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Handball: DHB-Teammanager Oliver Roggisch spricht vor der EM über die Ausfälle, die Ziele, die Perspektive und schlägt für die Liga Play-offs um den Klassenerhalt vor

„Medaille zu erwarten wäre Quatsch“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 05.01.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Marc Stevermüer

Einst war er Kapitän der Nationalmannschaft, jetzt ist er der DHB-Teammanager: Oliver Roggisch.

© dpa

Stuttgart. Die etablierten Flügelspieler Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki fehlen, ebenso Patrick Wiencek, Michael Allendorf und Paul Drux. Vor der EM hat das Verletzungspech bei der deutschen Nationalmannschaft zugeschlagen, heute (20.15 Uhr) testet die DHB-Auswahl in der ausverkauften Stuttgarter Porsche Arena gegen Tunesien. Zuvor nahm sich Teammanager Oliver Roggisch Zeit für ein Interview.

Herr Roggisch, wie hart treffen die Ausfälle die deutsche Auswahl?

Oliver Roggisch: Wenn ich für die Nationalmannschaft spreche: Wir haben auf den Außenpositionen sehr gute Alternativen. Da treffen uns die Ausfälle nicht so hart wie es im Rückraum der Fall wäre. Aus Sicht der Rhein-Neckar Löwen bewerte ich das natürlich anders. Das Programm für die Champions-League-Teilnehmer Flensburg, Kiel und Löwen ist knallhart, die Belastung viel zu hoch. Seit Jahren reden wir darüber, doch es passiert nichts. Wenn man aber jetzt die ganzen Verletzten bei Kiel und den Löwen sieht, ist es an der Zeit, Dinge zu verändern und Lösungen zu erarbeiten, um die Topspieler zu entlasten.

Oliver Roggisch

  • Oliver Roggisch wurde am 25. August 1978 in Villingen-Schwenningen geboren und ist aktuell Teammanager der Handball-Nationalmannschaft und des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen.
  • Als Abwehrspezialist trug er von 2007 bis 2013 das Trikot der Löwen. Zuvor war der Blondschopf für den SC Magdeburg, TUSEM Essen, Frisch Auf Göppingen und TuS Schutterwald aktiv.
  • Roggisch gewann mit Magdeburg, Essen und den Löwen den EHF-Cup, bestritt 205 Länderspiele, war Kapitän der Nationalmannschaft und wurde 2007 Weltmeister.

Wie soll das gehen?

Roggisch: Es gibt die Möglichkeit, die Liga zu verkleinern - und trotzdem kämen die Mannschaften, die nicht international vertreten sind, noch auf ihre Spiele, wenn man Play-offs um den Klassenerhalt einführt. Dann hätten die Klubs aus der unteren Tabellenregion auch keine finanziellen Einbußen, weil ihnen bei Play-offs trotz reduzierter Liga keine Heimspiele verloren gingen. Und die Topklubs würden auf diese Weise entlastet. Solchen Ideen sollte sich keiner mehr verschließen. Denn so kann es nicht weitergehen.

Wäre es nicht besser, die Champions League zu reduzieren?

Roggisch: Ich verstehe die Vereine aus Frankreich, Spanien, Ungarn oder Polen, für die die Champions League das Nonplusultra ist und die gerne viele Spiele in diesem Wettbewerb bestreiten, weil dort die nationalen Ligen nicht so stark sind wie in Deutschland. Das Problem mit der hohen Belastung gibt es nur für die deutschen Teams. Deswegen sollten wir schauen, ob wir nicht eine nationale Lösung wie eben die Verkleinerung der Bundesliga finden.

Aus Sicht der Löwen kommen die Verletzungen von Gensheimer und Groetzki doch bestimmt nicht ungelegen. Jetzt können sie sich ausruhen.

Roggisch: Das würde ich nicht so sehen. Wenn man ein erfolgreiches Turnier spielt, kann das einen unglaublichen Schub geben. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Mal abgesehen davon, dass es bestimmt nicht der Wunsch der Spieler ist, auf solch ein Turnier zu verzichten. Für Deutschland zu spielen, ist immer noch eine Ehre.

Was bedeutet der Ausfall Gensheimers mit Blick auf dessen Führungsrolle?

Roggisch: Ein Ausfall eines solchen Spielers wirkt sich natürlich auf jede Mannschaft der Welt aus. Wir haben aber andere Typen, zum Beispiel Steffen Weinhold. Den haben viele zwar nicht als Anführer auf dem Zettel, aber er ist genau das. Deswegen ist er auch jetzt der Kapitän.

Prunkstück der Deutschen war bei der WM 2015 in Katar die Abwehr. Jetzt fehlt aber mit Wiencek ein Schlüsselspieler.

Roggisch: Immerhin hat es Hendrik Pekeler noch rechtzeitig geschafft, wieder fit zu werden. Mit ihm haben wir jetzt noch eine Alternative, auch taktisch gesehen. Mit ihm können wir in einer 5:1-Formation agieren, die nach Übergängen in die 6:0 zurückgeht. So wie wir es schon bei der WM und zuletzt auch bei den Löwen gemacht haben. Ansonsten haben wir natürlich auch eine starke 6:0 mit Erik Schmidt und Finn Lemke, die jeweils über zwei Meter groß sind und defensiv Bälle blocken können. Wir sind variabel in der Abwehr, die schon immer unsere Stärke war. Wenn dann ein guter Torwart dazukommt und wir schnelle Gegenstöße laufen, kann das ein gutes Turnier werden.

Ist das Jahr 2016 von entscheidender Bedeutung für den DHB?

Roggisch: Jedes Jahr nach dem WM-Titel 2007 war immens wichtig, wir hatten einige Höhen und Tiefen und sehr viele Negativ-Schlagzeilen. Nun wollen wir zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind. Dafür war die WM 2015 mit dem siebten Platz ein guter Anfang, auch das Umfeld im DHB hat sich sortiert. Jetzt liegt es an der Mannschaft, die Leistung aus Katar zu bestätigen - und zwar nicht nur mit Blick auf die Platzierung, sondern auch, was das Auftreten auf dem Feld angeht. Leidenschaft, Kampf, Wille - das wollen die Fans sehen. Und dann werden wir hoffentlich in naher Zukunft einen weiteren Schritt nach vorne machen.

Die gewiss gute Perspektive ist das eine, die Gegenwart das andere: Muss die junge deutsche Mannschaft mit Blick auf den Stellenwert des Handballs in Deutschland nicht schon jetzt eine Medaille abliefern?

Roggisch: Nein, das sehe ich nicht so. Von einer Medaille zu sprechen oder sie zu erwarten, wäre Quatsch. Logischerweise würde eine Top-Drei-Platzierung unglaublich helfen, um in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Rolle zu spielen. In dieser Hinsicht ist auch die Olympia-Qualifikation von großer Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass jeder die Fortschritte und das Potenzial dieser Mannschaft sieht. Die Vorzeichen stimmen, die Tendenz geht in die richtige Richtung. Und wenn wir so weitermachen, kommen Medaillen von ganz alleine.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 05.01.2016
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