DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Samstag, 30.07.2016

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Olympia: IOC-Exekutive streicht Traditionssportart überraschend aus dem Programm der Sommerspiele ab 2020

Ringen vor dem Absturz ins Bodenlose

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 13.02.2013

Weltbekannte Ringer-Historie: Der inzwischen verstorbene Wilfried Dietrich (rechts) hievt bei den Spielen 1972 in München den Amerikaner Chris Taylor aus.

© dpa

Lausanne. Das olympische Ringen hat ein Ende. Nach dem angekündigten Olympia-Aus in Lausanne durch das Internationale Olympische Komitee droht dem Traditionssport der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. "Eine olympische Sportart muss Tradition und Fortschritt verbinden", erklärte IOC-Vize Thomas Bach die Entscheidung der 15-köpfigen Exekutive, Ringen zur Streichung aus dem Programm der Spiele von 2020 an zu empfehlen. Durch den überraschenden Beschluss behält der Moderne Fünfkampf - vor der Sitzung noch Streichkandidat Nummer eins - seinen Olympia-Status.

Fassungslos kommentierte Deutschlands langjähriger Vorzeige-Ringer Alexander Leipold den schmerzhaften Schlag. "Ich bin geschockt, ich kann es gar nicht glauben", sagte der Sieger des Olympiaturniers von 2000. "Ringen ist Schach auf der Matte, Ringen ist die Traditionssportart, die von Anfang an dabei ist. In den USA, im Iran, Aserbaidschan, Georgien, Russland oder Kasachstan sind es Volkssportarten."

In einer Stellungnahme reagierte die FILA-Spitze mit "großem Erstaunen" auf das IOC-Urteil. "Die FILA wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, die IOC-Exekutive und IOC-Mitglieder vom Irrtum ihrer Entscheidung gegen eine der ursprünglichen Sportarten der antiken und modernen Olympischen Spiele zu überzeugen", hieß es. Ringen habe stets alle IOC-Regeln eingehalten und sei in 180 Ländern vertreten.

Weiterentwicklung fehlt

Die fehlende Weiterentwicklung, ein wenig glaubwürdiges Anti-Doping-Programm und die zu große finanzielle Abhängigkeit der Mattenkämpfer vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) deuteten die Olympier als Hauptargumente für ihre ablehnende Haltung an. Tatsächlich scheint Ringen ohne die millionenschwere IOC-Unterstützung nur schwer überlebensfähig. "Es ist nicht das Ende des Sports, Ringen wird es immer geben", sagte Leipold beinahe trotzig.

In Rio de Janeiro steht der Internationale Ringerverband (FILA) nun vor seiner Abschiedsvorstellung, auch weil sich die FILA-Funktionäre ihrer Sache zu sicher schienen und keinerlei Lobbyarbeit betrieben.

Zum Ende der geheimen Abstimmung im Palace Hotel von Lausanne standen neben dem Ringen und dem Modernen Fünfkampf unerwartet auch Hockey und Kanu zur Disposition. "Einen musste es treffen", kommentierte das zweite deutsche IOC-Mitglied, Claudia Bokel, pragmatisch, "es war eine sehr schwere Entscheidung."

Detaillierte Analyse

Das IOC begründete seinen Entschluss offiziell unter anderem mit den niedrigen Werten, die das Ringen bei einer detaillierten Analyse aller 26 olympischer Sommersportarten bekam. Dabei hatte die Programm-Kommission des IOC insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche untersucht. "Ich war baff", meinte der Schweizer René Fasel, Vorsitzender der Vereinigung aller Wintersportverbände zum Ergebnis.

IOC-Präsident Jacques Rogge hatte bereits zweimal vergeblich versucht, sein Premiumprodukt Olympia auch auf Kosten des Modernen Fünfkampfes zu modernisieren. Er hatte bei seinen Reformvorstößen auf der Session 2002 in Mexiko-Stadt und 2005 in Singapur aber jeweils empfindliche Niederlagen erlitten. Und auch dieses Mal retteten die Modernisierungsmaßnahmen des deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann die Mehrkämpfer vor dem prophezeiten Ausschluss.

Mit einem offenen Brief hatte er an die olympische Familie appelliert, "das Vermächtnis von Pierre de Coubertin" nicht zu zerstören. Der französische Neubegründer der Spiele hatte den Modernen Fünfkampf stets als Inbegriff des Olympismus bezeichnet hatte.

Jetzt hat es Ringen erwischt - eine der klassischen Sportarten der Antike. dpa

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Kontakt zur Sportredaktion

Telefon (ab 12 Uhr): 0621/392-1354
Fax: 0621/392-1616
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

Themen des Tages Newsletter

Die "Morgenweb"-Redaktion hält Sie mit den Themen des Tages auf dem Laufenden - am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Urlaub. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein:

Weitere Newsletter

Fußball-Regionalliga

Personalsorgen vor der langen Reise in den Osten

Mannheim. Richtig glücklich ist Gerd Dais über die Reise in den fernen Osten nicht. "Das ist nicht mehr zu ändern. Jetzt machen wir halt das Beste daraus", sagt der Trainer von Fußball-Regionalligist SV Waldhof vor dem letzten Testspiel bei Zweitliga-Aufsteiger Erzgebirge Aue (heute, 14.30 Uhr… [mehr]

Geschäft vor Sicherheit?

Hockenheim. Seit gestern drehen die Formel-1-Piloten auf dem Hockenheimring ihre Trainingsrunden, strömen die Fans in Massen an die Rennstrecke und verbreitet sich immer mehr Grand-Prix-Flair. Eigentlich die Basis für eine perfekte Stimmung - doch hinter den Kulissen der Königsklasse brodelt es… [mehr]

Jacobsen schiebt Kiel die Favoritenrolle zu

Handball-Meister Rhein-Neckar Löwen ist bei hochsommerlichen Temperaturen in die Vorbereitung auf die am 3. September gegen den SC Magdeburg beginnende Saison gestartet. [mehr]

Adler Mannheim (mit Video)

Jochen Hecht: "Aufhören ist nie schön"

431 Mal trug er das Trikot der Mannheimer Adler, 892 Mal lief er in der NHL auf - nun macht Jochen Hecht Schluss mit Eishocky, zumindest als Aktiver. Die Adler wollen ihn unbedingt halten. In welcher Funktion, ist noch unklar. [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR