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Olympia: Kanuten und Hockeyspieler wundert, dass sie zur Disposition standen

Noch mal davongekommen

Die Mannheimerin Carolin Leonhardt mit dem Kajak-Vierer in London auf dem Weg zu Silber. Ein Olympia-Aus der Kanuten hätte die Region schwer getroffen.

© dpa

München. Ringen ist wohl raus aus dem Olympia-Programm - bei Kanuten und Hockeyspielern macht sich Erleichterung breit. "Wir können jetzt alle durchatmen. Bei beiden Sportarten waren wir aber schon überrascht, dass es so weit kommen konnte", urteilte Thomas Konietzko, Chef des Kanu-Verbandes (DKV). Kanu und Hockey hatten unter der Woche bei dem knappen Votum der IOC-Exekutive über den Ausschluss einer Sportart aus dem olympischen Programm überraschend zur Disposition gestanden.

Als Streichkandidat Nummer eins für die Spiele 2020 galt im Vorfeld immer der Moderne Fünfkampf, nach vier Wahlgängen sprachen sich die Exekutivmitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mehrheitlich gegen Ringen aus. "Das ist am Ende wahnsinnig schade für diese Traditionssportart. Aber egal, wen es trifft: Man leidet immer mit", befand Konietzko.

Die Kanuten machten deutlich, Reformbedarf bei ihrer Sportart zu erkennen. Bei Olympia gehe es nicht mehr um die Traditionsfrage - stattdessen müsse eine Sportart "attraktiv und leicht verständlich" sein, betonte DKV-Sportdirektor Jens Kahl. Er hielt dem Weltverband ICF ein fehlendes Marketingkonzept vor und regte an, den eher drögen Rennablauf spannender zu machen. "Ein Sprintrennen über 200 Meter auf acht oder neun Bahnen kann keiner überschauen. Die Alternative wären Kopf-an-Kopf-Rennen jeweils nur mit zwei Booten", sagte Kahl.

39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche waren für die IOC-Exekutive Entscheidungsmaßgaben. "Ich glaube, dass wir die Kriterien, eine olympische Sportart zu bleiben, erfüllen", betonte Stephan Abel, Präsident des Deutschen Hockey-Bundes (DHB). Insbesondere die Spiele 2012 in London seien ein großer Erfolg gewesen - und das nicht nur fürs deutsche Männerteam, das die Goldmedaille gewann. "Das war extraordinär gut, wir hatten mit die meisten Zuschauer", betonte der Verbandschef. London spielte in der im Mai 2012 begonnenen IOC-Untersuchung jedoch noch keine Rolle.

Abel riet, eine Grundsatzdiskussion über die Fragen "Was bedeutet uns Olympia? Ist Olympia noch zeitgemäß?"" zu führen. "Heute geht es bei den Beurteilungen mehr um das Kommerzielle als um sportliche Dinge", kritisierte er. "Dass Wakeboarding und Wushu überhaupt in die Diskussion für Olympia gekommen sind, ist für mich unbegreiflich."

"Tradition und die Bewahrung der Grundidee kämpfen gegen die Märkte", analysierte Konietzko knapp. Bei seiner Sitzung im Mai in St. Petersburg wird das IOC-Kabinett empfehlen, welche Sportart für Ringen nachrücken soll. Sieben Alternativen stehen parat. dpa

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013
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