Rasdorf. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Deutschen ermahnt, die Erinnerungen an die Geschehnisse in der ehemaligen DDR wach zu halten. "Freiheit ist ein Privileg, das mit Pflichten bezahlt werden muss, um sie zu erhalten", betonte der CDU-Politiker gestern in Rasdorf bei einer Kunst- und Ausstellungseröffnung an der Gedenk- und Begegnungsstätte "Point Alpha". Die Einheit müsse weiterhin wachsen, das könne sie nur auf dem Boden der Erinnerung, sagte er an der ehemals innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Das Wissen zu vieler deutscher Schüler über dieses Geschichtskapitel sei "erschreckend niedrig".
Wenig Kenntnisse
Seinen Wort nach sind fünf Prozent der deutschen Gymnasiasten der Meinung, dass der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht ein oppositioneller Liedermacher war. Sieben Prozent glaubten gar, dass sein Nachfolger Erich Honecker ehemaliger Kanzler der BRD war. "Das ist bei weitem nicht witzig, sondern sehr ernüchternd", sagte Lammert in seiner Rede.
Auch die Point-Alpha-Stiftung betonte, wie wichtig eine kontinuierliche Erinnerungsarbeit ist. So seien nach einer Studie mehr als 13 Prozent der befragten Schüler der Auffassung, dass die Alliierten die Berliner Mauer errichten hätten. Lammert warnte: Je geringer der Kenntnisstand, desto unkritischer gehe die nachwachsende Generation in die Zukunft.
Lammert wie auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus und Hessens Innenminister Volker Bouffier (beide CDU) hoben die Bedeutung von Lernorten und Museen wie "Point Alpha" hervor. Althaus sagte, man habe eine Verantwortung, geschichtsträchtige Orte zu bewahren und die Zukunft zu gestalten. Mit Blick auf die "Perversität des Unrechtsstaats" lohne es sich immer, die Hoffnung an die Demokratie zu bewahren. Bouffier appellierte: "Es muss immer Menschen geben, die sich mutig einbringen. Die größte Gefahr, die wir heute haben, ist die Gleichgültigkeit."
Nach dem Festakt wurde die Ausstellung "Freiheit" eröffnet. Sie versteht sich als interaktive Begegnungsstätte und kommunikativer Raum für die Besucher, die Diskussion über Freiheit fortzuführen. Sie zeigt die "Einschränkungen" der Freiheit - individuelle und gesamtgesellschaftliche - durch die SED-Diktatur anhand von Objekten, Dokumenten und Fotografien. Mit einer Multivision von medialen Zitaten von 1989 soll die Dynamik und Dramatik, die Emotionen, Ängste und Hoffnungen des Revolutionsjahrs deutlich werden.
Direkt neben der Ausstellung im Haus auf der Grenze beginnt auf dem ehemaligen Todesstreifen der "Weg der Hoffnung" - ein von großen Eisen-Skulpturen flankierter Pfad, der an den biblischen Kreuzweg erinnern soll. Gestern wurden die ersten beiden von insgesamt 14 Skulpturen-Gruppen präsentiert. Bis zum 3. Oktober 2010 - 20 Jahre nach der Wiedervereinigung - sollen die letzten der meterhohen Werke des Metallbildhauers Ulrich Barnickel aufgestellt werden.
Der Eröffnungstermin für das Kunst- und Ausstellungsprojekt wurde bewusst gewählt. Denn 20 Jahre zuvor - am 7. Mai 1989 - lösten gefälschte Kommunalwahlen einen Aufschrei in der ehemaligen DDR aus. Dieses Ereignis bezeichnete Thüringens Ministerpräsident Althaus in Rasdorf als "Initialzündung für die friedliche Revolution".
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