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Zwei Seiten der Medaille

Alexander Müller

Alexander Müller

Alexander Müller

© red

In der Diskussion um die angeblich steigende Fan-Gewalt im Fußball ist vieles schiefgelaufen. Wo Differenzierung notwendig ist, wurden zu oft völlig unterschiedliche Vorfälle in einem Topf verrührt und populistisch zubereitet: Der Platzsturm von Düsseldorf beispielsweise war eben keine Randale, erst recht keine Fan-Gewalt, sondern ein - zugegeben selten dämlicher - Ausdruck von Freude. Und dass einige Länder-Innenminister und Polizeigewerkschafter das Thema mit völlig übertriebenen Darstellungen zur eigenen Profilierung ausnutzen wollten, gehört genauso zur oft unterschlagenen Wahrheit, wie die erniedrigende Schikane, denen Gästeanhänger mancherorts ausgesetzt sind.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite finden wir die hässliche Fratze derer, die den Fußball für ihre kriminellen Zwecke instrumentalisieren. Wer, wie in Kaiserslautern geschehen, Busse mit kleinen Kindern und Müttern angreift, der sollte definitiv einmal hautnah erleben, wie ein deutsches Gefängnis von innen aussieht. Warnschussarreste können für manchen Halbstarken eine heilsame Erfahrung sein.

Die übergroße Mehrheit der Anständigen und Vernünftigen unter den Fans darf nicht mehr nur über die zunehmenden Repressionen jammern, sie steht auch in der Pflicht: Die unerträgliche Solidarität mit den Chaoten in der Kurve (Stichwort: "Sektion Stadionverbot") muss endlich aufhören. Wer den randalierenden Block-Nachbarn meldet, ist kein Denunziant, sondern handelt zum Wohl seines Vereins und des Fußballs insgesamt.

DFB stößt an seine Grenzen

Der Fall Dynamo Dresden beweist, dass der DFB mit seiner bisherigen Politik der Bestrafung des gesamten Klubs für Ausschreitungen einer Minderheit an Grenzen stößt. Die Sachsen signalisieren ihre Überforderung mit dem Problem, das durch weitere Geisterspiele oder einen Ausschluss aus dem DFB-Pokal eher verschlimmert als gelöst wird. Denn eben jene Einnahmen fehlen dem Verein, um sie in die Fanarbeit zu stecken. Das ist übrigens das richtige Gebiet, in das die Bundesligisten ihre zusätzlichen TV-Millionen investieren sollten - Profis und Berater sind schon jetzt ausreichend versorgt.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 12.02.2013
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