Diebstahl

Diebstahl Der Riedroder Schausteller Markus Schneider freut sich über Anteilnahme - und kann Zerstörungswut kaum fassen

Karussell soll wieder fahren

Riedrode.Die Einzelteile seines Karussells hat Markus Schneider mit Planen abgedeckt, morgen will er sie mit einem Laster zum Hersteller nach Castrop-Rauxel ins Ruhrgebiet befördern. "Es soll sich wieder drehen", sagt der Schausteller aus Riedrode. Und fügt hinzu: "Das bin ich meinen Eltern schuldig."

Viel ist vom kleinsten Karussell des Familienbetriebs nicht mehr übrig: "Sämtliche Metallteile, der Motor, die Unterlage, die Kasse - alles weg." Zu Geld gemacht, vermutet Schneider. Als Ganzes habe sich das Fahrgeschäft seiner Meinung nach kaum mehr ins Ausland verkaufen lassen - der Rummel um den Diebstahl sei zu groß gewesen. Schaustellerkollegen und Behörden hatten bei der Suche nach dem gestohlenen Lieblingsstück geholfen, die Medien berichtet, Schneider war im Radio und im Fernsehen aufgetreten. Schließlich wurde das ausgeschlachtete Karussell in Stuttgart entdeckt (wir haben berichtet). Die Polizei sucht weiterhin nach den Tätern.

Über die Anteilnahme und die Hilfe ist Schneider begeistert. Trotzdem hat ihn der Diebstahl direkt vom eigenen Gelände in Riedrode fix und fertig gemacht. "Und jetzt, wo es so zerstört ist, tut es noch einmal weh", sagt er. Die Tränen kann er sich dabei kaum verkneifen. Nicht nur, weil das kleinste Fahrgeschäft der Schneiders schnuckelig und bei den Jüngsten besonders beliebt war. "Es ist das letzte Karussell, das meine Eltern gekauft haben", erzählt er. 15, 16 Jahre sei das her. Inzwischen leben die beiden, Schausteller in vierter Generation, nicht mehr. Umso wertvoller ist Markus Schneider die letzte gemeinsame Anschaffung. "Eigentlich nur ein Gegenstand - und trotzdem hängt man so daran."

Vor allem aber fehlt das Fahrgeschäftchen im Sortiment: Mit einer Stellfläche von gut vier Metern findet es auch auf kleinerem Raum Platz. "Es war unser meist genutztes Karussell." Für den verkaufsoffenen Sonntag in Lorsch hat ihm ein Kollege ausgeholfen. Aber das funktioniere nur, wenn es nicht im Einsatz sei.

Suche nach Ersatz

Bis das eigene Karussell wieder betriebsbereit ist, könne es eine ganze Weile dauern. "Dieses Jahr wird das nix mehr", schüttelt Schneider den Kopf. Teuer kommt ihm das Ganze außerdem. Ein neues Modell kostet zwischen 80 000 und 100 000 Euro. "Mal sehen, was der Hersteller sagt. Vielleicht können wir ja auch mithelfen und einiges in Eigenleistung reparieren." Einen Kredit aufnehmen müsse er ohnehin. Inzwischen sucht er nach einem Ersatz. Ein gebrauchtes Karussell in dieser Größe zu finden, sei aber nicht einfach. Wer gibt so etwas schon her? "Höchstens aus Altersgründen", glaubt Schneider.

In zwei Wochen, zum Frühjahrsmarkt in Bürstadt, stehen aber auf jeden Fall Fahrgeschäfte und Buden der Riedroder Schausteller in der Stadtmitte bereit. Karussells besitzen Schneiders gleich mehrere, dazu eine Schiffschaukel, einen Süßigkeitenwagen und einen Crêpes-Stand. Und nicht zu vergessen, die historische Reitschul' mit den Holzpferden, die sich lange auf dem Lorscher Weihnachtsmarkt drehte. Schneiders Ururgroßeltern hatten die Schaustellerei angefangen - und mit den Kindern steht inzwischen schon die nächste Generation bereit.

Jetzt ist ihm wichtig, dass die Polizei den Dieben auf die Schliche kommt - "einfach, damit es gerecht zugeht".

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