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Soziales Engagement: Der frühere Fußball-Profi des 1. FC Kaiserslautern und seine Frau Petra engagieren sich für Menschen, die im Müll ein unvorstellbar armseliges Leben führen:

Statt Spaniens Sonne erleben die Briegels Elend in Mexiko

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 12.01.2010

Eigentlich hatten Petra und Hans-Peter Briegel im Herbst 2008 einen schönen Spanien-Urlaub geplant. Noch ein bisschen Sonne tanken, ehe die Tage im heimischen Germersheim wieder kühler werden.

Ulrich Verthein

Ein Anruf des Deutschen Fußball-Bundes durchkreuzte die Pläne - plötzlich fanden sie sich in Mexiko wieder, wo Hans-Peter 22 Jahre zuvor Vize-Weltmeister geworden war. Dort gab's ebenfalls reichlich Sonne, aber auch viel Elend zu sehen. Ein einschneidendes Erlebnis für die Briegels, die sich seit dieser Zeit für Menschen engagieren, deren einziger, trister Lebensraum eine gigantische Müllhalde ist.

Rückblende: Es ist der 29. Juni 1986. Im Azteken-Stadion von Mexiko-City erlebt die gigantische Zahl von 114 800 Zuschauern live das dramatische Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Argentinien. Milliarden sitzen weltweit vor den Fernsehschirmen. Erst fünf Minuten vor dem Ende erzielt Burruchaga das Siegtor der Südamerikaner zum 3:2. Einer der geschlagenen Helden beim ersten WM-Turnier von Franz Beckenbauer als Trainer ist Hans-Peter Briegel. Bis auf die Vorrundenpartie gegen Dänemark hat die "Walz aus de Palz" alle Spiele mitgemacht, nun ist er, wie schon bei der WM 1982 in Spanien, erneut Vize-Weltmeister.

Dass die Mannschaft auf dem Weg ins Endspiel im Viertelfinale die Elf der Gastgeber ausschaltete, änderte nichts an der grundsätzlichen Deutsch-Freundlichkeit der Mexikaner. Die Sympathien sollten jedoch noch wachsen. Der damalige DFB-Schatzmeister und Delegationschef Egidius Braun hatte während der vier Wochen weit über den Fußball-Tellerrand geblickt und erkannt, dass ein gut betuchter Verband auch soziale Aufgaben über den Sport hinaus hat. "Fußball ist mehr als ein 1:0" lautete das Motto der von Braun spontan angestoßenen Mexiko-Hilfe, die später in den Aufgabenbereich der "DFB-Stiftung Egidius Braun" integriert wurde. Die erste Spende für notleidende mexikanische Kinder kam mit 5000 Mark übrigens von Rudi Völler.

Enkelin Lisa hilft Opa Egidius

Da war Lisa Braun, die Enkelin des späteren DFB-Präsidenten, noch gar nicht geboren. Schon im Kindesalter hatte ihr Opa Egidius viel von "seinen" Waisenkindern in Mexiko erzählt, nun engagiert sich die 20-Jährige für das Lebenswerk ihres Großvaters. Kaum war das Abi in der Tasche, begleitete sie 2008 die Inspektionsreise zu den teils schon 25 Jahre laufenden Projekten. Und weil es sich gut macht, wenn eine solche Delegation bei einem Trip in ein fußballbegeistertes Land auch einen ehemaligen WM-Star wie Hans-Peter Briegel in ihren Reihen hat, klingelte in Germersheim das Telefon.

Die Zusage kam prompt, und schon am 23. September landete der ganze Tross nach elf Stunden Flug in der Metropole mit knapp 20 Millionen Einwohnern, zu denen täglich fast 3000 neu hinzukommen. Sie vegetieren dann meist in ärmlichen Verhältnissen dahin. Wie unvorstellbar ärmlich, das sollten die deutschen Reisenden schon am nächsten Morgen erleben. Um 8 Uhr früh trafen sie sich mit dem Jesuitenpater Roberto Guevaro Rubio. Ziel war eine der größten Müllhalden von Mexiko-City. Zwölf Kilometer lang, vier breit - Lebensraum für Hunderte von Menschen. Pater Roberto betreut sie, hält einmal die Woche eine Messe, bringt Essen und kümmert sich um medizinische Versorgung.

Ohne Müll-Mafia geht nichts

Tun kann er das übrigens nur mit Genehmigung der sogenannten Müll-Mafia. Sie kontrolliert die Halden, lässt die Menschen für wenige Pesos die Abfälle, aus denen sie sich auch ernähren, sortieren. Hygiene ist da ein Fremdwort, frisches Wasser gibt es nur bei Regen, Krankheiten sind an der Tagesordnung. Noch immer schaudernd denkt Petra Briegel an die Stunden dort zurück. "Den beißenden Gestank hatte ich danach ewig in der Nase. Die Augen haben getränt." Nach der Messe verteilte Pater Roberto die Lebensmittel-Pakete - in erster Linie Trockenbrot und Trockenbohnen. Nichts Besonderes eigentlich und trotzdem versuchten nicht wenige, sich durch Tricksereien eine Zusatzportion zu ergattern. Lisa Braun schreibt in ihrem Reise-Tagebuch: "Gemeinsam mit 150 Fremden stand ich auf diesem Müllberg und begann, dankbar für ein Leben zu sein, das ich selbst unter vollkommen anderen Umständen führe." Die damals 19-Jährige und Petra Briegel haben aber auch nicht vergessen, welchen Lebensmut die Menschen in dieser Hölle aus Elend, Hunger und Gestank an den Tag legen. Und welche Dankbarkeit.

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