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Handball: Löwen lassen ihren Star Kim Ekdahl du Rietz im Sommer auf Weltreise gehen / Momir Rnic kommt als Ersatz

Der etwas andere Profi

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 10.01.2017

Von unserem Redaktionsmitglied Marc Stevermüer

Kim Ekdahl du Rietz (Mitte) spielt eine überragende Saison bei den Löwen.

© dpa

Mannheim. Am 18. Dezember unternahm Jennifer Kettemann einen letzten Versuch. Sie traf sich mit Kim Ekdahl du Rietz, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Zumindest noch ein Jahr. Mehr wollte die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen nicht. Doch schnell entwickelte sich das Gespräch in eine eindeutige Richtung. Der schwedische Weltklasse-Handballer will die Badener trotz eines Vertrages bis zum 30. Juni 2018 am Saisonende verlassen und auf Weltreise gehen. "Das ist sein größter Wunsch. Es gab keine Chance, ihn zu überreden, noch bis 2018 zu bleiben", berichtet Kettemann von ihrem Treffen mit Ekdahl du Rietz: "Ich bedaure seine Entscheidung sehr, respektiere aber seine Zukunftsplanung. Kim möchte einen neuen Lebensabschnitt ohne Leistungssport beginnen."

Ohne irgendeine Entschädigung lassen die Löwen den Schweden aber nicht ziehen, wie Kettemann verriet. Das hatte sie ohnehin immer angekündigt. Wie die Übereinkunft nun aussieht, ist aber offen. Der Vertrag des 27-Jährigen beinhaltet eine Ausstiegsklausel zum Saisonende, zu einer festgeschriebenen Ablösesumme kann er den Club verlassen. Denkbar ist, dass er einen Teil dieses Geldes zahlen muss. Ekdahl du Rietz wollte sich gestern nicht weiter zu dem Thema äußern und ließ über Pressesprecher Christopher Monz ausrichten, dass persönliche Gründe zu der Entscheidung geführt hätten.

Für Trainer Nikolaj Jacobsen ist der Weggang des seit Monaten überragend auftrumpfenden Rechtshänders auf jeden Fall ein schwerer Schlag: "Er spielt die stärkste Saison, seit er bei uns ist und gehört für mich zu den besten Spielern Europas. Kim werden wir nicht komplett ersetzen können."

Der mutige Schritt des Halblinken kommt allerdings nicht überraschend. "Wir alle wissen, was Kim für ein Mensch ist", sagte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch mit Blick auf den Rechtshänder, für den der Handball nicht alles im Leben bedeutet. Sein Klub-Kollege Andreas Palicka kann das nur bestätigen: "Kim ist ein Bohème, will viele Sprachen und Kulturen kennenlernen und auf Reisen gehen. Der ist kein normaler Schwede, aber ein verdammt geiler Typ."

In der Tat ist Ekdahl du Rietz kein ganz gewöhnlicher Handball-Profi, sondern eine authentische, sympathische und vor allem bodenständige Persönlichkeit. In Heidelberg fällt der Schwede zwischen den vielen Studenten gar nicht auf, wenn er mit Fahrrad, Rucksack und zusammengebundenen langen Haaren in der Stadt unterwegs ist. Aus Status-Symbolen oder Geld macht sich der 27-Jährige sowieso nicht viel. Ein schickes Auto ist ihm einfach nicht wichtig, andere Dinge hingegen schon.

Studium, Sprachen, Segelschein

Zum Beispiel sein Psychologiestudium, dass er mit Begeisterung verfolgt. Wenn die Löwen auf Reisen sind, schaut er im Flugzeug nicht unbedingt einen Film, sondern lernt. Fach-Aufsätze sind immer mal wieder im Gepäck, oft auch auf Englisch. Oder er kauft sich eine Zeitung, um darin eine große Analyse über die Bedrohung von Rechtspopulistin Marine Le Pen für die französische Gesellschaft zu lesen. Zuletzt geschehen auf dem Rückflug aus Skopje. Keine Frage: Dieser Mann schaut gerne über den Tellerrand hinaus und ist stets bemüht, seinen Horizont zu erweitern. Der 27-Jährige spricht Englisch, Deutsch, Französisch und Schwedisch. Zuletzt machte Ekdahl du Rietz einen Segelschein, weil er seine Weltreise gerne mit dem Boot starten möchte.

Um für solche Dinge Zeit zu haben, beendete er - allerdings auch wegen anhaltender Knie-Probleme - schon als 25-Jähriger seine Nationalmannschaftskarriere. "Das war sicherlich eine meiner schwierigsten, aber eben auch eine meiner besten Entscheidungen", sagte der Olympia-Zweite von 2012 vor etwa einem Jahr, als er diesen Schritt rückwirkend bewerten sollte: "Es ging darum, die richtige Balance zwischen Handball und meinem restlichen Leben finden."

Ab Sommer kann er sich dann auf Letzteres konzentrieren und die Löwen aus der Ferne verfolgen. Der Bundesligist hat bereits mit Momir Rnic (kleines Bild) einen Nachfolger verpflichtet, der Serbe kommt für ein Jahr von der MT Melsungen und ist die klassische Übergangslösung. Ein vorzeitiger Transfer von Steffen Fäth, der 2018 von den Füchsen Berlin kommt, war nämlich nicht machbar. "Kims Verbleib wäre die Optimallösung gewesen. Diese war aber einfach nicht zu realisieren", sagte Kettemann, die mit dem Schweden keine Vereinbarung über die Saison 2017/2018 traf: "Das wäre auch vertraglich schwierig zu bewerkstelligen gewesen. Wenn Kim plötzlich Lust hat, wieder Handball bei einem Verein zu spielen, kann er das machen." Realistisch klingt dieses Szenario allerdings nicht.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 10.01.2017
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