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Formel 1: Der frühere Weltmeister und jetzige TV-Kommentator versucht als neuer Aufsichtsratschef, auch die Kommunikation im Werksteam zu verbessern

Lauda will Mercedes endlich auf Touren bringen

Niki Lauda mit dem künftigen Mercedes-Piloten Lewis Hamilton.

© dpa

Abu Dhabi. Niki Lauda fühlt sich mit 63 noch einmal wie ein Schüler. Als neuer Aufsichtsratschef des Mercedes-Werksteams soll der Österreicher aber ganz der Alte bleiben: kritisch, direkt, auch mal deftig. Bedenken wegen der Doppelfunktion als TV-Experte und Teamchef-Aufseher mit intimen und geheimsten Kenntnissen vom neuen Mercedes fürs kommende Jahr gibt es beim deutschen Autobauer nicht.

"Niki macht das schon richtig, keine Bange, und Hofberichterstattung wird es bei ihm ganz sicher nicht geben", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Es könne nicht von Schaden sein, das eigene Team, die anderen Rennställe, den Internationalen Automobilverband als Regelbehörde oder auch das Formula One Management als Vermarkter von innen zu kennen, wenn man nach außen berichtet, befand Haug.

Und Lauda - dreimaliger Weltmeister, Legende, Kultfigur mit weltweitem Bekanntheitsgrad nicht zuletzt auch durch seine dramatische Formel-1-Vita mit dem Feuerunfall in der Grünen Hölle vom Nürburgring 1976 - kennt sie praktisch alle. Und alle kennen ihn.

Was er noch nicht weiß, muss er lernen. Das trifft insbesondere auf das Mercedes-Team zu. "Im Moment gehe ich in die Fabrik wie in eine Schule", sagte der Österreicher. Seit er seinen Posten bei dem Werksrennstall des schwäbischen Autobauers angetreten hat, sei er schon dreimal in der Formel-1-Fabrik gewesen. Diese befindet sich allerdings nicht in Deutschland, sondern im englischen Brackley, nicht weit weg vom Grand-Prix-Kurs in Silverstone. Notfalls kann Lauda selbst hinfliegen, einen Pilotenschein hat er.

In der Silberpfeil-Schmiede soll endlich ein siegfähiger Mercedes gebaut werden. "Dieses komplexe Auto ist eigentlich das Hauptproblem", befand Lauda zur diesjährigen Saison, in der die selbst ernannte deutsche Formel-1-Nationalmannschaft sich meist weit entfernt von der Spitze befand.

Nur ein Sieg in bislang drei Jahren durch Nico Rosberg. Michael Schumacher schaffte bei seinem bald endenden Comeback nur einen Podestplatz. Immerhin: Schlechter als am Sonntag in Indien kann es am Wochenende in Abu Dhabi kaum mehr laufen - Schumacher wurde 22., Rosberg verpasste als Elfter die Punkte. In der für die Verteilung der Gelder entscheidenden Konstrukteurswertung droht Mercedes auch noch vom Schweizer Privatteam Sauber überholt und damit auf Rang sechs unter elf Teams geschubst zu werden. Der Vorsprung beträgt nur noch 20 Punkte.

Bald soll aber alles besser werden. Lauda will die Kommunikation zwischen den Schaltzentralen in England und Deutschland verbessern. Nur wie lange dauert das? Lewis Hamilton wird vom kommenden Jahr an neben Rosberg und anstelle von Schumacher in einem Silberpfeil sitzen. Der englische Neuzugang von McLaren macht sich jedoch ebenfalls auf ein Lehrjahr gefasst. dpa

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 31.10.2012
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