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Eishockey: Die Gründe für das frühe WM-Aus sind vielschichtig und nicht allein an der Taktik festzumachen

Den Elchtest nicht bestanden

Von unserem Mitarbeiter Thomas Schulz

Bei der WM teures Lehrgeld bezahlt: Bundestrainer Jakob Kölliker und sein Stürmer Christoph Ullmann von den Mannheimer Adlern.

©  dpa

Stockholm. Nur rund zehn Stunden nach dem bitteren 1:8 gegen Tschechien reiste die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft aus Stockholm ab. Um 4.15 Uhr ging es vom Flughafen Arlanda gen Heimat, wo sich die Spieler zum Urlaub in alle Richtungen zerstreuten. In den zwölf Tagen zuvor hatten sie den Elchtest bei der WM nicht bestanden. Die Gründe für das Scheitern:

Die Erwartungshaltung

Sie war definitiv zu hoch. Die beiden Viertelfinal-Teilnahmen 2010 und 2011 hatten den Glauben vermittelt, der DEB habe sich in den Top Acht der Eishockey-Welt etabliert. Ein Irrglaube, der durch ordentliche Testspielresultate dann auch noch fatal geschürt wurde. Doch Siege oder knappe Niederlagen gegen B-Teams aus Russland und Tschechien waren ebenso Blendung wie der trügerisch leichte Auftaktsieg gegen die harmlosen Italiener, der den Spielern eine nicht vorhandene Reife suggerierte. "Die Vorbereitung war eigentlich zu gut", hatte Torhüter Dennis Endras schon vor dem Turnier gesagt, und Angreifer Marcel Goc ergänzte damals: "Wir dürfen nicht zu viel erwarten." Beide sollten recht behalten.

Kaderqualität

Der Kader war für eine WM schlicht zu grün hinter den Ohren. Mit Christian Ehrhoff, Dennis Seidenberg, Alexander Sulzer, Korbinian Holzer, Constantin Braun und Frank Hördler fehlten aus unterschiedlichen Gründen gleich sechs Verteidiger von Format. So kamen Christopher Fischer, Sinan Akdag und Florian Ondruschka zu ihrer ersten WM und mussten teures Lehrgeld zahlen. In der Offensive konnte Bundestrainer Jakob Kölliker auf Leistungsträger wie Jochen Hecht, Marco Sturm, Michael Wolf und Eduard Lewandowski nicht zurückgreifen. Die Angriffsreihe mit Patrick Reimer, Christoph Ullmann und Philip Gogulla gefiel, aber eine Reihe reicht auf diesem Niveau nicht. Die Breite in der DEL aber gibt kaum viel mehr her.

Konzentration und Zweikämpfe

Viele kritisieren Kölliker wegen seiner Mann- statt Zonendeckung in der Abwehr, doch im Eishockey ist Taktik eher zweitrangig. Viel mehr entscheiden Konzentration und Zweikampfverhalten. Hier war auffällig, dass Deutschland nach dem 3:0 gegen Italien in allen Spielen stets und teilweise sehr früh in Rückstand lag. Darüber hinaus mussten gegnerische Spieler nur sehr selten auf die Strafbank. Letten, Schweden und Dänen kassierten zusammen nur vier Strafminuten! Dies belegt, dass dem deutschen Angriff mit recht einfachen und fairen Mitteln beizukommen war.

Wie geht es weiter?

Aktuell sieht es so aus, dass Kölliker als Sportdirektor für Basis-Strukturen sorgen soll. Den Schweizer zum Sündenbock für das Scheitern zu machen, wäre auch sicher falsch, allerdings scheint der 58-Jährige für das Amt des Trainers zu brav. Auf dieser Position könnte es durchaus Sinn machen, einen Mann nur für die Turniere zu verpflichten. Da lediglich im November, Februar und Mai größere Events anstehen, ist ein hauptamtlicher Trainer eigentlich überflüssig und zudem zu teuer. Es gilt nun, keine voreiligen und unüberlegten Schnellschüsse zu tätigen, sondern alles mit Bedacht zu überlegen, denn im Mai 2013 steht in Finnland und Schweden der nächste Elchtest an. Und zuvor soll im Februar noch das Olympia-Ticket nachgelöst werden. Für das Turnier, das in Deutschland stattfinden wird, stehen allerdings die Nordamerika-Legionäre erneut nicht zur Verfügung.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 18.05.2012
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