Der Tiefpunkt in dieser verrückten Saison war Hockenheim. Ausgerechnet. Beim Heim-Grand-Prix, den Sebastian Vettel noch nie gewinnen konnte - und es auch diesmal nicht schaffte. Nachträglich wurde dem Heppenheimer der zweite Platz hinter Sieger Fernando Alonso aberkannt, er rutschte auf Rang fünf zurück - und in der WM-Wertung lag er nun 44 Punkte hinter dem spanischen Ferrari-Piloten. Die Experten urteilten, der WM-Zug sei abgefahren - erst recht, als Vettel bis Monza Anfang September den Rückstand nicht wettmachen konnte. Doch dann folgte das Vettel-Wunder, die Aufholjagd - und nun beim dramatischen Finale in Sao Paulo der grandiose Triumph mit dem dritten WM-Gewinn in Serie.
Vettel hat es wieder allen gezeigt. Er hat demonstriert, was erreichbar ist, wenn ein Sportler unbeirrt, voll fokussiert und mit dem Einsatz aller technischer Möglichkeiten nach der Spitze strebt. Aber der 25-Jährige hat 2012 auch bewiesen, dass er zu den ganz Großen in der Formel 1 gehört - nicht zuletzt durch seine grandiose Aufholjagd in Abu Dhabi oder seine Coolness in der nervenzerreißenden Regenschlacht von Brasilien.
Vettel ist gereift - als Sportler und als Mensch. Ihm ist es gelungen, in der wichtigen Saisonschlussphase sein Team noch einmal auf das große Ziel einzuschwören. Dass er dabei eine tolle Technik zur Verfügung hat, ist die eine Seite. Diese Technik auch perfekt zu nutzen, ist die andere - die weltmeisterliche Seite.