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Formel 1: Fernando Alonso klopft martialische Sprüche im WM-Duell mit Titelverteidiger Sebastian Vettel

„Kämpfe mit deinen Händen“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 30.10.2012

Der Schein trügt: Fernando Alonso und Sebastian Vettel lächeln nur äußerlich - im WM-Kampf sind sie angespannt bis in die Haarspitzen.

© dpa

Neu-Delhi. Nach der kleinen Siegerparty legte Sebastian Vettel den Schalter gleich wieder um. In Dubai angekommen, stand neben Regeneration leichtes Training auf dem Programm. "Unsere momentanen Erfolge dürfen uns nicht vom Wesentlichen ablenken und uns leichtsinnig machen", betonte Vettel. Denn der zweimalige Formel-1-Weltmeister muss sich schon an diesem Sonntag beim Großen Preis von Abu Dhabi auf die nächste Attacke seines schärfsten Widersachers gefasst machen. Samurai-Fan Fernando Alonso twitterte: "Wenn das Schwert bricht, kämpfe mit deinen Händen. Wenn sie Dir die Hände abschneiden, schubse deinen Gegner mit den Schultern oder nimm die Zähne."

Vettel gegen Alonso, der vermeintliche Gute gegen den vermeintlich Bösen. Die Rollen scheinen vor dem Formel-1-Märchen im Land von 1001 Nacht klar verteilt. Vettel wiederholte selbst nach seinem formidablen Start-Ziel-Sieg in Indien sein Credo wie ein Mantra: Alles nur Schritt für Schritt, hart arbeiten. "Dann sollte nichts schiefgehen", schrieb der Titelverteidiger, der den WM-Hattrick im Hinterkopf hat, auf seiner Homepage.

13 Punkte Vorsprung hat Vettel vor den letzten drei Saisonrennen. 44 Punkte Rückstand waren es einmal auf Alonso. Mit einem Vettel-Nuller in Abu Dhabi und einem Sieg des Spaniers könnte sich mit einem Schlag aber auch wieder alles ändern. "Wir können es uns nicht leisten, nachlässig zu werden", so Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Denn Alonso wird zur Stelle sein, zumal er seit seinem Erfolg am 22. Juli ausgerechnet bei Vettels Heimrennen auf dem Hockenheimring auf den nächsten Sieg wartet. "Wir müssen unser absolut Bestes bringen, um vor ihm zu bleiben", forderte Horner. Ein technisches Problem wie am Wagen von Teamkollege Mark Webber, an dem das KERS streikte, könnte auch Vettel wieder die WM-Führung kosten.

Es wird eine Zerreißprobe. Vettel und Alonso sind auf der Strecke kompromisslos. Beide haben die Erfahrung von zwei WM-Titeln. Beide haben den unbedingten Willen, auch wenn Vettel ihn eher in ein Lächeln als in martialische Botschaften via Twitter verpackt.

Das Kampfgeschrei überlässt Red Bull dem Gegner. "Nach diesem Rennen sollten diejenigen, die führen, nicht entspannt und ruhig sein", befand Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, dessen Arbeitgeber nach dem nächsten WM-Triumph lechzt. 2007 gewann Kimi Räikkönen als letzter Ferrari-Fahrer den Titel.

Also bloß keine weitere Niederlage gegen Vettel und Red Bull wie in den vergangenen beiden Jahren. "Fernando und Ferrari werden keinen Zentimeter nachlassen. Bis zum Ende der Saison", prophezeite Domenicali mit Blick auf die Rennen in Abu Dhabi, zwei Wochen später in Austin - Vettels 100. Grand Prix - und am 25. November in Sao Paulo.

Solange muss es aber nicht dauern. Vettel kann in seinem Jubiläumsrennen seinen historischen Hattrick schaffen. Eine derartige Titel-Serie gelang erst zwei Fahrern: dem fünfmaligen argentinischen Champion Juan Manuel Fangio und Rekordweltmeister Michael Schumacher (7 Titel). Vettel müsste für den vorzeitigen WM-Gewinn nach der Formel-1-Premiere in Austin 25 Punkte Vorsprung haben.

Die Rechnung ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: Vettel muss seine Siegesserie um zwei Erfolge verlängern, dann steigt nach seinem 100. Grand Prix in knapp drei Wochen die Titel-Sause in Austin. dpa

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 30.10.2012
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