fritz ist Weltmeister 2007. Er verletzt sich im Finale, kommt auf Krücken zur Siegerehrung.

© dpa

Mannheim. Er weiß, wie man Weltmeister wird: Henning Fritz. Der ehemalige Weltklasse-Torwart und Schlussmann der Rhein-Neckar Löwen gewann 2007 mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft den Titel. Beim Turnier 2017 ist der 42-Jährige der WM-Experte dieser Zeitung - und er glaubt an den großen Coup.

Herr Fritz, wie bewerten Sie die Entwicklung der DHB-Auswahl seit dem EM-Sieg 2016?

Henning Fritz: Die deutsche Mannschaft hat auf jeden Fall gezeigt, dass der Gewinn der Europameisterschaft kein Zufall war. Mit Olympia-Bronze hat sie die starken EM-Leistungen bestätigt. Dieses Team hat rasend schnell einen Reifeprozess durchlaufen und weiß auch selbst, dass es zu den besten Mannschaften der Welt gehört - und dieses Wissen gibt Selbstvertrauen.

Henning Fritz

  • Privates: Henning Fritz wurde am 21. September 1974 in Magdeburg geboren. Er lebt in Östringen mit seiner Frau Babett und den zwei gemeinsamen Töchtern.
  • Vereine: Dynamo Magdeburg (bis 1984), TuS Magdeburg (1984-1988), SC Magdeburg (1988-2001), THW Kiel (2001-2007), Rhein-Neckar Löwen (2007-2012).
  • Größte Vereinserfolge: Pokalsieger 1996, 2007; Champions League-Sieger 2007; EHF-Pokalsieger 1999, 2001, 2002, 2004; Meister 2001, 2002, 2005, 2006 und 2007.
  • Erfolge mit Nationalteam: Olympia-Silber 2004, Europameister 2004, Weltmeister 2007.
  • Nach der Karriere: Co-Kommentator bei Sky, Handball-B-Lizenz-Inhaber, abgeschlossenes Studium europäisches Handball-Management.

In der Vorbereitung hat die Mannschaft beide Testspiele deutlich gewonnen. Waren die Gegner Rumänien und Österreich zu schwach oder die Deutschen so gut?

Fritz: Diese Frage stellt sich bei so deutlichen Ergebnissen natürlich immer. Aber ich glaube einfach, dass die Deutschen so gut sind und die Gegner großen Respekt haben, gerade auch vor der physischen Präsenz in der Abwehr. Unsere Mannschaft ist schnell, beweglich, körperlich stark - das hat keine andere Nation.

Mit Hendrik Pekeler fehlt aber eine zentrale Säule für die 5:1-Variante in der Abwehr.

Fritz: Was diese Mannschaft auszeichnet, haben wir vor einem Jahr gesehen. Es ist ein Leistungsträger nach dem anderen ausgefallen und trotzdem wurde Deutschland am Ende Europameister, weil immer wieder starke Spieler nachrückten. In diesem Team ist aufgrund der großen Breite jeder ersetzbar, diese Qualität hat es in der Vergangenheit sehr selten gegeben.

Wie bewerten Sie den deutschen Angriff?

Fritz: Es gibt viele Möglichkeiten. Ich kann wirklich nicht sagen, wer auf welcher Position die Nummer eins ist. Es ist egal, wen Bundestrainer Dagur Sigurdsson da aufstellt, jeder übt sofort Druck auf die gegnerische Abwehr aus. Und wenn er nicht angegriffen wird, nagelt er den Ball auf das Tor. Draufballern kann zwar jeder, aber die geringe Fehler- und hohe Trefferquote der Deutschen ist schon beeindruckend.

Für die halbrechte Position steht vorerst nur Kai Häfner im Aufgebot. Ist das nicht ein bisschen dünn?

Fritz: Ich gehe fest davon aus, dass wir Holger Glandorf im Laufe der WM noch sehen werden. Holger hat immer gesagt, dass er seinem Körper ein komplettes Turnier nicht mehr zumuten möchte. Aber je näher die Deutschen Richtung Finalspiele kommen, umso höher wird seine Motivation sein, dabei zu sein (lacht).

Was halten Sie von Andy Wolff und Silvio Heinevetter? Die beiden deutschen Schlussmänner sind schon ziemlich schräge Typen . . .

Fritz: Das kann man so sagen. Sie bedienen beide das Klischee, dass Torhüter eine eigene Spezies sind (lacht). Andy Wolff verkörpert das Ideal eines aktuellen Torwarts. Er zeigt konstant starke Leistungen, ist groß, athletisch, beweglich und hat ein gutes Timing. Bei Silvio Heinevetter sehe ich einen Reifeprozess. Seine Turnierleistungen waren in der Vergangenheit durchaus schwankend, aber er hat sich in seiner Persönlichkeit entwickelt und das spiegelt sich in seinen Leistungen wider. Wenn sich beide Torhüter so unterstützen wie in den Testspielen, haben wir das beste Torwartgespann der WM.

Bundestrainer Sigurdsson beziffert die Siegchancen seines Teams im Auftaktspiel gegen Ungarn auf 40 Prozent. Ist das Tiefstapelei?

Fritz: Das kann man ja nicht anders erklären. Ich sehe darin eher eine strategische Äußerung und finde es nicht schlecht, dass Dagur das gesagt hat, damit auch jeder seiner Jungs hellwach und konzentriert ist. Denn gerade Auftaktspiele bei einem Turnier sind immer etwas gefährlich. Und mit einer bösen Überraschung möchte er sicherlich nicht in die WM starten.

Deutschland oder Kroatien, wer gewinnt die Vorrundengruppe?

Fritz: Deutschland. Natürlich sind die Kroaten gut, aber sie sind auch sehr stark abhängig von Domagoj Duvnjak. Ich glaube nicht, dass er dieses Pensum durchhalten wird, weil er schon seit Jahren in der Nationalmannschaft und beim THW Kiel sehr viel spielen muss.

Einen so bestimmenden Spieler wie ihn hat die DHB-Auswahl nicht.

Fritz: Und das ist der große Vorteil der Deutschen. Sie haben keinen Spieler, von dem sie abhängig sind. Jeder kann eine Partie entscheiden und von der Bank kommt immer reichlich Qualität nach. Diese Flexibilität und Variabilität spricht gegenüber allen anderen Topnationen für uns. Dänemark ist von Mikkel Hansen abhängig, Kroatien von Duvnjak, Frankreich von Nikola Karabatic und Daniel Narcisse. Bei Deutschland muss sich jeder Gegner nicht auf einen, sondern auf viele Spieler einstellen. Hinzu kommen die Athletik und Physis der Deutschen, da kann keine andere Nation mithalten. Wenn diese deutsche Mannschaft von ihrem Auftreten so weitermacht wie 2016, sehe ich keinen Gegner, der dieses Team schlagen kann.

Auch nicht Gastgeber Frankreich?

Fritz: Natürlich haben die Franzosen in den vergangenen Jahren viel erreicht und es wird für sie eine besondere Motivation sein, die WM im eigenen Land zu gewinnen. Aber der Erfolgshunger der Deutschen ist nicht kleiner.

Beide Mannschaften standen sich im Olympia-Halbfinale gegenüber, vor fünf Monaten gewann Frankreich knapp 29:28.

Fritz: Dieses Spiel haben die Deutschen in der ersten Halbzeit verloren, weil sie einen zu großen Respekt gezeigt haben. Aber das wird ihnen nicht noch einmal passieren. Und deswegen sehe ich Deutschland bei dieser WM vorne.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 12.01.2017
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