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Reaktionen auf Olympia-Aus für Ringer:

"Das ist eine Katastrophe"

Rhein-Neckar. Olympia-Aus für das Ringen: Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat die klassische Sportart am Dienstag überraschend aus dem Programm für die Sommerspiele 2020 gestrichen und damit die Ringer-Szene in der Region in einen Schockzustand versetzt.

Pasquale Passarelli, der in Ludwigshafen aufgewachsene Ringer-Olympiasieger von 1984, hat die Streichung der Traditions-Sportart mit großer Bestürzung aufgenommen. "Das ist traurig. Es ist eine der ältesten Sportarten", sagte der 55-Jährige. Der ehemalige Welt- und Europameister war von der Entscheidung vollkommen überrascht: "Das Ringen ist zwar in letzter Zeit schlechter geworden, auch durch die Regeländerungen. Aber ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Ich dachte, die Sportart kann sich noch erholen."

Gerhard Ronellenfitsch (Östringen), der Präsident des Nordbadischen Ringer-Verbandes, reagierte ebenfalls entsetzt: "Ich bin geschockt, dass die älteste Sportart aus dem olympischen Programm verschwinden soll - da sitzen die falschen Leute an der Spitze des internationalen Ringerverbands FILA. Unsere Lobby ist in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit immer schlechter geworden, wir haben an Ansehen verloren. Das Fernsehen berichtet nur noch teilweise in den dritten Programmen. Durch die FILA wurden in den letzten Jahren fast jedes Jahr Änderungen vorgenommen, für einen Laien war Ringen immer schwerer zu verstehen."

Noch weiter geht Willi Ullrich, der nordbadische Landestrainer: "Das ist eine Katastrophe fürs Ringen, da ist zu befürchten, dass Ringen vielleicht bald von der Bildfläche verschwindet. Das Olympia-Aus hat vielfache Auswirkungen: Zuschüsse werden gekürzt, Trainerstellen fallen weg, die Sportfördergruppe wird verkleinert oder möglicherweise aufgelöst, die Bundesliga verliert ihre Attraktivität. Wie weit sich dies auf die untere Ebene auswirkt, muss man abwarten. Allerdings werden starke Nationen wie Russland, USA und Iran gegen die Streichung angehen- der Deutsche Ringer-Bund hat leider international wenig Einfluss".

Werner Schroeter (68), Olympiateilnehmer 1972, Vize-Welt- (1970) und Vize-Europameister (1974), achtfacher deutscher Meister, später Landrat im Rhein-Pfalz-Kreis. "Ich bin fassungslos. Die Olympier, die das beschlossen haben, muss der Geist verlassen haben. Ringen ist in jeder Kultur der Völker dieser Welt vertreten - es ist in Bahnen gelenktes Raufen, das überall schon die Kinder betreiben. Mit diesem Beschluss hat man der Olympischen Bewegung ein Standbein genommen, denn schon in der Antike war Ringen Teil des Pentathlons. Pierre de Coubertin und Wilfried Dietrich würden sich im Grabe umdrehen... Aber eigentlich kann man nur bitter lachen, wenn eine der elementarsten Sportarten von Olympia verbannt wird, während andere sich um die Anerkennung bemühen, bei denen man erst nach ihrem Sinn fragen muss."

Willi Heckmann (60), Olympiateilnehmer 1976, siebenfacher deutscher Meister, Leiter und Landestrainer am Olympiastützpunkt Schifferstadt. "Das ist eine Katastrophe - ich kann das einfach nicht verstehen. Ringen war schon 1896 olympisch - und nun das. Es ist einfach unbegreiflich. Vielleicht hat bei der Entscheidung der Olympia-Oberen nur der Kommerz mitgespielt - das wäre fatal. Ich weiß jetzt natürlich nicht, wie es mit unserer Sportart in Deutschland weitergehen soll."

Markus Scherer (50), Olympiazweiter 1984, Olympiasechster 1988, Europameister 1989, WM-Zweiter 1983, zehnfacher deutscher Meister, Landestrainer am Olympiastützpunkt Schifferstadt. "Ich bin schockiert. Ich hätte nie geglaubt, dass Ringen einmal zur Debatte steht und bin deshalb jetzt total vor den Kopf gestoßen. Olympia ohne Ringen ist für mich eine Horrorvision. Doch lassen wir das erst mal sacken: Vielleicht machen die großen Ringer-Nationen wie Russland Druck und es geht wieder rückwärts. Noch etwas: Wenn Olympia 2020 in der Türkei stattfinden sollte - und das dann ohne Ringen, das wäre wie Gulasch ohne Fleisch... Zunächst aber werde ich als Trainer weiterarbeiten wie bisher und meine Leute auf ihre Meisterschaftsaufgaben vorbereiten." Werner Wolf, Abteilungsleiter Ringen des Neu-Bundesligisten KSV Schriesheim war total überrascht von der Meldung: "Dies ist ein Hammer, die älteste Sportart soll gestrichen werden und dafür wohl andere Sportarten ins Programm kommen, da kann ich nur den Kopf schütteln". Wieweit dies Auswirkungen auf die Bundesliga hat, konnte Wolf noch nicht deuten, "dazu ist diese Meldung zu schockierend".

Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes: "Totales Entsetzen - ich kann mir dies gar nicht vorstellen, es war nie die Rede über die Streichung der Ringer aus dem olympischen Programm, im Gegenteil, ab 2016 sollten die Frauen möglicherweise alle 7 Gewichtsklassen besetzen (bisher vier)".  Werner: "Den DRB trifft die Entscheidung aus heiterem Himmel, wir müssen die Reaktion des Weltverbandes FILA abwarten".

DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis: "Für mich ist das ein absoluter Schock. Mit dieser Entscheidung stirbt ein Stück olympischer Gedanke".

Frank Heinzelbecker - DRB-Vizepräsident Marketing und Trainer des Bundesligisten SVG Weingarten: "Dies ist ein Schock, nicht nur für das deutsche Ringen, es trifft die ganze Welt. Umso schlimmer noch, dass wir dies aus den Medien erfahren und nicht über den offiziellen Weg IOC - FILA - DRB, dies ist nicht der richtige Weg. Bedenkt man noch, dass bei Olympia in London 70 Nationen am Start waren und 29 davon Medaillen erkämpften und dann mit anderen Sportarten vergleicht, ist man fassungslos über eine solche Entscheidung" (PW/rs/red)

Mittwoch, 13.02.2013
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