Fußball:
Der 19 Jahre alte Torwart ist Garant der Wiederauferstehung von Borussia Mönchengladbach / Heute bei 1899 Hoffenheim
Ter Stegen – Antriebsfeder des Aufschwungs
Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Eisenhofer
Mönchengladbach.
Beim letzten Aufeinandertreffen mit der TSG Hoffenheim Anfang März hätte der Mönchengladbacher Torwart Logan Bailly sich den Nachmittag auch im Schwimmbad, auf der Couch oder im Möbelhaus vertreiben können. Denn eingreifen musste der Schlussmann der abstiegsbedrohten Borussia beim 2:0 über die Kraichgauer nicht. Die Partie zwei Wochen später jedoch hätte er wohl lieber im Möbelhaus oder im Schwimmbad verbracht, denn gegen den 1. FC Kaiserslautern patschte sich der Belgier eine Ecke ins eigene Netz, machte sich damit zum Gespött von ganz Fußball-Deutschland und die Borussia acht Spieltage vor Saisonende zu einem gefühlten Zweitligisten.
Dann jedoch stellte Trainer Lucien Favre in der übernächsten Partie gegen den 1. FC Köln einen gerade von einem Muskelbündelriss wiedergenesenen völlig unerfahrenen 19-Jährigen ins Tor, der zuvor außerhalb von Mönchengladbach ungefähr so bekannt war wie ein x-beliebiger Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag: Marc-André ter Stegen.
Seitdem läuft es bei Borussia Mönchengladbach: 13 Punkte aus sechs Partien sicherten der bereits abgeschriebenen Elf vom Niederrhein den kaum mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt. In dieser Saison kletterten sie sogar auf Tabellenplatz zwei, stellen hinter den Bayern zusammen mit dem VfB Stuttgart die beste Defensive der Liga. "Die ganze Mannschaft arbeitet gut nach hinten", sagt ter Stegen.
Er ist eine der Antriebsfedern des Aufschwungs. Aus der Schießbude der Liga machte er eine Festung: saisonübergreifend kassierte der Blondschopf nur acht Tore in 15 Partien, blieb zwischenzeitlich 456 Minuten ohne Gegentreffer, ist laut Fachmagazin "Kicker" der notenbeste Schlussmann der Bundesliga.
Und schon ist ter Stegen, Nationalmannschaftskollege der Hoffenheimern Sebastian Rudy und Peniel Mlapa in der U 21, der neue Oliver Kahn - findet zumindest DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Dabei will der Torwart, der vielmehr im spanischen Nationalkeeper Iker Casillas und Tschechiens Schlussmann Petr Cech seine Vorbilder sieht, eigentlich gar kein "kleiner Kahn" sein - und ist auch kein Kahn-Klon: "Ich bin ich und das ist auch gut so." Er klebt nicht wie der "Titan" auf der Linie, sondern agiert wie ein moderner Torwart. Es ist auch nur schwer vorstellbar, dass er seinen Strafraum wie einen Käfig gegen Gegner und auch Mitspieler verteidigt wie Kahn - auch wenn ter Stegen durchaus als impulsiv gilt.
Dass er in den nächsten Jahren eine ähnlich erfolgreiche Karriere wie einst Kahn hinlegt, daran zweifeln die wenigsten Experten. Joachim Löw sieht in ter Stegen schon einen Nationalspieler in spe: "Er ist unglaublich jung, spielt aber schon, als würde er jahrelang im Kasten stehen", adelte ihn der Bundestrainer. Und so wäre es nicht verwunderlich, sollte die Hoffenheimer Offensive heute (15.30 Uhr) das ein oder andere mal an ihm verzweifeln - wenn sie diesmal Chancen herausspielen.
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