DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Montag, 01.09.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Olympia: IOC-Exekutive streicht Traditionssportart überraschend aus dem Programm der Sommerspiele ab 2020

Ringen vor dem Absturz ins Bodenlose

Weltbekannte Ringer-Historie: Der inzwischen verstorbene Wilfried Dietrich (rechts) hievt bei den Spielen 1972 in München den Amerikaner Chris Taylor aus.

© dpa

Lausanne. Das olympische Ringen hat ein Ende. Nach dem angekündigten Olympia-Aus in Lausanne durch das Internationale Olympische Komitee droht dem Traditionssport der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. "Eine olympische Sportart muss Tradition und Fortschritt verbinden", erklärte IOC-Vize Thomas Bach die Entscheidung der 15-köpfigen Exekutive, Ringen zur Streichung aus dem Programm der Spiele von 2020 an zu empfehlen. Durch den überraschenden Beschluss behält der Moderne Fünfkampf - vor der Sitzung noch Streichkandidat Nummer eins - seinen Olympia-Status.

Fassungslos kommentierte Deutschlands langjähriger Vorzeige-Ringer Alexander Leipold den schmerzhaften Schlag. "Ich bin geschockt, ich kann es gar nicht glauben", sagte der Sieger des Olympiaturniers von 2000. "Ringen ist Schach auf der Matte, Ringen ist die Traditionssportart, die von Anfang an dabei ist. In den USA, im Iran, Aserbaidschan, Georgien, Russland oder Kasachstan sind es Volkssportarten."

In einer Stellungnahme reagierte die FILA-Spitze mit "großem Erstaunen" auf das IOC-Urteil. "Die FILA wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, die IOC-Exekutive und IOC-Mitglieder vom Irrtum ihrer Entscheidung gegen eine der ursprünglichen Sportarten der antiken und modernen Olympischen Spiele zu überzeugen", hieß es. Ringen habe stets alle IOC-Regeln eingehalten und sei in 180 Ländern vertreten.

Weiterentwicklung fehlt

Die fehlende Weiterentwicklung, ein wenig glaubwürdiges Anti-Doping-Programm und die zu große finanzielle Abhängigkeit der Mattenkämpfer vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) deuteten die Olympier als Hauptargumente für ihre ablehnende Haltung an. Tatsächlich scheint Ringen ohne die millionenschwere IOC-Unterstützung nur schwer überlebensfähig. "Es ist nicht das Ende des Sports, Ringen wird es immer geben", sagte Leipold beinahe trotzig.

In Rio de Janeiro steht der Internationale Ringerverband (FILA) nun vor seiner Abschiedsvorstellung, auch weil sich die FILA-Funktionäre ihrer Sache zu sicher schienen und keinerlei Lobbyarbeit betrieben.

Zum Ende der geheimen Abstimmung im Palace Hotel von Lausanne standen neben dem Ringen und dem Modernen Fünfkampf unerwartet auch Hockey und Kanu zur Disposition. "Einen musste es treffen", kommentierte das zweite deutsche IOC-Mitglied, Claudia Bokel, pragmatisch, "es war eine sehr schwere Entscheidung."

Detaillierte Analyse

Das IOC begründete seinen Entschluss offiziell unter anderem mit den niedrigen Werten, die das Ringen bei einer detaillierten Analyse aller 26 olympischer Sommersportarten bekam. Dabei hatte die Programm-Kommission des IOC insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche untersucht. "Ich war baff", meinte der Schweizer René Fasel, Vorsitzender der Vereinigung aller Wintersportverbände zum Ergebnis.

IOC-Präsident Jacques Rogge hatte bereits zweimal vergeblich versucht, sein Premiumprodukt Olympia auch auf Kosten des Modernen Fünfkampfes zu modernisieren. Er hatte bei seinen Reformvorstößen auf der Session 2002 in Mexiko-Stadt und 2005 in Singapur aber jeweils empfindliche Niederlagen erlitten. Und auch dieses Mal retteten die Modernisierungsmaßnahmen des deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann die Mehrkämpfer vor dem prophezeiten Ausschluss.

Mit einem offenen Brief hatte er an die olympische Familie appelliert, "das Vermächtnis von Pierre de Coubertin" nicht zu zerstören. Der französische Neubegründer der Spiele hatte den Modernen Fünfkampf stets als Inbegriff des Olympismus bezeichnet hatte.

Jetzt hat es Ringen erwischt - eine der klassischen Sportarten der Antike. dpa

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Kontakt zur Sportredaktion

Telefon (ab 12 Uhr): 0621/392-1354
Fax: 0621/392-1616
 

Schreiben Sie uns eine E-Mail!

Facebook Fans des Mannheimer Morgen

Newsletter

Die "Morgenweb"-Redaktion hält Sie auf dem Laufenden - am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Urlaub. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein:

Weitere Newsletter

BVB-Comeback

Fußball allgemein

Bundesligisten holen Spieler für 278,9 Millionen Euro

Düsseldorf (dpa) - Der Ausgabenrekord von 287 Millionen Euro vor der Saison 2012/2013 wird in der Fußball-Bundesliga knapp verfehlt. Mit dem Ende der Transferperiode I der Spielzeit 2014/2015 zum 1. September investierten die 18 Clubs in 175 neue Profis immerhin 278,9 Millionen Euro. [mehr]

Lauda rüffelt Top-Piloten

Stuttgart. Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda (Bild) hat nach dem Krisengipfel zum Crash von Spa die beiden Formel-1-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton in die Pflicht genommen. "Nico und Lewis sind mir vom Herzen wie vom Kopf her gleich wichtig, weil ich beide verstehe, dass sie Rennen… [mehr]

Handball-Bundesliga: Heimspiel gegen HC Erlangen

Mensah Larsens große Show: 35:18-Sieg und Platz eins

Der überragende Däne Mads Mensah Larsen führt die Rhein-Neckar Löwen zum 35:18-Sieg über Erlangen und an die Bundesliga Tabellenspitze. Ein weiteres Bonbon des Tages: Andy Schmid verlängert Vertrag bis 2018. [mehr]

Fotostrecke

Adler Mannheim: "The boys are back in town"

Eishockey-Fans durften am Freitagabend erstmals das neue Team der Mannheimer Adler bestaunen und feiern - der Verein hatte an der SAP Arena zur traditionellen "The boys are back in town"-Party geladen.  [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR