Das Interview:
Michael Herberger von den Söhnen Mannheims über den Bandwettbewerb „Söhne Mannheims suchen Support“
„Wir beschleunigen Karrieren“
Von unserem Redaktionsmitglied Stefan M. Dettlinger
Die Söhne Mannheims und Xavier Naidoo solo werden am 17. November 2010 die SAP Arena rocken. Im Vorfeld des großen Konzerts zugunsten hilfsbedürftiger Kinder suchen die Söhne in Kooperation mit dem "Mannheimer Morgen" die Vorband für diese besondere Veranstaltung. Dazu wird ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Finale am 15. Oktober im Mannheimer Capitol stattfinden wird. Über die Idee, das soziale Engagement und Popförderung sprechen wir mit Michael Herberger.
Herr Herberger, die Söhne Mannheims und Xavier Naidoo solo geben im November in der SAP Arena ein großes Konzert zugunsten von Kindern in Not. Ist das Imagepflege oder Herzensangelegenheit?
Michael Herberger: An Imagepflege hat bei uns keiner gedacht. Soziales Engagement war immer unsere Herzensangelegenheit. Unseren Verein gibt es seit über zehn Jahren. Vor einigen Jahren haben wir uns entschlossen, alle sozialen Aktivitäten auf das "Aufwind"-Projekt in der Neckarstadt zu konzentrieren. Für dieses Projekt spielen wir am 17. November.
Was genau ist "Aufwind"?
Herberger: Wir haben Räumlichkeiten der Luthergemeinde angemietet und sind quasi Anlaufstation für Leute mit Problemen, wobei sich ein Schwerpunkt herauskristallisiert hat: Die meisten, die zu uns kommen, sind alleinerziehende Elternteile mit ihren Kindern.
Das heißt, Sie wollen den Worten aus Ihren sozialkritischen Liedern Taten folgen lassen?
Herberger: Das hätte ja dann etwas mit Imagepflege zu tun. Ja. Nein. Also die Idee ist schon so alt - da sieht man, dass es uns schon immer wichtig war, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Hilfsbedürftige in der Region zu unterstützen.
Nun betreiben Sie mit dem Bandwettbewerb "Söhne Mannheims suchen Support" auch noch Popförderung. Braucht der Pop das?
Herberger: Wer braucht keine Förderung! Natürlich braucht auch Popmusik Unterstützung, und weil wir in der glücklichen Lage sind, unterstützen zu können, tun wir das, wo wir eben können. Die Frage ist schwierig, denn einerseits, wenn du bestimmt bist, erfolgreich zu sein, dann bist du nicht wirklich auf eine Förderung angewiesen. Andererseits: Beispielsweise durch einen Auftritt als Vorband der Söhne Mannheims lässt sich eine Karriere natürlich beschleunigen.
Sie suchen also eine Band, die vor den Söhnen in der SAP Arena spielt. Sie und Xavier Naidoo sitzen neben Redakteuren des "Mannheimer Morgen" in der Jury. Worauf werden Sie persönlich bei der Auswahl besonders achten?
Herberger: Authentizität ist mir am wichtigsten. Wobei das natürlich nicht andere Defizite komplett ausgleichen kann. Man muss eine Professionalität, Fertigkeit am Instrument oder eben beim Singen und Performen haben. Aber das Wichtigste ist, dass mich die selbstgeschriebenen Lieder emotional berühren.
Die Söhne sind eine Band, bei der die Botschaft nicht unwichtig ist. Welche Rolle spielen die Texte beim Bandwettbewerb?
Herberger: Ich muss sagen, dass mir deutsche Texte immer lieber sind, weil ich der Aussage nicht ausweichen kann. Das heißt: Singt jemand auf Deutsch, muss ich mich mit der Thematik des Lieds beschäftigen. Auf Englisch kann ich den Text ausblenden. Wenn es jemand schafft, die deutsche Sprache in Einklang mit der Musik zu bringen, dann würde ich das höher bewerten als die gleiche Leistung auf Englisch. Es ist auch ungleich schwieriger.
Sie sprechen jetzt über die Sprache. Aber was ist mit den Inhalten?
Herberger: Das ist ein weites Feld. Pop muss nicht immer sozialkritisch sein. Aber man muss natürlich etwas zu sagen haben. Ich denke da an U 2. Die haben ein sehr großes thematisches Spektrum, und obwohl nicht alles sozialkritisch ist: Man hat immer den Eindruck von großer Authentizität. Also Bono hat immer etwas mitzuteilen.
Heißt das auch, dass die musikalische Stilrichtung bei der Auswahl der Finalisten keine Rolle spielt?
Herberger: Ich versuche selbstverständlich, meinen persönlichen Musikgeschmack auszublenden. Wobei eine hundertprozentig objektive Beurteilung nicht möglich ist. Aber an diesem Ziel wollen wir uns natürlich orientieren.
Wie kam es zur Idee, auch im Internet als Ausscheidungsrunde ein Voting für Leser und User zu machen?
Herberger: Wir wollen die Menschen aus der Region einbeziehen. Wir machen eine Aktion aus der Region für die Region. Deswegen würden wir uns freuen, wenn möglichst viele Bands aus der Metropolregion bei "Söhne Mannheims suchen Support" teilnehmen.
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