DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Freitag, 25.05.2012

Suchformular
 

Sandhofen: Beim Ortstermin am gerodeten Teil der Riedspitze sprechen Naturschützer, Politiker und Stadtvertreter über die Zukunft der Fläche

Stadt will Konsens über Renaturierung

Von unserem Redaktionsmitglied Fabian Busch

Bis Ende Dezember war die Fläche am Altrhein noch von Bäumen und Gestrüpp überwuchert. Jetzt bedecken nur noch Schnee und Solarzellen den möglicherweise belasteten Boden.

Bis Ende Dezember war die Fläche am Altrhein noch von Bäumen und Gestrüpp überwuchert. Jetzt bedecken nur noch Schnee und Solarzellen den möglicherweise belasteten Boden.

© Tröster

Am Anfang dieser Woche liegt die Fläche ganz friedlich da: Braune Erde und spiegelnde Sonnenkollektoren sind von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, fast als hätte sie jemand mit Puderzucker bestäubt. Doch direkt daneben zerbrechen sich Naturschützer und Kommunalpolitiker in der klirrenden Kälte die Köpfe. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Mannheim (BUND) hat zum Ortstermin geladen. Bezirksbeiräte und Gemeinderäte sind da, Landtagsabgeordnete und Vertreter von Stadt und Hafengesellschaft (HGM). Es ist Zeit, Fragen zu stellen. Antworten darauf gibt es viele, und trotzdem schütteln alle immer wieder ungläubig die Köpfe.

Belasteter Boden offengelegt

Ende Dezember 2011 hatte der Investor "Solarprojekt Ostritz" auf dem gesamten, 40 000 Quadratmeter großen, Grundstück Bäume fällen und Gestrüpp entfernen lassen. Dann hatten die Bauarbeiter schnell Sonnenkollektoren auf der Brachfläche ausgelegt. Den Sandhöfern war das Spanisch vorgekommen: Warum hatte sie niemand über das Bauvorhaben mitten im Auengebiet am Altrhein informiert? Die Antwort der Stadt war klar: Weil auch sie nichts davon wusste. Der Investor hatte keine Baugenehmigung beantragt, auch nicht die nötige Erlaubnis zum Fällen der Bäume. Und wie sich später herausstellte, fehlte ihm sogar ein gültiger Mietvertrag. Die HGM, die das Grundstück im Auftrag des Landes verwaltet, hatte zwar einen Vertrag ausgefertigt, ihn selbst aber noch gar nicht unterschrieben.

Der Bau wurde eingestellt, gegen das Unternehmen erstattete die Stadt Anzeige. Doch der Schaden bleibt: Vier Hektar Vegetation sind zerstört. Durch die illegale Hauruck-Aktion wurde nicht nur der Natur am Altrhein eine tiefe Wunde zugefügt. Diese Wunde könnte auch Gesundheitsgefahren bergen: Bis in die 70er Jahre wurden dort Industrieabfälle deponiert. Wenn jetzt plötzlich die Vegetation fehlt, bestehe die Gefahr, dass schwermetallbelasteter Staub verweht wird, erklärt Josef Krah, Leiter des Fachbereichs Baurecht und Umweltschutz bei der Stadt.

Auch wenn sie eine schmutzige Vergangenheit hatte - in den vergangenen Jahren hat sich die Fläche zu einem artenreichen Biotop entwickelt. "Das ist eine der wertvollsten Flächen, was die Population von Brutvögeln in Mannheim betrifft", sagt der grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Raufelder, der sich ebenso wie sein SPD-Kollege Dr. Stefan Fulst-Blei ein Bild macht.

Und jetzt? Zunächst ist guter Rat teuer - und die mögliche Renaturierung auch. Niemand kann sich so richtig vorstellen, dass bei dem Unternehmer, der für die Rodung verantwortlich ist, viel zu holen ist. Bei der Begehung lädt Josef Krah alle interessierten Experten und Naturschützer zu einer offenen Runde im Rathaus ein. "Man sollte die Fläche sich entwickeln lassen", sagt BUND-Vorstand Gabriele Baier. Dann könnten die Sandhöfer genau zusehen, wie sich die Natur das Grundstück nach und nach selbst zurückholt. Ganz ohne Eingriffe wird es aber wohl nicht gehen, sagt Krah. Um die Verwehung von belastetem Staub zu vermeiden, müsse spätestens im März zumindest Gras den nackten Boden bedecken.

Denkbar wäre auch, das Grundstück in das Naturschutzgebiet zu integrieren, das die Fläche zum Teil schon umgibt. "Das ist ein Gebiet, das wir dafür schon lange im Auge hatten", sagt Raufelder. Josef Krah macht deutlich, dass er sich mit dieser Alternative durchaus anfreunden könnte. Dann wären allerdings Land und Hafengesellschaft im Nachteil, denn die hatten das Grundstück einst als Gewerbegebiet gekauft - und damit zu einem höheren Preis als bei einer Naturschutzfläche. Könnte man einen Teil der Fläche als Naturschutzgebiet ausweisen und einen anderen Teil doch für Sonnenkollektoren freihalten? Soll die Vegetation eher dicht sein oder viele Lichtungen für Eidechsen bieten? All dieser Fragen könnte sich die offene Experten-Runde Mitte Februar annehmen. "Wir wollen das im Konsens lösen", verspricht Krah.

In dieser Geschichte gibt es viele Verlierer. Als einer von ihnen meldet sich am Ende noch Peter Faisst zu Wort. Sein Unternehmen hat dem Investor die Sonnenkollektoren verkauft. Bezahlt wurden sie bis heute nicht. Nun liegen die wertvollen Platten auf der Brachfläche - immerhin gesichert durch einen Zaun und einen Wachdienst. Faisst sagt zu, dass seine Firma beim Abtransport helfen wird - schon, weil er die Kollektoren zurückhaben will, wenn sie schon nicht bezahlt wurden.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 03.02.2012

Kommentar schreiben

Sie müssen sich einloggen, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

     
     
    TICKER

    Browser-Download

    Das neue morgenweb ist optimiert für die folgenden Browser:

    Das Wetter im Rhein-Neckar-Dreieck

    24 Stunden-Prognose von Mannheim
    KAHL, Büros mit Persönlichkeit

    Börsenticker

    DAX
    DAX 6.316,50 +0,49%
    TecDAX 749,50 -0,19%
    EUR/USD 1,2530 -0,05%

    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation

    AfrikaBurn festival

    Facebook Fans des Mannheimer Morgen

    Newsletter

    Die "Morgenweb"-Redaktion hält Sie auf dem Laufenden - am Arbeitsplatz, zu Hause oder im Urlaub. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse ein:

    Weitere Newsletter

    Veranstaltungssuche

    Partys, Ausstellungen, Weinfeste und Sport-Events. Unsere Veranstaltungsdatenbank weiß, was im Rhein-Neckar-Dreieck passiert.

     
     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

    © morgenweb 2012 | Über uns | Impressum | AGB | Datenschutz | Mediadaten