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„Wir sind schon mit ganz anderem fertig geworden“

Archiv-Artikel vom Montag, den 01.02.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Mack

Hans-Jochen Vogel am 3. September 2007 bei einem Auftritt in der SPD-Zentrale vor der Willy-Brandt-Büste.

© dpa

Als Münchner Oberbürgermeister musste Hans-Jochen Vogel das Olympia-Attentat erleben, als Bundesjustizminister dem RAF-Terror begegnen. Angesichts der heutigen Herausforderungen plädiert er für Gelassenheit. Seine Vorliebe für Klarsichthüllen hat sich der Sozialdemokrat bewahrt.

Um Punkt 15.00 Uhr, exakt zum verabredeten Zeitpunkt, ruft Hans-Jochen Vogel an. Anlass für das Telefoninterview ist der 90. Geburtstag, den der Sozialdemokrat an diesem Mittwoch feiert.

Herr Vogel, Sie waren SPD-Vorsitzender, Bürgermeister in München wie in Berlin und haben zwei Bundesministerien geführt. Welches Amt war Ihr schönstes?

Hans-Jochen Vogel

  • Am 3. Februar 1926 wurde Hans-Jochen Vogel in Göttingen geboren.
  • 1943 meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht - aber nur, um der zwangsweisen Einberufung in die Waffen-SS vorzubeugen.
  • Nach Kriegsende setzte Vogel sein Jurastudium fort, promovierte "magna cum laude" (mit großem Lob) und ging in den Staatsdienst.
  • Von 1960 bis 1972 war er Münchner Oberbürgermeister. Danach wurde der Sozialdemokrat erst Bundesbau- und 1974 Bundesjustizminister. 1981 wechselte er als Regierender Bürgermeister nach Berlin. 1983 übernahm Vogel die Führung der SPD-Bundestagsfraktion, 1987 auch den Parteivorsitz. Beide Ämter behielt er bis 1991.
  • Sein sieben Jahre jüngerer Bruder Bernhard ging in die CDU und wurde Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz wie später in Thüringen. (sma)

Hans-Jochen Vogel: Ich will den anderen Ämtern gegenüber nicht ungerecht sein, aber die Arbeit in meiner Heimatstadt München hat mich am meisten geprägt.

Wieso?

Vogel: Weil ich dort als Oberbürgermeister jeden Tag unmittelbaren Kontakt zu den Bürgern hatte. Außerdem ist man als Kommunalpolitiker vom ersten Gedanken zur Lösung eines Problems bis zur Realisierung für alles zuständig. In der Bundesregierung läuft dagegen vieles über nachgeordnete Behörden.

Als Krönung Ihrer Zeit als Oberbürgermeister konnten Sie 1972 die Olympischen Spiele austragen?

Vogel: Das verdankten wir Willi Daume, dem damaligen Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Er hatte 1965 die Idee zur Bewerbung. Ich hätte 20 Jahre nach Kriegsende nie gedacht, dass es möglich wäre, die Olympischen Spiele in die "Hauptstadt der Bewegung" - wie Hitler München nannte - zu holen.

Im Gegensatz zu heutigen Olympia-Bewerbungen waren seinerzeit auch alle begeistert, oder?

Vogel: Ja, nicht mal die 68er haben gemotzt, obwohl die doch immer was zu motzen hatten. Dass man angesichts der Entwicklungen im Spitzensport und in den großen Sportverbänden heute solche Bewerbungen kritischer sieht, verstehe ich.

Überschattet wurden die Spiele dann vom Palästinenser-Attentat auf das israelische Team. Mit welchen Gefühlen denken Sie daran?

Vogel: Das war einer der traurigsten Tage meines politischen Lebens. Dass so etwas jungen jüdischen Menschen passiert, die wir nach München eingeladen haben, war einfach nur furchtbar.

Später als Justizminister hatten Sie es mit dem Terror der Roten Armee Fraktion zu tun. Sehen Sie da Parallelen zur Gegenwart?

Vogel: Da gibt es erhebliche Unterschiede. Die RAF-Leute waren keine Selbstmordattentäter und nicht religiös motiviert. Die heutige Bedrohung durch den IS-Terror ist eine noch größere Herausforderung, auch wegen der Globalisierung.

Müssen deshalb manche Grundfreiheiten eingeschränkt werden?

Vogel: Damit wäre ich vorsichtig.

Neigen Sie eher der Lesart zu, man solle sich seine Freiheiten vom Terror nicht verderben lassen und lernen, mit der Bedrohung zu leben?

Vogel: Das halte ich für eine vernünftige Einstellung. Bei aller Vorsicht mit Vergleichen: Wir leben ja auch mit einer ständigen Unfallgefahr.

Derzeit beschäftigt die Menschen am meisten das Thema Flüchtlinge. Machen auch Sie sich Sorgen?

Vogel: Wir sollten uns daran erinnern, mit welchen Herausforderungen wir in unserem Land nach 1945 fertig geworden sind. Ich sehe keinen Grund für Zweifel, dass uns das auch diesmal gelingen wird.

Also unterschreiben Sie Angela Merkels "Wir schaffen das"?

Vogel: Es kommt immer darauf an, wie wir es schaffen.

Einige meinen: nur mit Grenzkontrollen. Sehen Sie das auch so?

Vogel: Ich mache ein dickes Fragezeichen dahinter, ob es klug wäre, das Schengener Abkommen auszusetzen. Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen: Was wir brauchen, sind Lösungen auf europäischer Ebene.

Einen nationalen Alleingang würden Sie also ablehnen?

Vogel: Allein können wir es nicht schaffen. Im Zuge der Globalisierung lassen sich nur selten Probleme auf nationaler Ebene lösen.

Die Flüchtlingskrise beschert der AfD gewaltigen Auftrieb. Wie finden Sie diese Partei?

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