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Kultur: Bereits vor Eröffnung gibt es Kritik an VHS-Schau „Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“

Umstrittene Ausstellung startet

Von unserem Redaktionsmitglied Timm Herre

Am Freitagabend öffnet in der Volkshochschule die Ausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948". Die Schau wandert bereits seit über drei Jahren durch Deutschland und zeigt nach eigenen Angaben eine "verdrängte Schattenseite der israelischen Staatsgründung". In der Region war sie bisher einmal zu sehen, im Frühsommer 2008 in Wiesloch. Zuletzt gab es allerdings wiederholt heftige Kontroversen um die Präsentation. Die Stadt Freiburg wollte im vergangenen November die Schau wegen "einseitiger Darstellung des Themas" absagen - was aber das Verwaltungsgericht nicht zuließ. In Düsseldorf wurden im März dieses Jahres die Tafeln nach wenigen Tagen wieder abgebaut. Die Begründung aus dem Rathaus: Die Ausstellung sei einseitig und tendenziös.

"Handwerkliche Fehler"

Ähnliche Vorwürfe sind nun auch in Heidelberg zu hören. Ein "ungutes Gefühl" hat beispielsweise Janusz Pawelczyk-Kissin. "Nach allem, was ich schon weiß, ist das eine äußerst zweifelhafte Ausstellung mit einer eindeutigen Tendenz", erklärt der Rabbiner der jüdischen Gemeinde auf Anfrage. Schon der Titel "Nakba" (deutsch: Katastrophe) irritiere ihn. "Das ist die Entsprechung des hebräischen ,Shoa'", sagt Pawelczyk-Kissin. Damit bezeichne man in Israel den Massenmord an den Juden durch die Nationalsozialisten.

Auch Johannes Heil, Historiker und Professor an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, sieht die Ausstellung kritisch. "Wenn man mir so etwas als Magisterarbeit abgeben würde, wäre es eine Fünf", erklärt der Wissenschaftler. Er sehe bei der Ausstellung "erhebliche handwerkliche Fehler". So bleibe die Rolle der arabischen Staaten in der Flüchtlingsfrage völlig unbeleuchtet. "Die haben nämlich alles getan, um die Flüchtlinge bis heute in diesem Status zu halten." Auch die arabischen Aufstände gegen die jüdischen Zuwanderer in den 1930er-Jahren würden quasi übergangen, obwohl sie "Pogromcharakter" gehabt hätten.

Konzipiert hat die Ausstellung Ingrid Rumpf. Die 62-Jährige aus der Nähe von Reutlingen wurde auf das Schicksal der Flüchtlinge über ihre Arbeit mit libanesischen Asylbewerbern aufmerksam. Mit der Schau wolle sie "Empathie und Verständnis für die Seite der Palästinenser" erreichen, erklärt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie bestreite nicht das Existenzrecht Israels. Den Vorwürfen, dass die Schau einseitig sei, will sie nicht groß entgegentreten: "Es ist legitim, einen Blick aus palästinensischer Sicht auf diesen Konflikt zu werfen", sagt die langjährige Aktivistin der Friedensbewegung. Aber sie betont, dass die Fakten sachlich richtig seien. "Sonst wäre mir die Darstellung längst um die Ohren geflogen." Tatsächlich hat laut "Badischer Zeitung" beispielsweise der Historiker Heinrich Schwendemann (Uni Freiburg) bestätigt: "Die Fakten stimmen."

Bei der Volkshochschule vertritt Sprecher Frank Feier den Standpunkt, dass "in einem Haus des Dialogs auch Kontroverses zur Sprache kommen soll". Deshalb biete die VHS auch ein Begleitprogramm mit Vorträgen und einer Podiumsdiskussion an. Allerdings haben die Organisatoren hierfür problematische Termine gewählt: den Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes und den Tag der Thora-Freude (20. Oktober). Johannes Heil empört das: "Dass man das Fest der Thora-Freude negativ politisieren will, zeigt meines Erachtens deutlich, dass es den Veranstaltern nicht um Ausgleich, sondern um Zuspitzung, ja um gezielte Entwürdigung der jüdischen Seite zu tun ist. Bei aller Objektivität ist das ganz einfach: ein Skandal."

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 22.09.2011

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