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Leichtathletik: Sport-Organisator nach teilweise chaotischem Ablauf des Mannheimer Lauf-Spektakels entlassen

Paukenschlag nach Marathon

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 04.06.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Skolik

Viele Läufer hatten Probleme mit Strecke und Beschilderung. Sportorganisator Wilfried Raatz (li.) muss gehen, m-Chef Christian Herbert ist gefordert.

© 3

Mannheim. Siegläufer auf der falschen Strecke, weitere Sportler wegen schlechter Beschilderung ebenfalls auf Abwegen, fehlerhaft codierte Kontrollchips - der SAP Arena Marathon hatte am vergangenen Samstag nicht nur mit über 100 000 Zuschauern und fast 13 000 Teilnehmern auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch durch handfeste Pannen. Bei den Teilnehmern und Zuschauern hatte das für Ärger gesorgt und zu massiven Protesten geführt. Gestern nun zog Veranstalter m3 GmbH die Konsequenzen und entband den Sportorganisator des Laufspektakels, Wilfried Raatz, von seinen Aufgaben. Sein auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

"So etwas darf es einfach nicht geben. Das ist nicht unser Anspruch ", ärgerte sich m3-Geschäftsführer Christian Herbert auch gestern noch im Gespräch mit dieser Zeitung über die vielen Fehler, die aus seiner Sicht vermeidbar gewesen seien. Es habe Fehlleitungen gegeben, die Beschilderung an der Strecke sei nicht ordnungsgemäß gewesen, hauptsächlich bei Teams und Marathonis seien Probleme aufgetaucht.

Schlechtes Briefing

Auszug der Pannen-Liste

  • Die Pannen beim Marathon am Samstag entstanden laut Vermarkter m3 GmbH durch Fehler in der Sportorganisation, der Streckenführung und dem Helfer-Management.
  • Die Gruppe der Spitzenläufer um den späteren Sieger Aboye kam bei Kilometer 19 von der Strecke ab: In der Fressgasse startete sie nach Ludwigshafen durch und folgte nicht dem abbiegenden Führungsfahrzeug, das sie auf die Schleife durch den Luisenpark lotsen sollte.
  • Spätere Läufer wurden von Helfern ebenfalls falsch geleitet. Erst nach zwei Kilometern schickte man sie zurück. Einige Handbiker gerieten gar in den normalen Straßenverkehr.
  • Beim Zieleinlauf des Frauen-Marathons überließ die Zweitplatzierte Eunice Jelagat Lelei irrtümlich der Siegerin Simret Restle-Apel kampflos den Endspurt vor der Ziellinie, weil sie dachte, diese würde nur den Halbmarathon laufen.
  • Ein weiterer tief enttäuschter Läufer berichtet, dass sein Kontrollchip nicht mit seinen richtigen Daten konfiguriert worden sei, sondern mit den Daten eines anderen Läufers. Statt seiner Zeit von 1:40 Stunden wurde er mit 2:31 Stunden gelistet.

Weiterer Kritikpunkt, der zum Ende des Vertrags mit Raatz führte: Das wohl nicht ausreichende Briefing der Helfer. "Ihnen ist wohl zu viel zugemutet worden", meint Herbert, "wir können von den über 1000 freiwilligen Helfern, die den ganzen Tag an der Strecke sind, nicht zu viel erwarten."

Wilfried Raatz war tief enttäuscht über die Beendigung der Zusammenarbeit. "Dass ich der Hauptschuldige bin, muss ich wohl erst einmal stehenlassen", meinte er gegenüber dieser Zeitung, befand mit Blick auf die Kritik an seiner Person aber auch: "Die haben ja richtig reingehauen."

Denn so ganz alleine wollte er sich den Schwarzen Peter für das Chaos am Samstag auch nicht zuschieben lassen. "Einen Zwei-Runden-Kurs in Mannheim war mit diesen ganzen Vorgaben eigentlich nicht machbar", sah er eine Fehlerquelle auch in der anspruchsvollen Streckenführung und den vielen verschiedenen Disziplinen. "Wir haben versucht, das Ganze durchzuführen und hatten an den Schlüsselstellen gute Leute. Aber es war eine Organisation mit über 1000 Helfern - dass da Fehler passieren können, ist normal." Eine Reihe von kleineren Pannen habe sich leider "zu einer großen Panne entwickelt", bedauerte Raatz und macht sich seinerseits nun Sorgen um die Zukunft des Mannheimer Marathons. "Nicht zuletzt dank meiner sehr zahlreichen Kontakte ist der Marathon so groß geworden."

Raatz war mit seiner Agentur aus Neu-Isenburg seit 2005 für die Sportorganisation des Mannheimer Marathons zuständig gewesen. Er verantwortete die Leitung, Konzept und Durchführung sowie das Helfer-Management. Außerdem entwarf er die Streckenführung des Dämmermarathons, was das Konzept, den Aufbau und die Sicherung betraf.

Die m3 GmbH will die sportorganisatorischen Aufgaben nun künftig weitgehend selbst leisten. Wie dies genau aussehen wird, dürfte sich wahrscheinlich erst nach einem Gespräch mit Titelsponsor SAP Arena innerhalb der nächsten Wochen entscheiden.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 04.06.2014
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