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Freitag, 25.05.2012

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Stuttgart 21: Münchner Ingenieurbüro berechnet Kosten für das Gesamtprojekt auf bis zu 19 Milliarden Euro

Warnung vor Preisexplosion

Von unserem Korrespondenten Joachim Rüeck

Stuttgart. Seitdem eine Kostenrechnung aus ihrem Hause die Transrapid-Pläne in der bayerischen Landeshauptstadt scheitern ließ, gilt das Ingenieurbüro Vieregg & Rößler als Großprojekt-Killer. Zum zweiten Mal sicherten sich nun die Grünen die Dienste der Münchner, um Stuttgart 21 in Bedrängnis zu bringen. Und die Verkehrsberater kommen prompt zum Ergebnis, dass auch beim Bau der ICE-Trasse nach Ulm die Kosten explodieren werden: Mindestens 4,6 Milliarden, eher 5,3 Milliarden, wenn nicht sogar zehn Milliarden Euro werde die Strecke kosten. Die Bahn hatte zuletzt 2,9 Milliarden Euro berechnet.

Bereits 2008 hatten Vieregg & Rößler die Ausgaben für die Verlegung des Stuttgarter Schnellbahnverkehrs unter die Erde prognostiziert. Sie gehen von bis 6,7 bis 8,7 Milliarden Euro aus, die Bahn lediglich von 4,1 Milliarden. Damit veranschlagt das Büro die Kosten für das Gesamtprojekt auf 12 bis fast 19 Milliarden Euro.

Bahn nennt die Zahlen falsch

Während die Bahn die Zahlen des Münchener Büros als "falsch und nicht nachvollziehbar" bezeichnete, gaben sich dessen Geschäftsführer Mühe, ihre Berechnungen zu belegen. "Wir orientieren uns immer an schon fertiggestellten Projekten, nicht an Tabellen", sagte Martin Vieregg gestern in Stuttgart. Die Kosten für die Tunnelbauten seien viel zu niedrig angesetzt. Im günstigsten Falle habe er einen Preis von 200 Euro pro Kubikmeter recherchiert, im ungünstigsten Fall 600 Euro. Die Bahn gehe aber nur von 160 Euro pro Kubikmeter aus.

Einen sofortigen Baustopp von Stuttgart 21 fordert angesichts des Vieregg-Rößler-Papiers der Grünen-Politiker Winfried Hermann. Er nannte Stuttgart 21 und die damit verbundene ICE-Trasse nach Ulm den "mit Abstand größten Kostenknaller in der deutschen Eisenbahngeschichte". Die Bahn arbeite auf der Grundlage von "völlig falschen Zahlen", so der Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag. "Im Privatleben würde man von Betrug sprechen." Andere, seiner Ansicht nach wichtigere Bahnprojekte wie die Rheintalstrecke und die Trasse Frankfurt-Mannheim würden massiv darunter leiden.

Karlheinz Rößler empfahl, mit der Planung von vorne zu beginnen oder - anstatt aufwendige Tunnels zu bauen - die vorhandene Strecke nach Ulm zu überarbeiten. Durch den Einsatz von Neigetechnik-Zügen könne nach einer Modernisierung der Strecke eine ähnliche Fahrzeitverkürzung erreicht werden wie durch die Neubautrasse.

Die Bahn wies die Darstellung der Münchener Ingenieure zurück. "Hier wird zum wiederholten Mal mit Horrorzahlen versucht, die Bevölkerung zu verunsichern und Stimmung gegen das Projekt zu machen", heißt es in einer Pressemitteilung. In die Entwurfsplanung der Bahn seien dagegen "exakte Daten über Mengen und Preise sowie Gewerke und geologische Verhältnisse eingeflossen, die eine präzise Berechnung der zu erwartenden Baukosten ermöglichen".

Das Büro bezeichnete die Reaktion als Verunglimpfungen und verwies auf eine Reihe von Bahnprojekten, die konzeptionell auf Arbeiten von Vieregg & Rößler basierten.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 09.09.2010

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